Warum wedelt ein Hund mit seinem Schwanz? Weil ein Hund schlauer ist als sein Schwanz. Wenn der Schwanz schlauer wäre, würde der Schwanz mit dem Hund wedeln.
Stimmt! Aber mit ein bisschen Manipulation ist alles möglich. Und wenn es nur die geschickte Manipulation der öffentlichen Meinung ist, ja dann kann auch irgendwann der Schwanz mit dem Hund wedeln!
„Wag the dog“ könnte man als Nährboden für Verschwörungstheoretiker ansehen… Könnte… Denn wie war das noch mal? Die erste Mondlandung war eine Studio-Produktion, die uns vorgesetzt wurde, um uns weis zu machen, dass die USA die führende Nation in Sachen Weltraumfahrt sind? Wenn wir uns den Film von Barry Levinson („Good Morning, Vietnam“, „Rain Man“) betrachten, müssen wir erkennen: So unrealistisch erscheint das alles nicht, was uns Dustin Hoffman und Robert De Niro da präsentieren…
Zwei Wochen vor der Wahl sorgt Mr. President selbst für Furore im Weißen Haus und seinem Wahlkampfteam: Er soll bei einer Führung durch das Weiße Haus eine Schülerin belästigt haben. „Schädlich für den Wahlkampf“, da sind sich alle einig, und so muss schnellstmöglich etwas her, das den Fokus der Öffentlichkeit von diesem Zwischenfall lenkt. Das Allround-Talent Conrad Brean (Robert De Niro) hat die rettende Idee: Mit Hilfe des Hollywood-Produzenten Motss (Dustin Hoffman) soll ein Krieg gegen Albanien inszeniert werden. Natürlich kein reeller Krieg, sondern lediglich ein Krieg, der der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. So macht sich der Produzent daran, im Studio möglichst realistische Kriegsbilder zu kreieren, die flugs der Presse zugespielt werden.
Witzige Idee. Kann man nicht anders sagen; denn es wird dem Publikum eindrucksvoll vor Augen geführt, welch ungewöhnliche Wege Menschen gehen, wenn es um das geht, was jeder gerne einmal hätte: Macht! Robert De Niro und Dustin Hoffman spielen sich in diesem Schauspiel die Bälle mit einer schlafwandlerischen Sicherheit zu, dass man sie einfach für ihre Leistung in „Wag the dog“ bewundern muss; sie bereiten ein Sehvergnügen, das politische Komödien nur selten erzeugen können. Um Langeweile weitestgehend zu verhindern, wird dann kurzerhand noch der politische Gegner mit eingebaut, der langsam aber sicher Wind von den manipulativen Machenschaften bekommt, sodass die Berater des amtierenden Präsidenten immer wieder gegenlenken müssen. Hätte man hier neben den politischen Gegenspielern noch zusätzlich das Volk – immerhin vor dem Hintergrund der hier erzählten Geschichte nicht gerade die uninteressanteste Gruppierung – stärker in die Handlung mit einbezogen, hätte aus „Wag the dog“ eine der besten Polit-Satiren aller Zeiten werden können. So bleibt ein leicht fader Nachgeschmack, der durch eine eher mittelmäßig agierende Anne Heche als Präsidenten-Beraterin nur noch verstärkt wird. Der später als Kriegsheld präsentierte Woody Harrelson kann aufgrund seines recht dünn angelegten Charakters William Schumann leider auch nicht so wirklich zeigen, was in ihm steckt. Diesen Part hätte man getrost ein wenig ausweiten und dafür zugunsten seiner Figur einige unnötige Passagen im Mittelteil des Films streichen können. Die musikalische Komponente des Filmes kommt über weite Strecken des Filmes auf Sparflamme daher, lediglich die patriotischen Klänge, die Musiklegende Willie Nelson für die von Motss produzierte „Propaganda“ komponiert, sorgen für gelungene musikalische Untermalung, die den Zuschauer auch irgendwie in „Vaterlandsstolz“ für die guten, alten Vereinigten Staaten versetzen kann (auch dann, wenn man nicht aus diesem Land stammt).
Im Großen und Ganzen ist es nicht verwunderlich, dass „Wag the dog“ nur verhalten vom Kinopublikum aufgenommen wurde, denn mit einem kinotauglichen Film haben wir es hier ganz und gar nicht zu tun; ein netter Film für einen ruhigen Fernseh-Abend, nicht mehr und nicht weniger. Pluspunkte gibt’s für die originelle Idee, die hinter dem Drehbuch steckt und die sympathischen Hauptdarsteller; Abstriche für ein paar Mängel in puncto Plot und Inszenierung. 7,5 von 10 Punkten!