Wer Filme nicht mag, in denen unaufhörlich mehrere Menschen ungebremst durcheinander reden, sollte vorsichtig mit WAG THE DOG sein. Dies ist nämlich unbarmherziges und prägnantes formales Stilmittel. Aber die Ausführenden sind uns ja extrem sympathisch. Insbesondere die Protagonisten Dustin Hoffman und Robert De Niro die den größten Anteil an dem Redeschwall haben. Aber immerhin müssen sie in WAG THE DOG nicht mit dem Schwanz wedeln, sondern nicht weniger als den US-Präsidenten 2 Wochen vor der Neuwahl aus den Schlagzeilen in Bezug auf eine angebliche sexuelle Belästigung bringen. Wie sie das tun, ist die große Kunst der Politsatire zum einen und die von sogenannten "Spin-Doctors" zum anderen.
Spin-Doctors sind die Medien- bzw. Image-Berater von entsprechend Verantwortlichen, meist in der Politik. In diese Funktion versuchen unsere Helden alles zu unternehmen um die Öffentlichkeit von der oben genannten Affäre abzulenken und auf vermeintliche andere US-Kriegsschauplätze wie Albanien zu lenken. Wer sonst außer dem erfahrenen Hollywood Produzenten Stanley (Dustin Hoffman) kann dies mit all seiner Erfahrung im Bereich Dramaturgie, Musik, Emotion und Darstellungskunst arrangieren? Und somit ziehen unsere Medien-Helden in den unerbittlichen Kampf um die Gunst der Medien….die Zeit bis zur Neuwahl läuft unaufhörlich ab….
In schönen Nebenrollen brillieren Woody Harrelson, die noch recht junge Kirsten Dunst und William H. Macy als CIA Chef. Selten nimmt ein amerikanischer Film das eigene politische System so auf das Korn wie es Regisseur Barry Levinson mit WAG THE DOG tun. In zutiefst schwarzhumoriger Form wird kein Blatt vor den Mund genommen und mittels aller zur Verfügung stehender Stilmittel sonst eher konservativer Hollywoodproduktionen wird das System der Meinungsmanipulation und die diversen strategischen und taktischen Tricks der Politberater karikiert. Profis wissen, dass es zwar überzeichnet ist, aber im Prinzip gar nicht so weit weg von der gelebten Realität der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Geradezu angenehm bösartig ist der Fakt, dass der Präsident immer schemenhaft im Hintergrund bleibt und damit der Fakt, dass er nur eine Front-Marionette im übergeordneten Medienspiel ist, sogar noch satirisch überspitzter gezeichnet wird. Alle Protagonisten, De Niro und Hoffman, spielen ihre Routine mit voller Breitseite aus. Natürlich tut sich Hollywood selbst nicht wirklich weh und bei allem schwarzen Humor ist WAG THE DOG noch komfortabel im Rahmen dessen was die Traumfabrik in der Lage ist an Selbstkritik zu verkraften. Dennoch unterhält diese Mischung auf hohem Niveau und stellt erfolgreich die Frage nach der eigentlichen Realität der Meinungsbildung innerhalb politischer Systeme.
7/10 Punkten