Nach einer wahren Begebenheit: Bryan Cranston spielt den US-Agenten Robert Mazur, der sich in den 1980er Jahren undercover als Geldwäscher in Kreisen krimineller Banker und Drogenhändler vernetzte. Mazur und seine Kollegen kamen bei ihrer Arbeit sogar in Reichweite des berüchtigten kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar und ermöglichten einen der größten Schläge gegen Geldwäsche und Drogenhandel in der US-Geschichte.
Bereits von US-Präsident Richard Nixon ausgerufen, hat wohl keiner seiner Nachfolger den „war on drugs“ härter geführt als Ronald Reagan, in dessen Regierungszeit auch die Undercover-Aktion von Robert Mazur fällt, der in einem Zeitraum von etwa fünf Jahren die Finanzströme der großen Kartelle und Drogenbarone aufdeckte und damit sogar Pablo Escobar einen schweren Schlag versetzte. Obwohl Filme über den Drogenkrieg seit Jahren im Kino quasi allgegenwärtig sind - man denke nur an den vor zwei Jahren erschienen Denis-Villeneuve-Thriller „Sicario“ oder die Netflix-Serie „Narcos“ - hätte das auf den Memoiren Mazurs basierende Thriller-Drama aufgrund der interessanten Geschichte und der nach wie vor relevanten Thematik sicherlich Potential gehabt. Doch das wird weitgehend verschenkt.
Anders als bei seinem spannenden Justiz-Thriller „Der Mandant“ findet Regisseur Brad Furman zu keinem Zeitpunkt einen wirklich mitreißenden Erzählfluss, was auch den Schwächen im Drehbuch seiner Mutter Ellen Brown Furman geschuldet sein dürfte. Das ist zwar sehr detailverliebt und führt zahllose reale Personen, die im Zuge der Ermittlungen später verurteilt wurden, ein. Es fällt aber auch schwer, den Überblick über die mehrjährigen, komplexen Ermittlungen zu behalten. Immer wieder gibt es spannende Einzel-Sequenzen, bei denen der Film an Fahrt gewinnt, woraufhin das Tempo wieder verschleppt wird. Der Film lebt so über weite Strecken von seiner trotz allem interessanten Geschichte, ohne, dass jemals der Eindruck entsteht, die wichtigsten Aspekte des Falls seien deutlich und pointiert herausgearbeitet worden. Es fehlt das Gespür für das wirklich Wichtige, Interessante, für die relevanten Fakten, für eine spannende Aufbereitung der Ermittlungen.
So ist es am Ende vor allem Bryan Cranston und den übrigen Darstellern überlassen, den Film zu tragen. Und Cranston macht seine Sache ausgezeichnet. Er legt seinen Robert Mazur als einen eher risikoscheuen Familienvater an, der in der Rolle des zwielichtigen Geldwäschers Bob Musella dennoch so glaubhaft agiert, dass ihm die Kriminellen auf den Leim gehen. Großartig ist etwa die Szene, in der er eben noch den Hochzeitstag mit seiner Frau begeht, um dann einen arglosen Kellner jähzornig herunterzuputzen, voll im alten „Breaking Bad“-Modus, weil Mazur einem der Ziele seiner verdeckten Ermittlungen seine Rolle vorspielen muss. Umso bedauerlicher, dass dieser Spagat nicht ausführlicher behandelt wird. Auch der Umstand, dass Mazur für manche seiner Zielpersonen gewisse Sympathien entwickelt zu haben scheint, wird nur angedeutet, sorgt aber immerhin für ein nachdenkliches und sehr ambivalentes Finale. Daneben überzeugen auch Diane Kruger und John Leguizamo, die ihre verdeckten Ermittler ebenso gelungen verkörpern.
Fazit:
„The Infiltrator“ schildert die mehrjährige verdeckte Ermittlung von Robert Mazur detailverliebt, aber unübersichtlich und spannungsarm, weil nur selten ein echter Erzählfluss zustande kommt. Schade um den starken Cast und die interessante Geschichte. Das Potential des Films wird in zu wenigen Szenen wirklich genutzt, was nicht heißen soll, dass er wirklich schlecht wäre.
52 %