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Er ist ein harter Hund, der in seiner langjährigen Tätigkeit als Drogenermittler in Tampa/Florida schon so einiges erlebt hat, dennoch denkt Robert Mazur (Bryan Cranston) noch lange nicht ans Aufhören, selbst dann nicht, als man ihm wegen einer Bauchverletzung die Versetzung in den Vorruhestand anbietet. Denn der verheiratete Vater zweier Kinder, den die Machtlosigkeit seiner Behörde gegen die überbordende Menge an Drogen wurmt, hat einen Plan entwickelt: statt dann und wann einige Lieferungen Stoff zu beschlagnahmen, erachtet er es als wesentlich sinnvoller, die Geldflüsse der Drogenkartelle genauer unter die Lupe zu nehmen.
Schnell ist er mit einer neuen Identität als Geschäftsmann Robert Musella ausgestattet und bietet sich als diskreter Vermittler von Finanztransaktionen an. Nachdem er bei untergeordneten Dealern damit Erfolg hat, gelingt es ihm, dank Empfehlungen auch Kontakt zu wichtigeren Drogengrößen zu erhalten. Dabei lernt er auch die maßgeblichen Banker kennen, wie jene der britischen Bank of Credit and Commerce International (BCCI), der siebtgrößten Privatbank der Welt, die ihn dank seines distinguierten Auftretens nach kurzer Zeit als einen Bevollmächtigten anerkennen - die Transfersummen erreichen dabei bereits dreistellige Millionenbeträge.
Auf seinem Weg zu den obersten Drogendealern Südamerikas wie dem Medellín-Kartell muß Musella, der dabei stets auf die Mithilfe seines hemdsärmlig auftretenden Kollegen Emir Abreu (John Leguizamo) zählen kann, jedoch auch einige Prüfungen durchstehen, die ihn ein ums andere Mal erschüttern: so wird er mit einem anderen Agenten bei einer Voodoo-Zeremonie "geprüft", wobei der andere erschossen wird, Musella die "Prüfung" jedoch aus ihm nicht ersichtlichen Gründen besteht. Ein weiterer Undercover-Beamter, der sich schon sehr weit in der Drogen-Hierachie hinaufgedient hatte und mit Musella gerade plaudert, wird bei einem Drive-by-Shooting getötet, dem Musella mit viel Glück nur leicht verletzt entkommt. Später erhält er per Post einen blutigen Miniatur-Sarg, den versehentlich seine kleine Tochter öffnet...
Doch all dies wirft den kantigen Schnauzbart, der mit einem präparierten Koffer sämtliche Gespräche aufzeichnet, nicht aus der Bahn. Seitdem der glücklich verheiratete Mazur/Musella zwei vom Kartell spendierte Freudenmädchen mit dem Hinweis auf seine Verlobung ablehnte, steht ihm mit Kathy Ertz (Diane Kruger) auch eine junge Beamtin zur Seite, die ihn bravourös unterstützt. Der titelgebende Infiltrator hat sich in seine Undercover-Rolle bereits derart eingelebt, daß es ihm manchmal schwerfällt, zwischen dem Ermittler und dem Finanzmakler zu unterscheiden - besonders, nachdem er von Pablo Escobars rechter Hand Roberto Alcaino (Benjamin Bratt) bei einem Essen in dessen Familie eingeführt wird...

Daß True-Crime-Krimis keineswegs trocken sein müssen, bewies Regisseur Brad Furman (The Lincoln Lawyer) mit seinem 2016er Drogen-Thriller The Infiltrator um den verdeckten Ermittler Robert Mazur, dem es Mitte der 1980er Jahre gelang, die finanziellen Verflechtungen des Medellín-Kartells zu kompromittieren. Auf Mazurs Buch basierend, ließ Furmann Breaking-Bad-Darsteller Bryan Cranston in der Hauptrolle ermitteln, und der Mann mit dem markanten, faltigen Gesicht erwies sich als ausgesprochener Glücksgriff, vermag er doch den eher einem Drama gleichenden Psycho-Thriller, der weitgehend auf Action und Spektakel verzichtet, ganz alleine zu tragen.

Der bis in die Nebenrollen hervorragend besetzte Krimi weiß dabei besonders durch die Darstellung der durchaus schrägen Typen, mit denen es Musella zu tun bekommt, zu überzeugen: ein stets gemeinsam auftretendes Vater-Sohn-Duo Gonzalo Mora junior und senior, ein tuntiger Capo, der Musella in den Schritt greift, ein Häftling, der seine Erfahrungen als Enforcer des Kartells preisgibt, Musellas Sidekick Emir, dessen mangelnde Bildung stets für einen Lacher gut ist, diskrete Banker, die sich nicht lange bitten lassen und schließlich ein Vertrauter Escobars, der Musella in seinem Zuhause bewirtet, ihm seine Familie vorstellt und ihm ganz nebenbei seine Ansicht zu einem  gerade ermordeten Agenten mitteilt.
Gleichwohl man das - historische - Ende bereits kennt, vermag The Infiltrator immer wieder durch spezielle Wendungen eine gewisse Spannung aufrechtzuerhalten, sodaß die über 2 Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen. Fazit: ein sehenswerter Thriller, der sich dank der hervorragenden Darsteller auch für eine Zweitsichtung empfiehlt: 8 Punkte.

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