Tom Hanks spielt ein drittes Mal den waghalsigen wie genialen Professor Robert Langdon, der in einem Krankenhausbett erwacht, ohne sich an etwas erinnern zu können. Die behandelnde Ärztin, gespielt von Felicity Jones, erzählt ihm, dass auf ihn geschossen wurde und dass er sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hat. Als der von Visionen und Tagträumen geplagte Professor gerade anfängt, sich an die letzten Stunden zu erinnern, in denen er in Florenz unterwegs war, taucht eine Polizistin im Krankenhaus auf, die versucht, ihn zu töten. Mit Hilfe seiner Ärztin kann er aber entkommen und in ihrer Wohnung untertauchen. Dort findet er einige Hinweise dafür, dass er sich auf der Spur eines Killervirus befand, dessen Schöpfer, ein größenwahnsinniger US-Milliardär, gespielt von Ben Foster, vor Kurzem verstorben ist. Zuvor konnte dieser das Virus jedoch verstecken und einen verschlüsselten Pfad anlegen.
Als kurz nach der Jahrtausendwende Dan Browns Romane „Angels & Demons“ und „The Da Vinci Code“ erschienen und letzterer vor 10 Jahren verfilmt wurde, konnten die gleichermaßen interessanten wie steilen Thesen, die Verschwörungstheorien und wahnwitzigen historischen Bezüge des amerikanischen Autoren auch in Deutschland große Aufmerksamkeit erregen. „The Da Vinci Code“, in dem Bezüge zwischen dem Renaissance-Maler und den leiblichen Nachkommen von Jesus Christus sowie diversen Geheimbunden hergestellt wurden, konnte so rund 750 Millionen Dollar einspielen, während Browns weniger ernst gemeinte Verschwörungstheorien in allerlei (Wissens)Magazinen und der Tagespresse breit diskutiert wurden. Nun, nachdem zwei weitere Robert-Langdon-Romane und mit „Inferno“ die dritte Verfilmung erschienen ist, hat sich der Sturm gelegt, was auch die zurückgehenden Einspielergebnisse dokumentieren: Hatte „Illuminati“ (Angels & Demons) noch knapp eine halbe Milliarde Dollar eingespielt, wird es „Inferno“ schwer haben, auch nur auf die Hälfte dieses Ergebnisses zu kommen. All das sind klare Anzeichen dafür, dass sich das Konzept allmählich abnutzt, dass die Zuschauer genug Schnitzeljagden durch historische Altstädte, Museen, Ausstellungen und Katakomben gesehen haben. Das ist jedoch nicht der einzige Grund dafür, dass der durchaus sehenswerte „Inferno“ nicht ganz an die Qualität der beiden Vorgänger heranreicht.
Vor allem in der ersten Filmhälfte versucht Ron Howard so ziemlich alles, um Tempo und Spannung hoch zu halten, wobei er sich vergaloppiert. Schnelle Schnitte, alptraumhafte Tagträume, wirre Kamerabewegungen, die den Zuschauern - wie auch Landon nach seiner Gehirnerschütterung- ins kalte Wasser werfen sollen, verbinden sich zu einem anstrengenden Seherlebnis, das zunächst einmal für große Verwirrung sorgt. Howard gönnt den Akteuren wie auch seinen Zuschauern keinerlei Verschnaufpause, zeigt sich allzu bemüht, seinen Film nicht zur Ruhe kommen zu lassen, was sich zunächst jedoch eher erschöpfend als mitreißend gestaltet. Der treibende Score von Hans Zimmer verstärkt die Hektik dieses Thrillers nur, der sich wie ein Actionfilm geriert. Wenn sich die Puzzleteilchen dann zusammenfügen und „Inferno“ in der zweiten Filmhälfte zielstrebiger wird, kommt aber durchaus Spannung auf, zumal Howard mit einigen gut getimten und durchaus überraschenden Wendungen aufwarten kann, wenngleich man diese Auflösungen a la Dan Brown bereits aus den Vorgängerfilmen kennt. Während das spannende Finale überzeugt, setzt sich am Ende dennoch der Eindruck fest, dass die Hintergründe für die Schnitzeljagd diesmal (noch) konstruierter als bei den Vorgängerfilmen sind, dass der US-Milliardär sein Virus auch einfach hätte freisetzen können, statt es zu verstecken und einen kaum zu entschlüsselnden Pfad anzulegen. Überhaupt nimmt es auch „Inferno“ nicht allzu genau mit der Logik und bezieht den Zuschauer bei der Auflösung seiner Rätsel nicht ein, doch genau diese vergnüglich konstruierten und mit historischen Bezügen gespickten Hinweisketten sind es doch, die Dan Brown und seine Verfilmungen bei allen Fantastereien ausmachen.
Trotz aller Schwächen auf inhaltlicher und narrativer Ebene, ist „Inferno“ ein unterhaltsamer und sehenswerter Thriller geworden, der nach den Wackel-Szenen am Anfang auch auf handwerklicher Ebene überzeugt. Howard wartet mit spannenden Action-Szenen auf und rückt auch diesmal die zahlreichen sehenswerten Schauplätze in Florenz, Istanbul und Venedig perfekt in Szene. Bei den atemberaubenden Kamerafahrten und den opulenten Bildern europäischer Wahrzeichen, von Gemälden und Parkanlagen, sieht man dem hochbudgetierten Thriller seine finanziellen Möglichkeiten durchweg an, was auch für den prominent besetzten Cast gilt. Tom Hanks, der bei den Vorgängerfilmen mitunter auch mal etwas entgeistert oder lustlos wirkte, überzeugt diesmal nicht nur mit einer hohen Leinwandpräsenz, sondern auch mit einem wohltuend ruhigen aber dennoch fesselnden Spiel, das vor allem in den hektischeren Szenen etwas entschleunigend wirkt. Daneben gibt es einen ebenfalls überzeugenden Auftritt von Felicity Jones zu sehen, die nicht nur zum schmückenden Beiwerk verkommt, einen gewohnt extrovertierten und sehr einnehmenden Ben Foster, einen undurchsichtigen Omar Sy und einen ebenfalls sehr präsenten Irrfan Khan, der das Geschehen zum Ende hin regelrecht an sich reißt.
Fazit:
Zwar versucht Ron Howard anfangs zu angestrengt, für Spannung und Tempo zu sorgen, sodass er mit hektischem Schnitt und wackeliger Kamera für etwas Konfusion sorgt, doch dann beginnt das reizvolle Puzzlespiel mit überraschenden Wendungen trotz einiger inhaltlicher Unwuchten zu fesseln. Die guten Darsteller und die opulente Optik hieven den Thriller ins obere Mittelmaß.
68 %