Review

Nicht Dante's Peak

"Inferno" macht gar nicht mal allzu viel falsch. Er macht es nur verdammt langweilig. Die dritte und unspektakulärste Rätselreise von Robert Langdon, diesmal auf der Spur eines tödlichen Virus' durch Florenz, Venedig und Istanbul, ließ mich wesentlich kälter zurück als seine Vorgänger. Absolute Fans der Reihe können ihn noch mit einem zugedrückten Auge gucken und gutheißen, doch vom Sessel bläst hier gar nichts mehr. Nicht einmal mehr der sonst immer bärenstarke Soundtrack. Sogar Hanks wirkt wie ferngesteuert und alt in allen Belangen. "Inferno" beweist mit Nachdruck, dass die Reihe hiermit enden muss. Auch wenn es noch mehr schicke Dan Brown-Reißer gibt. "Inferno" fühlt sich passend zum Thema ausgebrannt an und kann nur als lauwarmer Aufguss bezeichnet werden. Vielleicht durchlebt man während der überraschend kurzen Laufzeit keine Höllenqualen, doch die meiste Freude kam bei mir trotzdem erst auf als der Abspann endlich lief. Was für ein aufgeblasener Schwachsinn. Was für ein planloses Durcheinander.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, es hätte "Inferno"nicht gebraucht. Doch wenn man das rumpelige Endprodukt durchsteht, dann hätte es "Inferno" nicht gebraucht. Florenz und Co. sehen prachtvoll aus, keine Frage. Hanks ist selbst als Roboter mit Gedächtnissverlust noch der sympathsichste Mann im Raum und Felicity Jones muss man trotz Twist mit Ansage einfach mögen. Richtig begeistert haben mich aber nur die apokalyptischen Visionen zu Beginn des Films. Die verdrehten Köpfe und entflammte Welt hatten etwas. Danach ging es nur noch bergab. Vorhersehbar und gleichzeitig unübersichtlich, der schnellste Teil der Reihe und gleichzeitig furchtbar lahm wirkend. Als ob irgendetwas, vielleicht erst in der Post Production, mächtig schief lief. das Finale driftet dann endgültig auf TV-Niveau ab. Ärgerlich. Für mich persönlich vertane Zeit. Ich war nie Fan der Reihe, doch im Gegensatz zu "Inferno" wirken "Sakrileg" und "Illuminati" wie hohe Kunst. Von Teil 3 der fragwürdigen Trilogie bleibt rein gar nichts hängen. Immerhin.

Fazit: ein ernüchternder Abschluss (hoffentlich!) der Langdon-Trilogie, der außer ein paar infernalischen Ausreißern nur ein müdes Gähnen hervorruft. Der Da Vinci-Code scheint geändert worden zu sein. Zumindest versteht ihn Ron Howard nicht mehr. Oder ich. "Inferno" kann man jedenfalls weitgehend in der Pfeiffe rauchen. Die Bücher waren qualitativ absteigend, die Filme sind es noch viel klarer. Es hat sich ausgeknobelt. Mit einem Möchtegern-Knall, der sich als feuchtes Zischen entpuppt. Eine Apokalypse, die einem egal ist.

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