Review

Von Django – mit den besten Empfehlungen

Originaltitel: Uno Dopo l‘altro

Spanien/Italien 1968, Regisseur: Nick Nostro

Frauen haben doch den längeren (Schieß) Prügel!

Ex Colonel Jefferson (José Bodalo) hat während des Bürgerkriegs zusammen mit dem mexikanischen Banditen Espartero (Jose Manuel Martin) einen erfolgreichen Überfall ausgeführt, jedoch „vergessen“, die Beute mit ihm zu teilen. Da Jefferson jetzt seine eigene Bank hat und die im Moment durch Einzahlungen der Rancher, die sie durch Viehverkäufe erzielt haben, prall gefüllt ist, hat Espartero die Idee, durch seine Bande einen Überfall zu inszenieren, um so doch noch an seinen Anteil zu kommen. Jefferson wäre jedoch nicht dieser fiese Jefferson, wenn er die Mexikaner nicht nochmal aufs Kreuz legen würde und seine Mittelsmänner, in mexikanischer Verkleidung natürlich, seine Bank ausrauben lässt und so Espartero zuvor kommt. Da es jedoch seinem Bankangestellten Bill Ross gelingt, die Banditen mit einem Gewehr in Schach zu halten, muss Jefferson eingreifen und erschießt Bill und deswegen müssen auch alle Besucher der Bank ins Gras beißen, um die Zeugen zu beseitigen. Das ruft Bills „Bruder“ Django (im Original Stan, Richard Harrison) auf den Plan, der ziemlich gut mit dem Colt aber auch mit seinen Fäusten umzugehen weiß und nur einen kleinen Nachteil hat, er ist Brillenträger und da im Wilden Westen die Fäuste fliegen, hat er deshalb einen schier unerschöpflichen Vorrat an Ersatzbrillen in seinem Jackett. Nachdem er bei seiner Ankunft im Saloon seine Visitenkarte abgegeben hat und dies Jeffersons Gefolgsmann Glenn (Paolo Gozlino) zu spüren bekam und dabei auch die reizende Saloonbesitzerin Sabine (Pamela Tudor) kennenlernen durfte, wird er von Jefferson als Kopfgeldjäger angeheuert, um die Mexikaner zur Strecke zu bringen. Deshalb bestellt er schon mal beim Sargmacher 9 Särge im Voraus und will diese auch füllen, um Rache am Tod von Bill zu nehmen. Soweit scheint die Sache klar zu sein, ist es aber nicht, da Espartero ihn überwältigen kann und ihm erklärt, dass er die Bank gar nicht überfallen hat. Um der Sache auf den Grund gehen zu können und den Schein zu wahren, „opfert“ Espartero einen seiner Männer, mit dem er ein Hühnchen zu rupfen hatte, da er mit seiner Geliebten das Bett teilte und Django kann diesen als die Nummer eins bei Jefferson abliefern. Was nun folgt war jedoch in Djangos Plan nicht vorgesehen, den Jefferson ist nicht nur fies sondern auch gerissen! Es gelingt ihm, Djangos Doppelspiel zu entlarven und fast sämtliche Einwohner von Canyon City zu mobilisieren, um das Dorf, das Espartero als Versteck dient, anzugreifen und die meisten Einwohner, darunter auch Frauen und Kinder, zu massakrieren.

Die Lage scheint aussichtslos, Jefferson hat fast gewonnen.

Gelingt es Django doch noch, die 9 Särge zu füllen und Rache an Bills Tod zu nehmen oder war das gar nicht sein Ansinnen?

Kann er Jefferson überführen und seiner gerechten Bestrafung zu führen?

Welche Rolle spielt dabei Sabine, kann sie ihm behilflich sein?

Kann er weiter auf Esparteros Hilfe setzen oder will dieser nur die Beute aus dem Banküberfall an sich bringen?

Nick Nostros zweiter und letzter Italowestern (nach dem ziemlich unbekannten Keinen Dollar für dein Leben, un Dolar de fuego, der 1967 in den deutschen Lichtspielhäusern gezeigt wurde) bietet nicht nur solide Unterhaltung sondert agiert auch mit äußerster Brutalität, einige Beispiele gefälligst? Da wird schon mal einem Toten noch zusätzlich das Gesicht verbrannt, dass er nicht mehr erkennbar ist, ein Spitzel Esparteros wird mehrfach mit einem glühenden Eisen malträtiert oder es wird ziemlich detailreich die Kauterisation einer stark blutenden Wunde gezeigt. Der Bodycount ist hoch und wer nachrechnet kommt zum Ergebnis, dass die ursprünglichen 9 Särge gar nicht gereicht haben. Die Handlung ist nie langweilig, geschweige denn vorhersehbar, denn wenn klar ist, dass die Geschichte in eine bestimmte (und bereits bekannt scheinende) Richtung geht, wieder eine unvorhersehbare Wendung nimmt und ganz anders weiter geht als gedacht. Eine neue Variante des „Einer nach dem anderen“(Originaltitel). Richard Harrison darf einen teilweise richtig grimmigen und schlecht gelaunten „Django“ abliefern, den Typ Helden also, den man sich in einem Oeuvre des IW wünscht. Der nette Running Gag mit seinem unerschöpflichen Brillenvorrat wird einem am längsten im Gedächtnis bleiben. Auch das Set passt sehr gut zum Film, vor allem beim finalen Shootout, die menschenleere Straße und was mir besonders gefällt, der heulende Wind mit dem umher wehenden Stroh schafft eine besondere Atmosphäre.

Alles in allem eine sehr gute Leistung von Richard Harrison und ein überdurchschnittlicher Vertreter seinen Genres. Auch Gelegenheitsschauer von IW können bei der Colosseo DVD, zumal bei diesem Preis, bedenkenlos zuschlagen. Eure Erwartungen werden erfüllt!

Die Filmmusik von Fred Bongusto und Berto Pisano kann überzeugen und passt zum Film. Auch das Titellied „May be one, may be nine“ (ein guter Western hat ein Titellied) bleibt mit einer gängigen Melodie und Refrain in den Gehörgängen kleben und wir dürfen dadurch eine neue Form des Zählens bis neun kennenlernen!

Stimmen zum Film:

Lexikon des internationalen Films:

„Primitiver Italowestern, der Gewalt und Mord als bloße Unterhaltung anbietet“.

Den Ritterschlag für einen Italowestern liefert, wie so oft, der evangelische Film-Beobachter:

„Eine Schlag- und Schießorgie von besonders brutalem Zuschnitt. Wir lehnen ab!“

Lieber evangelischer Film-Beobachter, aber genau das wollen wir doch bei einem IW auch sehen, deshalb gute 7 von 10 Punkten!!





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