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Nach bis dato mit Erntedank [ 2009 ], Milchgeld [ 2012 ], und Seegrund [ 2013 ] von Rainer Kaufmann inszenierten Heimatkrimis die Wachablösung durch Lars Montag, der sowohl den hiesigen Band 6 der reichlich beliebten Bücherreihe von Volker Klüpfel und Michael Kobr als auch gleich den nachfolgenden Band 7 "Herzblut" am Bebildern und so den Übertrag von der Belletristik zum Fernsehen durchführen ist. Eine back to back gezeigte Veranstaltung, die den werten Lesern der Romane die oftmals auch wohlbesprochene und so schon willkommene Umsetzung als Film präsentiert, eine Wertschätzung gleichermaßen, was bei entsprechenden Ergebnissen auch in der Zukunft als Option bereitsteht und weiteren gegenseitigen Arbeiten für offen ist:

Kempten, Allgäu. Vor fast 30 Jahren wurde trotz des schnellen Eingreifens vom damaligen Jungpolizisten Kluftinger die Monstranz mit der Reliquie des St. Magnus gestohlen. Kluftinger [ Herbert Knaup ] hat die Blamage von damals auch heute nur schlecht überwunden und ahnt Schlimmes, als nach all der Zeit das Prunkstück nicht nur wieder auftaucht, sondern auch erneut am alten Platz in seiner Heimatstadt wieder und das mit feierlichen Ehren aufgestellt werden soll. Die Hinweise auf ein weiteren bevorstehenden Raub verdichten sich, als er einen merkwürdigen Tod der Vermieterin einer Lagerhalle und dort hinterlassenes Übungsmaterial für einen Einbruch vorfindet, so dass er sich unterstützt durch seine Untergebenen Richard Maier [ Johannes Allmayer ] und Roland Hefele [ Jockel Tschiersch ] an die Aufklärung des Mordes und dabei auch die Vereitelung eines neuen Raubes macht. Dabei führt die Spur auch nach Wien, zum dort inhaftierten legendären Räuberkönig Rösler [ Fred Stillkrauth ], der entscheidende Hinweise geben will.   

Die Klüpfel & Kobr - Krimis um Hauptkommissar Kluftinger dabei mit als vorbereitende und vorreitende Rolle der noch anhaltenden Welle von derlei (Heimat)Set und (Krimi)Settings, in dem oftmals begleitet von Humor und absurden Situation, aber eben auch in der Provenzialität und mit lokalen Geschmäckle noch ein Stück Heile Welt den ansonsten vorherrschenden "Skandinavien-Krimis" und anderer eher düsterer Thrillerliteratur entgegengesetzt wird. Vergleichbare Werke wie die von Jörg Maurer haben es nur einmalig zu einer Adaption gebracht, etwas besser, aber stark repetierend gelten noch die Texte von Rita Falk und die folgenden, örtlich begrenzt gar im Kino laufenden Inszenierungen als (finanzieller) Erfolg, sind aber weit weniger vor allem bei der sogenannten ernsthaften Rezensentenschar angesehen und eher der niedere bayerische Bruder vom großen oberschwäbischen (Lese)Glück.

Erfreulicherweise abermals ausgestattet mit bekannter Besetzung, die mittlerweile für Manche wie ein guter Freund wirkt und Begleiter einer Reise, die nie zu Ende gehen soll, wird hier die Geschichte einer länderübergreifenden Zusammenarbeit auf den Spuren einer Räuberbande erzählt; wobei der Abwechslungsreichtum der jeweiligen Handlungen durch selbiges Personal und gleicher Umgebung wie zuvor nicht etwa aufgefangen, sondern unwillkürlich noch gesteigert wird. Warum auch immer man Band 4 “Laienspiel“ ausgelassen hat und auch Band 5 “Rauhnacht“ noch fehlt, ließe sich beim ersten vielleicht mit dem Stoff, der Vorbereitung und versuchten Verhinderung gleich Zweier terroristischer Attentate erklären, bei dem wunderschönen cozy mystery “Rauhnacht“ in Agatha Christie Atmosphäre allerdings nicht.

Schutzpatron selber ist innerhalb der literarischen und filmischen Erzeugnisse etwas unauffällig, etwas kleiner auch, nicht mit einem großen Aufhänger präsentiert, dreht sich auch weniger um die Aufklärung eines genreüblichen Mordes – ein Mord findet zu Beginn der Jetztzeit im Off statt, man kennt aber weder das Opfer noch interessiert man sich dafür und die Aufklärung per se – , sondern um die dahinter steckende Tat, die damit nur gedeckt werden soll. Ein Raubzug soll wiederholt werden, was nach fast 30 Jahren Ruhe damit wieder traumatische Bedingungen beim Hauptkommissar und erstmal auch einen Blick zurück in dessen Vergangenheit auslöst. So wie in Herzblut folgend physisch dessen Gesundheit angegriffen wird, stellt hier die psychische Belastung das private Stück der Erzählung dar; wobei in derlei Hinsicht die Geschichte 'frei nach Motiven' behandelt und sich um einen Großteil der familiären Umstände der Titelfigur Kluftinger schlichtweg gedrückt wird. [Die Ehefrau ist kaum vorhanden, und auch der unfreiwillige Bekannte  Dr. Martin Langhammer hat nur einen winzigen Auftritt und ist auch noch abermals mit einem anderen Schauspieler als ehedem besetzt.]

Stören tut dies allerdings nicht, erkennt man das Buch auf jeden Fall und wird dies nicht nur gut getroffen, sondern lockt auch zum erneutes Lesen und Entdecken all der hier notgedrungen gekürzten oder weggelassenen Einzelheiten und Umständ(lichkeiten) an; ein größeres Kompliment kann man der Umsetzung wohl nicht machen. Verdient hat es damit auch die Inszenierung vom Neuling der Heimatkrimis, allerdings auch mit Fernseh- und Serienkrimis vertrauten Montag, der anders als sein Vorgänger Kaufmann weniger offensiv an die Figuren heranrückt, diese aber in aller Stille und Gemütsruhe gewähren und ermitteln lässt; eher eine Retro-Bearbeitung, die angesichts hektischer Zeiten sehr angenehm zu schauen, mit dem äußerst verschlafenen Allgäu auch die genau richtige Umgebung dafür hat und sich in vergleichsweise blassen bis vergilbt wirkenden Farben und viel verstaubten und verbrauchten Alltagsgegenständen am wohlsten fühlt.

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