Dafür, dass die HK - Chinesen in Sachen Psychothriller keine eigene Tradition haben und bei den wenigen und überschaubaren Beispielen auch nicht so das richtige Geschick, ist zumindest das Bemühen löblich, sich weiterhin im Subgenre, dies auch mit größeren Einsatz in Form von Stars und Budget und (dem auf dem Spiel setzen von) Reputation und das trotz auch all der Ausfallerscheinungen zu engagieren. Im Grunde fehlt es den Leuten dahinter auch gar nicht an Ideen, sind diese und eine wilde Abmischung derer durchaus gegeben, ist das Verständnis für eine nachvollziehbare Handlung allerdings nicht vorhanden und weicht all jede Logik möglichst reichlich abstrusen Geschehen. Ein Nachspielen von Möglichkeiten, die als Gedankenturm eventuell funktionieren und als eine Reise in das Fieberhafte und den Albtraum des Unterbewusstseins, aber nicht als Thriller, sondern als Camp und in der beleuchteten Psyche auch nur mit Thesen und nicht im Vollzug:
HK und halb Asien wird von einem Serienkiller namens Herald “The General“ Chiang [ Vengo Gao Wei-guang ] bedroht, der bevorzugt hochgestellte Persönlichkeiten ins Visier nimmt und die Taten auch jeweils vornherein mit Fristsetzung ankündigt und trotz Intervention der Polizei umsetzt. Einzig beim Attentat auf den der Illegalität bezichtigen Ben Lam [ Jack Kao ] scheitert “The General“, kann ihn in letzter Sekunde der Polizist John Ma [ Nicolas Tse ] ausschalten, wobei er selber von diesem auch schwer verletzt wird. Monate später ist Ma von der nötig gewordenen Herztransplantation körperlich soweit genesen, hat im Beisein seiner neuen Freundin Sue [ Mavis Fan ] aber auch einige seltsame Veränderungen im Lebensstil bemerkt und diverse Erinnerungen an eine frühere, ihm unbekannte Frau, die er bei einem weiteren Einsatz in Sharon [ Tong Liya ] wiederzusehen glaubt und sich gleich eng verbunden fühlt. Da taucht “The General“ plötzlich medial wieder mit Mordankündigungen auf, was Ma, seine Vorgesetzte Madam Ho [ Christie Chen ] und den von Interpol beorderten Milton Ko [ Shaun Tam ] recht stutzig macht, den ebenfalls in die Ermittlungen eingeschalteten Kriminalpsychologen Calvin Che [ Lau Ching-wan ] allerdings nicht.
Heartfall Arises als einer der Paradebeispiele der (genau dadurch schon wieder faszinierenden) Inkompetenz, im schieren Irrsinn und seiner Behauptungen schon nahe dem Murderer (2009), der sein Konstrukt allerdings mit technischer Finesse und vollem Einsatz der Schauspieler und so auch begierig durchgezogen hat, während hier auch die Inszenierung und die allgemeine Unterkühlung, die Dienstuntauglichkeit des neuen Regisseurs und die Gleichgültigkeit der gestandenen Darsteller übernimmt und überwiegt. Schon der Einstieg, der mit dem vollen Einsatz von Digitaltechnik Bilder von Größe und Aufregung schaffen will, aber nur in die Lächerlichkeit und die Fragezeichen am Abdriften ist, zeigt das Problem emblematisch auf, und sorgt für ein Fortkommen, bei dem man gerne willenlos und gespannt der Dinge, die da kommen werden folgen möchte, durch die allgemeine Einfältigkeit dies aber nur schwer bzw. auf dem Umweg der Beobachtung des es gutmeinenden Desaströsen gelingt.
Anders als Murderer oder auch Triple Tap (2010), der sich ähnlich mit dem Zusammenspiel verschiedener äußerer Ereignisse und die Auswirkungen auf Urängste, auf das innere Verborgene und die geheimen Wünsche befasst, wird sich hier auf eine einzigen Grundidee, dem von Nietzsche entliehenen "Abgrund" aus dem philosophischen Gegenentwurf zum bestehenden Wertesystem "Jenseits von Gut und Böse" befasst. Ein Austausch von Wissenschaft, Religion und Moral, in dem durch das Annehmen des Abgrundes eine Faszination für den Abgrund und umgekehrt entwickelt wird und ein unveränderlicher Austausch stattfindet. Wirkung und Wechselwirkung, Aktion und Reaktion, der Kampf mit den Ungeheuern, bei dem man aufpassen muss, dass man nicht selber zu einem wird; was hierbei im Film allerdings noch durch die Genetik und dann auch noch durch das Schicksal zusätzlich erklärt werden sein möchte, was schlichtweg zuviel ist und die Figuren im Film zu Marionetten macht und nicht zu eigenständigen Lebewesen.
Das würde dann auch wieder offenlegen, warum bei dem bereits aus The Bullet Vanishes (2012) bekannten (und sich dort schon nicht leiden könnenden) Hauptdarstellerpärchen weder im Zusammenspiel mit dem ungeliebten Gegenüber noch einzeln eine wahrnehmbare Regung gelingt, was den ansonsten immerhin soliden Tse und den oftmals vielgelobten Lau – der frisch vom ähnlich, aber vergleichsweise gar subtileren Insanity (2015) kommt – zu reinen Kleiderständern und den von den Bildern her schon unterkühlten Film vollends zu einem Screenshot in kalten Farben und Ambiente von Glas und Stahl macht. Durch vielfältige Nutzung von Panoramaaufnahmen soll zwar angenommen werden, dass die Handlung im Hier und im Jetzt und in einer als belebt bis übervölkert geltenden Metropole mit ganz eigenen Antrieb spielt, ist dies aber ebenso nur eine Behauptung und durch keinerlei Beweisführung belegt. Die Auftaktszene, eine wilde Verfolgungsjagd und Karambolageaktion auf den Straßen der Stadt ist nahezu vollständig digitalisiert, ein späteres Eintreffen der Spezialeinheit und das Stellen des selbsternannten Richters und Henkers auf der Ting Kau Brücke ist mehr schlecht als recht vor der Green Screen arrangiert und auch das erste Gegenübertreffen der baldigen Protagonisten atmet den Geist einer Computersequenz, wobei man effektemäßig noch zu den Zeiten und den klammen Finanzloch von Peter Hyams' Sound of Thunder, mehr als bescheiden also aussieht.