Review
von Leimbacher-Mario
Sei kein Klon, verlass den Strom
Nachdem „Dinky Sinky“ schon 2016 (unter durchaus beachtlichem Wohlwollen und einigen Auszeichnungen) auf dem Münchener Filmfestival Premiere feiern durfte, wurde es lange Zeit still um den Film. Vollkommen unverständlich, denn es ist eine der besten Tragikkomödien aus deutschen Landen seit laaanger Zeit. Der ungewöhnliche Titel steht für „Double Income No Kids Yet, Single Income No Kids Yet“ und der Film dreht sich um eine attraktive Frau Mitte dreißig, die mit ihrem langjährigen Partner schon länger versucht ein Kind zu kriegen. Und während es bei Familie und Freunden oft recht schnell klappt mit der Lebens- und Familienplanung, kriselt es bei ihr an vielen Ecken und Enden, trotz (oder wegen?) des sehr dringlichen Kinderwunschs...
„Dinky Sinky“ erinnert mich oft an Woody Allen-Filme gepaart mit der typischen deutschen RomCom - nur beides in ausgesprochen gut und vielleicht sogar noch mit einem Schuss „Toni Erdmann“ in pfiffiger. Für mich war es selten unverständlicher, warum ein Film derart Probleme hatte, sein Publikum zu finden und nun schon praktisch in Vergessenheit geraten ist. „Dinky Sinky“ und alle Beteiligten haben unendlich viel mehr verdient! Es regt mich sogar richtig auf, wenn ich sehe, dass zehnmal schwächere Filme, wie etwa gerade „Das perfekte Geheimnis“, an den deutschen Kinokassen dagegen abräumen. Da muss die Masse wirklich mal aufwachen und umdenken! Aber das ist ein anderes, wohl unendliches Thema und gehört nichtmal als Exkurs hier hin. „Dinky Sinky“ jedenfalls hat mich vollkommen abgeholt und brillant unterhalten. Mein Alter, meine Einstellung und meine Lebenssituation spielen natürlich in die Karten des Films, aber auch ohne ganz speziellen persönlichen Zugang hätte das Ding sicher Potenzial sehr viele zufriedene und nachdenkende Zuschauer zu finden. Nur müsste halt erstmal einer auf ihn aufmerksam werden... Die bisher eher unbekannten Darsteller machen ihre Sache top, die Balance aus Lachen und Weinen, Humor und Drama traf mich nahezu meisterlich und komplexe, sehr emotionale, persönliche Themen wie (womöglich schweres) Kinderkriegen, ätzender, oberflächlicher Gesellschafts-/Gruppenzwang, Beziehungsprobleme und alternative Lebenswege, beschäftigen und treffen sicher mehr Herzen, als man meinen könnte. Zudem gibt es super trockenen, düsteren und realistischen Humor, einen feinen Soundtrack und ein plötzliches, offenes, aber nicht frustrierendes sondern eher anregendes Ende. Für mich ist „Dinky Sinky“ ein deutscher Indie, der, wenn er aus Übersee gekommen und etwas US-typisch angepasst worden wäre, ein echter, vielleicht weltweiter Indie-Darling hätte werden können. So haben ihn gefühlt nur fünf Leute und die Filmemacher gesehen. Tzz.
Fazit: einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre, den (übertrieben gesagt) keiner kennt. Sehr schade drum. Klasse Darsteller, toller Humor, (immer?) aktuelles Thema, null Längen. „Dinky Sinky“ gibt viel mehr, als der seltsame Titel verspricht und ist beispielsweise jeder Schweiger-RomCom hochhaushoch überlegen. Unbedingt entdecken! Erst recht wenn die 30 erreicht wurde ...