kurz angerissen*
Nach Lehrern („Bad Teacher“), Großvätern („Bad Grandpa“) und Weihnachtsmännern („Bad Santa“) nun also eine weitere Minderheitengruppe, die aus ihrem Rollenbild ausbrechen darf. Diesmal wird wohl die breiteste Zielgruppe angesprochen, denn Mutter, das kann Jede sein, ob nun Karrieristin oder Hausfrau.
Anders als bei den anderen Baddies liegt die Badness jedoch nicht schon in den Genen der Hauptfiguren (außer vielleicht bei Kathryn Hahn). Sie muss erlernt werden, sie ist das eigentliche Ziel der Komödie – und nährt damit die Hoffnung, dass das Unangepasste endlich einmal nicht dem unabwendbaren Schicksal in die Augen sieht, in die Zwangsjacke der Normalität gezwängt zu werden.
In der Tat gehört es zu den größten Stärken von „Bad Moms“, dass er nicht einfach nur für Mütter kämpft oder für Frauenrechte im Allgemeinen, sondern Position einnimmt gegen eine Leistungsgesellschaft, die unrealistische Forderungen an das Individuum stellt. In der Art und Weise, wie sie dies jedoch macht, unterscheidet sie sich keinen Deut von ebenso hirnrissigen Bromedies wie „Alles erlaubt“. Damit sich möglichst viele Mütter ihren Frust von der Seele feiern können, übt sich die Klamotte mit einer Männerdarstellung, so zweidimensional wie Papier, in Konter-Sexismus, der immerhin unverhohlen ausgespielt wird, aber nur allzu selten ironisch gebrochen (etwa in der Frauenversion von „Gravity“, in welcher sich ein Mann im Weltraum den Anzug zerreißt und sein Sixpack zum Vorschein bringt... Humor so doof, aber treffsicher wie Aldi-Werbung). Vor allem Jay Hernandez wird wie eine Marionette gesteuert und lässt Latino-Träume verheirateter weißer Frauen wahr werden. Inkonsequenterweise sieht aber auch Mila Kunis aus wie aus dem Ei gepellt, damit die Männer im Publikum auch was zu gucken haben.
Sieht man von der Top-Erscheinung der Hauptdarstellerin und ihrer Wing Women einmal ab, darf man immerhin ein wirkungsvolles Zusammenspiel des Dreigespanns feststellen, wobei die zum Running Gag ausgearbeitete Kristen-Bell-Kommentarfunktion ebenso gut funktioniert wie Kathryn Hahns Lehrmeister-Obszönitäten. Diverse peinliche Amokläufe, meist in Zeitlupe zum Auskosten, eignen sich hervorragend zum Abfeiern, werden aber letztlich immer notdürftig eingebaut, wenn das Skript mal wieder auf ganzer Linie versagt – was regelmäßig passiert, weil die um Genre-Spezialistin Christina Applegate und Handlangerin Jada Pinkett Smith (endlich eine Rolle, die ihren Leistungen angemessen ist) gebaute Elterngruppen-Storyline so abwegig in den Alltag der Mütter eingreift, dass es schwer fällt, ihre Konstruiertheit zu ignorieren.
Männer winken ohnehin ab, aber auch unter den Frauen wird es viele geben, denen „Bad Moms“ zu durchschaubar ist. Auch wenn man sich seiner Botschaft unter dem Strich wahrscheinlich von beiderlei Geschlecht aus anschließen wird.
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