Review

Der erst dritte Film des damit noch als Art Neuling geltenden Regisseurduos Sunny Luk & Longman Leung, beides Quereinsteiger, ist bereits die erste Fortsetzung und damit die Weiterführung ihres allseits einschlagenden, Prestige und Hoffnung vor sich hertragenden und verbreitenden Debüts. Zwar hat sich das Duo zwischenzeitlich mit Helios [ 2015 ] um eine Art zweites Standbein in der noch frischen Karriere und so auch die Vermeidung der Unkenrufe als Eintagsfliegen und Schaumschläger bemüht, ist damit aber genau diese negative Prophezeiung für den Moment als selbsterfüllend eingegangen und hat sich so trotz einer versuchten Erneuerung abseits des sicheren Weges eines Sequels quasi selbst reglementiert. Cold War 2 nun als (geglückter) Versuch der Wiederherstellung des angeschlagenen Rufes, der noch nicht gefestigt ist und noch einige Zeit der Prüfung und Überprüfung standzuhalten hat:

Nach dem Verschwinden eines Emergency Unit Dienstfahrzeuges mit gesamter Ausrüstung und der vollbesetzten Mannschaft wurde zugunsten der Gefahrenbeseitigung für Hong Kong die Operation Cold War eingeleitet, unter Aufsicht des dafür auch zum Commisioner of Police bestellten Sean Lau [ Aaron Kwok ], der den ursprünglich diesen Posten innehabenden M. B. Lee [ Tony Leung Ka-fai ] wegen Befangenheit aus dem Amt katapultierte. Zwar konnte man am Ende des Tages einige Erfolge hinsichtlich der Aufklärung und Fahndung verbuchen, war das Dienstfahrzeug aber immer noch verschwunden und mit Lees Sohn Joe Lee [ Eddie Peng ], einem zur Truppe gehörenden Constable zwar einer der Verantwortlichen auch inhaftiert, haben die Geschehnisse aber erst angefangen brenzlig zu werden. Um einen Drohanruf abzuwehren und seine entführte Frau zu befreien, hat Lau den weiterhin die Fäden ziehenden Joe aus dem Sicherheitsgefängnis überstellen lassen, was prompt dessen Befreiung und ein Bombenanschlag in einer U-Bahn-Station  währenddessen und Laus Anhörung vor einem Ausschuss zwecks seiner Verfehlungen zur Folge hat. M.B. Lee wittert dadurch seine Chance auf Re-Aktivierung und sieht sich in der Hinsicht auch von dem die eigentlichen Fäden ziehenden Peter Choi [ Chang Kuo-chu ], einem ebenso früheren Police Commisioner unterstützt, der im Grunde eine ganze Schattenregierung einsetzen will und dafür und die miteinhergehende Anklage gegen Lau auch den freischaffenden Berater und Ex-Richter Oswald S. Kan [ Chow Yun-fat ] engagiert. Während Kan wittert, dass er nur als williges Werkzeug eingesetzt werden soll, und das Spiel nicht wie geplant mitspielt, sondern die junge Anwältin Isabel Au [ Janice Man ] zur Beschattung von Lee ansetzt, schafft sich der von mehreren Seiten unter Druck stehenden Lau seine eigene Allianz für den Moment: Seine Senior Assistant Commisioner Phoenix Leung [ Charlie Young ], die ihm den Rücken so gut wie möglich freihält, und den eigentlich für die Antikorruptionsbehörde tätigen Principal Investigator Billy Cheung [ Aarif Lee ], der im Geheimen selbständig Ermittlungen aufnimmt.

Dabei hatte der Erstling trotz durchaus wohlwollender Aufnahme seitens von Publikum und der Kritik schon seine Schwächen und auch nur (erstaunlich) wenig nachhaltigen Effekt. Gedacht und geplant ursprünglich als eine Art zweiter Infernal Affairs [ 2002 ], der gleichsam Anerkennung der Arbeit, aber auch die Steigerung der Produktivität durch Ansporn für Nachfolger, Konkurrenz und Trittbrettfahrer und so der darbenden Industrie versprach, blieb vor allem die Nachhaltigkeit aus, wenn man den von dem äußerst mäßigen Z Storm [ 2014 ] und dessen eigener Fortsetzung S Storm [ 2016 ] als im Grunde gänzlich unnötiges Nebenher, und eventuell dem gelungenen Firestorm [ 2013 ] und dem potentiell zumindest vielversprechenden Line Walker [ 2016 ] einmal absieht. Zudem hat man die Anfängerfehler von Cold War bei Helios noch einmal wiederholt, sich mehr vorgenommen als man leisten konnte, in Nebenschauplätzen und die trockene Theorie verzettelt und viel mit schlauen Worten zugetextet statt die Geschichte stringent zu halten und einfach visuell und in der Praxis zu erzählen.

Auch die direkte Weiterentwicklung fungiert und funktioniert wieder als Metropolenthriller einer Sonderverwaltungszone, als Mischung aus Papiertiger, Paragraphenreiter und Actionfilm in Explosionen, Verfolgungsjagden und schwerer Artillerie; wobei zumindest finanziell sich der erneute Ausflug in das Politikwirrwarr, die Fallstricke zwischen Bürokratie und Hypokratie und das Lösen der Fesseln mit Bomben-Gewalt und Feuerwaffen diesmal gelohnt hat und belohnt wurde, v.a. nun auch der Chinesische Markt eröffnet und erobert und der Platz als Blockbuster und als Marke mit Option (und deutlicher Andeutung bis hin zur Proklamation) für ein weiteres Sequel gesichert.

Auf den Vorgänger wird gleich zu Beginn in Form von Texttafeln und später nachgereicht dann auch mit den dort vorhandenen Abschlussbildern und damit dem früheren Cliffhanger verwiesen. Da das Personal nach Möglichkeit übernommen wird und die Geschehnisse von einst hier wieder zur Debatte stehen, sollte man den Erstling schon kennen und ist von einem gänzlich unvorbereiteten Quer- bzw. Neueinstieg eher abzuraten, zumal man hier einen nahtlosen Übergang hinlegt und wieder rasch mit einem schieren name-dropping durch alle Rängen, Abteilungen und Funktionen anfängt. Überhaupt ist dies ein großes Macht- und eine Art egalitäres und elitäres Schachspiel, dass die Partie von einst sowohl erweitert, fortführt als auch im Nachhinein noch einmal neu aufrollt. Regierungen werden geformt und umstrukturiert, Könige werden gemacht und Bauern und andere kleinen Mitspieler im Kleinkrieg geopfert und manipuliert. Autos werden observiert, verfolgt und in Karambolagen halbseitig weggefräst, Busse zum Überschlagen und Umstürzen gebracht, Angreifer mit Sprengfallen und Maschinengewehr außer Gefecht gesetzt.

Bis es dazu kommt, dass die entscheidenden Züge gemacht sind und das Spielbrett für die (vorläufig) finale Schlacht zwischen SDU  - Einheiten und einem Söldnerteam konfiguriert ist, dauert es schon eine Weile, ist die Vorstellung und Vorbereitung wie mittlerweile gewohnt von dem Regisseursteam allerdings überaus massiv im Aufwand, v.a. auch in der Verwendung von übervölkerten, schwer zu kontrollierenden und normalerweise unzugänglichen Drehorten und darüber hinaus auch wieder richtig edel im Stil. Analog zur dem Inhalt und ähnlich zu der 'Konkurrenz' von Alan Mak und Felix Chong und ihrer Overheard-Trilogie [ 2009/11/14 ] ist die Inszenierung wieder gleichzeitig mit Politur und Salut und scheinbar strikt nach Protokoll arrangiert, wird mit allen verfügbaren Mätzchen und Muskeln gespielt und viel schon über das Erscheinungsbild postuliert, welches im Grunde makellos zum oberflächlichen Perfektionismus hin, wenn auch dadurch tatsächlich kalt und gestellt wirkt. Im Grunde ist alles Hochglanz-Theater und einstudiert bis zum Exzessiv und  dafür (abseits der drei voluminösen Stuntszenen) fern von Waghalsigkeit und nicht gelebt.

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