kurz angerissen*
Schon verrückt, dass Daniel Radcliffe als nerdiger Jungagent in den ersten Minuten keinen Fuß auf den Boden bekommt und dann im Undercover-Einsatz als intelligenter Nazi-Aktivist sämtliche Regler aufdreht und die wohl beste Leistung seiner bisherigen Karriere abliefert. Ihm ist zu verdanken, dass „Imperium“ in seinen allerbesten Momenten sogar an die wachrüttelnde Wirkung von „American History X“ heranreicht, auch wenn Drehbuch und andere Disziplinen langfristig keine höheren Weihen ernten können.
Immerhin, der Blick auf die Organisationsstrukturen der White-Supremacy-Gruppierungen ist entlarvend und bietet einen Einblick in die verqueren Ansichten ihrer Vertreter, die der Film zwar in der breiten Masse als dumm darstellt, jedoch nicht grundsätzlich als Ideologie der Dummen verkauft; immerhin besteht ihre Führung aus Geschäftstüchtigen und Intellektuellen, im Film angemessen glatt dargestellt von Schauspielern wie Sam Trammell und Tracy Letts. Herausgearbeitet wird vielmehr das ungenutzte Potenzial der Zellen, was dem Zuschauer als deutliche Warnung vor Augen geführt wird: Was, wenn sich weitere kluge Köpfe für die Bewegung gewinnen ließen? Erschreckend ist die Gewaltbereitschaft ohnehin bereits, doch noch viel erschreckender die Möglichkeiten, den Einfluss zur vergrößern...
Abstriche sind vor allem in der fehlenden Gesamtabdeckung der Szene zu machen. „Imperium“ bewegt sich ausschließlich innerhalb der abgesteckten Grenzen einer vorgeplanten Undercover-Mission und kann darüber keine flächendeckende Geltung erreichen, zumal die Ereignisse unter künstlichen Voraussetzungen geschehen und einen Ausnahmefall behandeln. Ein echter Vergleich zu Tony Kayes Referenzwerk verbietet sich also, dennoch bleibt ein Anklang seiner Klasse zurück.
*weitere Informationen: siehe Profil