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Fundog Quizionaire

Netflix kauft sich rundum den Globus exklusive Produktionen ein und stellt jedem Land beeindruckende Budgets zur Verfügung, um für sie etwas aus dem Hut zu zaubern. Von bunt und exotisch bis klassisch und safe ist da alles dabei. Doch meist überwiegen Kreativität und Wahnsinn, was zu loben ist. Alltag hat man ja genug. Aber gerade bei Filmen ist für den Streamingtabellenführer natürlich noch viel Luft nach oben ist. Der miese Ruf ist zwar überzogen, da es mittlerweile wirklich genug Perlen wie „Roma“ oder „Mudbound“ beim großen N zu finden gibt, doch gefühlt kommen auf jeden Hit mindestens zwei Flops. „Brahman Naman“ ist leider einer. Kein ausgewachsener, aber leider weit weg von einer Empfehlung. Es ist eine indische Produktion und handelt von drei Quizchampions auf der aggressiven Suche nach dem Verlust ihrer Jungfräulichkeit. Und leider gehört diese plumpe Unter-der-Güttellinie-Blödelei in die Kategorie „hätte kein Mensch gebraucht, poliert das Filmportofolio von Netflix nicht auf, ganz im Gegenteil“.

Man kann sich das Ganze als bizarre, wenig zusammenhängende und recht storylose Mischung aus „Superbad“ und „Slumdog Millionaire“ vorstellen, mit einem klitzekleinen Quäntchen Wes Anderson. Es ist schön, dass auch Indien Netflixtitel beisteuert, es ist toll, dass man so in den Genuss dieser kommt und seinen filmischen Horizont leicht erweitern kann. Doch „Brahman Naman“ ist leider alles andere als ein Vorzeigefilm in dieser Richtung. Ein paar der animierten Zwischensequenzen haben Charme und manchmal ist der Humor so blöd, dass ich über dessen Plattheit und Dummheit und Dreistigkeit lachen musste. Zudem sehe ich persönlich Komödien aus Indien nicht alle Tage und es hatte allein deswegen eine gewisse Frische und Exotik. Die Grundpfeiler für einen interessanten Film waren gegeben, das komödiantische Timing vieler Beteiligter stimmte phasenweise auch. Doch für mich setzte sich das Puzzle am Ende nie ganz zusammen. Als Hauptkritikpunkte würde ich die Geschichte nennen, die man kaum so nennen kann, und einige Szenen, über die man nur den Kopf schüttelt aber nicht im Geringsten lacht. Wenn einer der Protagonisten seinen Schniepie in ein Aquarium steckt und sich von den Fischen anknabbern lässt, zum Beispiel. Um nur mal ein i-Tüpfelchen zu nennen. Und dabei bin ich alles andere als prüde und habe oft sogar einen ziemlichen flachen, seichten Humor. Doch hier ging vieles wortwörtlich in die Hose. Von der teilweise eindeutig frauenfeindlichen Attitüde ganz zu schweigen. Die Protagonisten sind unfassbar unsympathisch. Manchmal lustig. Meist seltsam und abstossend. Das komplette Feeling ist sehr ungewohnt und interessant, zog bei mir jedoch nicht durchgängig. Da war mehr drin!

Fazit: versaut, zeitweise kreativ, flach - Brahman NOman!

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