Seit Jahrzehnten kommt es zu Generationskonflikten, weil sich Kinder plötzlich zu vermeintlich extremen Gruppen hingezogen fühlen. Die Rockerszene in den 70ern, die Punks in den 80ern, die Grufties in den 90ern. Schlimmer wiegt es jedoch, wenn innerhalb solcher Gruppen fragwürdige politische Ideologien vertreten werden, woran nicht selten komplette Familien zerbrechen.
Eigentlich führt Seymour (Ewan McGregor) ein perfektes Leben: Einst gefeierter Football-Star am Collage, leitet er nun die Handschuhfabrik seines Vaters, ist verheiratet mit einer ehemaligen Schönheitskönigin (Jennifer Connelly) und hat mit Merry (Dakota Fanning) eine goldige, wenn auch stotternde Tochter. Als der Vietnamkrieg einsetzt und Straßenunruhen zunehmen, wendet sich Merry von ihren Eltern ab und scheint kurz darauf in ein örtliches Bombenattentat verwickelt zu sein. Nach ihrem spurlosen Verschwinden setzt Seymour alles daran, seine Tochter ausfindig zu machen…
Das Regiedebüt von McGregor basiert auf dem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman von Philip Roth, was eine nicht unerhebliche Herausforderung stellt. Dem Kern der Vorlage kommt der Streifen phasenweise recht nah, doch ein paar entscheidende Umstände werden ausgeklammert, wodurch es nur selten gelingt, die emotionale Komponente voll auszuspielen.
Recht gelungen ist der Einstieg in Form der Rahmenhandlung eines Klassentreffens, als ein Autor auf den Bruder von Seymour trifft und Hintergründe der Geschehnisse aus den Sechzigern erfährt. Jener Zeitgeist wird grandios eingefangen, die Ausstattung ist toll und auch die hellen Farben mit deutlichen Kontrasten untermauern jenes scheinbare Familienidyll, was sich mit Einsetzten der Unruhen auf den Straßen schlagartig verändert. Ebenso wie das Verhalten der nunmehr 16jährigen Tochter, welche rebelliert, auf alles und jeden schimpft, wogegen der eigentlich besonnene und geduldige Seymour schlicht machtlos ist.
Diese Hilflosigkeit wandelt sich schließlich in Trauer und Ohnmacht, doch es fehlen inhaltlich einige wesentliche Fakten, welche die Entfremdung zwischen Tochter und Eltern klarer zum Ausdruck bringen: In welche Kreise ist Merry geraten? Und wodurch machte sie im Lauf der Jahre eine weitere extreme Sinneswandlung durch? Auch die Mutter wird arg stereotyp rübergebracht, als diese in der Krise erst zusammenbricht, sich dann mit einem Facelifting frischen Wind einhaucht und folgerichtig auch noch eine Affäre beginnt.
In einigen Belangen lässt sich die Erzählung zu wenig Zeit, in anderen widmet sie sich eher unwesentlichen Komponenten und scheint bedeutsame Aspekte regelrecht umgehen zu wollen.
Inszenatorisch bleibt McGregor angenehm bodenständig und schnörkellos, spielt selber erstklassig und haucht seiner Figur zumindest ein wenig Emotionalität ein und auch Dakota Fanning performt erstaunlich nuanciert, wozu sich ein gut abgestimmter, eher im Hintergrund agierender Score gesellt. Demgegenüber reißt der Generationenkonflikt und die Demontage des Amerikanischen Traums nur bedingt mit, da zwar einige individuelle Szenen stark sind, das Gesamtpaket jedoch ein wenig bruchstückhaft anmutet und nur allzu selten berührt.
5,5 von 10