Review

Wie die Zeiten sich doch ändern: Früher traf man sich an regnerischen Nachmittagen mit Kumpels und daddelte auf dem C64 „Maniac Manson“ (bis man erfuhr, dass das Spiel an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterzuspielen ist), während heute bereits die Zehnjährigen ihren eigenen You-Tube-Kanal haben und offenbaren, was die ganze Welt eigentlich nicht wissen will. Da liegen die Gefahren auf der Hand und vor allem bei bitterbösen Streichen…

Die besten Kumpels Sam (Gregg Sulkin) und Brady (Garrett Clayton) spielten bereits den einen oder anderen bitterbösen Telefonstreich, welcher anschließend auf sozialen Plattformen landete. Doch eines Abends werden sie von einem unbekannten Mann angerufen, der mit den Jungs ein perfides Spiel anzettelt. Sie erhalten eine Videobotschaft mit Bradys gefesselten Eltern und erfahren bald, dass der Fremde jede Menge privater Details über die beiden kennt.
Doch was hat der anonyme Anrufer vor?...

Die ersten zwanzig Minuten werden genutzt, um die Hauptfiguren einzuführen und dabei wenig bis gar keine Sympathie entstehen zu lassen, denn die beiden sind sich der möglichen Konsequenzen ihres Telefonterrors nicht bewusst oder nehmen diese billigend in Kauf. Geltungssucht und die Suche nach Aufmerksamkeit hat schon so manchem das Genick gebrochen, was nach bestimmten Aktionen des Fremden ein latentes Gefühl der Unbehaglichkeit freisetzt, während permanent an der Spannungsschraube gedreht wird.

Leider ist das Setting eher 08/15, zumal sich ein Großteil der Handlung in den austauschbaren Räumlichkeiten abspielt. Anderweitig arbeitet die Kamera der Regieneulinge Macé und Wajsbrot hervorragend und liefert einige gekonnte Fahrten und Perspektiven ab. Auch der Score untermauert treffend, indem er nur partiell eingesetzt wird, dann aber Vollgas gibt, während ansonsten viel Wert auf die natürliche Soundkulisse gelegt wird.
Die Mimen performen okay, sind jedoch phasenweise ein wenig drüber, während die Dialoge und die dazugehörige Synchro passabel ausfallen.

Zwar hat man zeitweise das Gefühl, Teile der prinzipiell simplen Handlung so oder so ähnlich bereits einige Male gesehen zu haben und besonders die Szene mit der ersten Konfrontation lässt die darauf folgende Wendung erahnen, doch der eine oder andere grimmige Twist vermag durchaus zu punkten und auch die Motivation des Übeltäters fällt nachvollziehbar aus. Auch wenn dessen Plan trotz Zeitalters modernster Medien hinsichtlich Timing und Wahrscheinlichkeiten nicht immer stimmig ist.

So erfindet das britische Regieduo natürlich nicht das Internet neu, das Rad erst recht nicht, doch die knackigen 83 Minuten unterhalten mit spannenden Einlagen, fiesen Entscheidungen und einem latent flotten Erzähltempo ohne jeglichen Durchhänger. Genrefreunde von „Scream“ über „Nicht auflegen“ bis hin zu „Saw“ können einen bedenkenlosen Blick riskieren.
7 von 10

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