Die beiden Halbwüchsigen Brady (Garrett Clayton) und Sam (Gregg Sulkin) gehören zu einer Clique, deren größter Spaß darin besteht, andere Leute per Telefon zu verarschen und das entsprechende Video-Material dann online zu stellen. Die somit generierten Klicks bestärken sie in ihrem Treiben, das offenbar keine Grenzen kennt und neben diversen jugendlichen Albernheiten auch weniger lustige "Streiche" umfasst - so sieht man gleich zu Beginn eine Mutter um halb vier Uhr morgens von einem angeblichen Polizeianruf geweckt in Panik vor einem vermeintlichen Einbrecher ihre Schlafzimmertür verrammeln. Da diese Aktionen, die die Burschen - stets mit eigenem grinsenden Konterfei versehen - in den sozialen Netzwerken posten jedoch keine Konsequenzen nach sich ziehen, scheint den zweifelhaften Spaß auf Kosten anderer aber niemand allzu ernst zu nehmen. Oder doch?
Eines Abends ist Sam allein im elterlichen Reihenhaus, als Brady auftaucht und ihn zu einigen neuerlichen "Späßen" animiert. Doch da klingelt das Telefon und ein Unbekannter kündigt ihnen Ärger an. Zuerst wimmeln sie den Anrufer mit den üblichen pubertären Sprüchen ab, doch als dieser immer mehr Details aus dem Leben der beiden zu kennen scheint, werden die beiden Maulhelden plötzlich ganz kleinlaut...
Don't Hang Up ist ein kleiner aber feiner Home-Invasion-Thriller, der zunächst ein paar nervig "obercoole" Teenies vorstellt, die - wie so viele - ihre ganze Freizeitenergie in die neuen Medien stecken. Besonders Brady ist eine Gesäß-Violine par excellence, während Sam, der gerade Stress mit seiner Freundin Peyton (Bella Dayne) hat, der Vernünftigere von beiden zu sein scheint. Gerade als diese Konstellation langweilig zu werden droht, schaltet sich der Unbekannte ein und stellt den beiden nach kurzer Zeit Ultimaten - und während es draußen in Strömen gießt, zieht sich die Schlinge um den Hals der beiden Angeber immer weiter zu. Hier baut sich dann schnell ein Spannungsbogen auf, der den Zuseher bis zum Schluß in Atem hält. Die Regie-Debütanten Damien Macé und Alexis Wajsbrot verwenden hierbei Stilelemente aus anderen Thrillern, besonders die Saw-Reihe scheint hier Vorbild gewesen zu sein, denn der Unbekannte übernimmt komplett das technische Equipment im Haus (Laptop, Handies, Telefon, Fernseher) und bedient sich diverser Video-Einspielungen, die sich später als höchst manipulativ herausstellen - es gelingt ihm auch, die beiden Burschen, die das Haus nicht verlassen dürfen, ohne daß dies für Andere weitreichende Konsequenzen hat, zumindest zeitweilig gegeneinander auszuspielen.
Das blutige Finale beendet dann alle Spekulationen, aber mit dieser Lösung ist wohl keine Seite wirklich zufrieden. Bemerkenswert ist der Rache-Aspekt des Films, der anhand der zunächst ausführlichen Vorstellung der beiden Unsympathler und ihrem kontradiktorischen Ende dann schon leicht reaktionäre Züge annimmt. Aber so wenig man irgendeine Verbundenheit mit den beiden Burschen entwickeln kann, so wenig tangieren einen dann auch die weiteren Schritte des Unbekannten - Mitleid ist schlicht fehl am Platz. Dass ab dem Anrufen des Unbekannten dennoch keine einzige Sekunde Laufzeit verschenkt ist, liegt an der stringenten Erzählweise und der dezenten Kameraarbeit - die vorherrschende Hochspannung läßt einen über manche kleine Logikschwächen hinwegsehen, die einem erst hinterher einfallen. Ein starkes Regie-Debut: 7,51 Punkte.