Wenn nichts Neues Brauchbares in Sicht ist und das Bestehende nicht mit den Hoffnungen und Erwartungen mithalten kann, werden einfach die alten Recken wieder reaktiviert. Das war schon bei Universal Soldier so, einer der Bausteine von der Karriere Van Dammes, und das ist auch bei Kickboxer ebenfalls geschehen, der zur Gründungsphase gehört und ganze Heerscharen an Heranwachsenden glücklich und selig bis an das Lebensende gemacht hat. Der KICKBOXER!, zur Entstehungszeit das bevorzugt gewählte Magnetband zum Ausklang eines jeden zünftigen Pennälerabends, gleich nach dem Karate Tiger, dem Bloodsport (und eventuell noch vor dem Rocky IV); ein Film zur richtigen Zeit und in der richtigen Gesinnung, und derart auf das wartende Publikum abgestimmt, dass sich jede Videothek problemlos mit ordentlich Fratzengeballer (und Teresa Orlowski) allein schon finanzieren konnte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Doch heutzutage sieht das etwas anders aus, ist das eine Publikum schon etwas älter und kommt nicht mehr so richtig von dem Fernsehsofa hoch, während das Andere lieber die Superhelden im Spandex schaut und sowieso nur das Handy und dies auch nur zum Daddeln bedient. Die Ankündigung einer Neuauflage deswegen ein wenig überraschend, die prompte Proklamation der Schaffung gleich einer Trilogie, dem Godfather gleich ( der hier gar zitiert wird ) schon recht mutig und weit aus dem Fenster gelehnt. Die Schlagzeilen während der Herstellung auch etwas durcheinander und mit negativer Belastung belegt, wurden die Regisseure von Stephen Fung zu John Stockwell ausgetauscht und die erstgenannte Besetzung mit u.a. den Fan-Favoriten Scott Adkins und Tony Jaa gleich mit. Zudem drangen Gerüchte an die Öffentlichkeit, dass beim Dreh in New Orleans die Crew und die Lieferanten zum Teil nicht bezahlt wurden, was kein gutes Licht auf die Finanzierung warf, und dann starb auch noch Nebendarsteller Darren Shahlavi, dem das fertige Produkt und der Beginn einer neuen Saga nun gewidmet ist. Also: Bauch rein, Brust raus, Licht aus und Film ab:
Als sein älterer Bruder Eric Sloane [ Darren Shahlavi ] durch die Promoterin Marcia [ Gina Carano ] überredet wird, in Thailand an einem illegalen Turnier gegen den dortigen Champion Tong Po [ Dave Bautista ] anzutreten und von diesem brutalst getötet wird, bleibt Kurt Sloane [ Alain Moussi ] trotz der warnenden Hinweise von der Polizistin Liu [ Sara Malakul Lane ] vor Ort, um sich an dem Mörder zu rächen. Ein erster Anschlag scheitert horrend, so dass Kurt die Hilfe des Trainers seines Bruders, des Einsiedlers Master Durand [ Jean-Claude Van Damme ] in Anspruch nimmt, um der Herausforderung besser und auch im Ring gegenüberstehen zu können. Doch Tong Po hat scheint nicht nur übermenschliche Kräfte zu haben, sondern hat auch einen Teil der Polizei korrumpiert und zudem ein Netzwerk an Kämpfern wie Storm [ T.J. Storm ] oder Kavi [ Georges St-Pierre ], die auch nicht von schlechten Eltern, und erstmal zu überwinden sind.
Eine Regie unter dem HK - Regisseur Fung wäre auf seine Weise auch interessant gewesen, ist der Ersatz mit Stockwell aber auf jeden Fall seine eigene Attraktivität. Stockwell hat genügend Selbstsicherheit und auch Abstand zum Geschehen und auch vor allem die Bilder im Griff, setzt zum Einstieg auf mehrere glorreiche Panoramen von Thailand; eine Ecke am anderen Ende der Welt, die früher das bevorzugt exotische Szenario von derlei (pubertärer) Traumgeschichten war, nunmehr aber für Jedes und alles herhalten muss und schon ein wenig ab- bis zu Tode gefilmt ist. Der erste Kampf folgt gleich nach den Urlaubsporträts und der zweite hintendran, womit sich dann schon die Rückblende einläutet, die wie bis dato Alles vom Einstieg auch tiefste Achtziger und so goldrichtig für eine Wiederholung derlei Geschichten ist.
Der Amerikaner fern von der Heimat, in einem fremden Lande, der Sprache nicht mächtig und ortskundig auch nicht. Mit einem einzigen Ziel, dem der Rache nämlich, wobei allerdings ein steiniger Weg vor ihm liegt, und er nicht nur ein langes und hartes Training benötigt, sondern vor allem auch einen Trainer. Einen lokalen Mister Miyagi quasi, der hier entsprechend vom in Würde gealterten Van Damme gegeben wird, der damit seine filmische Laufbahn quasi spiegelt und ein Vierteljahrhundert später den Lehrer von sich selber spielt.
Die Handlung schön einfach und nicht meta, eine stringente Schlichtheit, ein angenehmer Minimalismus, die zu all dem momentan beliebten Bombast und Überfluss im Kino der bevorzugte Kontrast ist und sicherlich nicht verkehrt. Allzu große Blödheiten wie der Sektenkult um Tong Po, der in seiner Räucherhöhle den Staat im Staate, zwei halbnackte weibliche Schönheiten und sonst noch eine aufgepumpte Gruppe oberkörperfreier Gladiatoren zur Brunftzeit pflegt, werden gleichzeitig bierernst gezeigt und später durch anderes humoristisches Geschehen [die Tanzsszene im Abspann & die Sache mit dem Spagat] wieder konterkariert. Der neue Held ist grundsympathisch und dazu noch überaus fotogen, eine Mischung aus Sasha Mitchell und dem Loren Avedon, und für ein Debüt bereits überaus souverän. Fortgang ist bekannt und trotzdem vorhanden und mit einem Anschlag auf offener Straße, einem Hinterhalt per Schnellkaliber und einem Gefangenenausbruch gegen wehrhafte Aufseher auch etwas variiert, die Dialoge stramm und nicht gesäuselt und auch nicht moralisiert, die obligate Trainingsmontage mit dem Fahrradfahren unter Wasser und dem Zerknacken von Kokosnüssen wird ebenso eingespielt, zweimal sogar und ein wenig Liebe wird gleichsam aufgeworfen, aber Gott sei Dank nicht großen Wert darauf gelegt.
Schauen tun sich die Meisten das Werk nur wegen dem Titel, der die Erinnerung an Früheres und Besseres mit sich schleppt und dieser Erinnerung zumindest auch bewusst ist und sie gleichsam pflegt und hegt, und wegen Van Damme, der hier einerseits schon über den Dingen steht und den Jean Claude Van Johnson macht und andererseits dennoch ganz nah bei der Sache ist. Die Action ist noch wichtig, und wird natürlich regelmäßig, mehr als im Original eingespeist, ist dafür aber mehr Masse als Klasse und so wirklich die Erwähnung angesichts von Florentine und Co. bei ähnlichen Werken nicht wert. Mühe hat man sich gegeben, mit Szenenwiederholungen von besonders effektvoll angedachten Tritten, Sprüngen und Stürzen auch wie anno Dunnemals prononciert, aber die Choreografie ist auch entsprechend altbacken – bei Gefallen könnte man auch 'bodenständig' dazu sagen – , oftmals behäbig geradezu und wartet im Grunde darauf, dass die Leute jeweils in den nächsten Schlag oder Tritt geradezu hineingehen.