Review

kurz angerissen*

In der besten Szene, jener kurz vor dem Abspann, hüpft Alain Moussi tanzend aus einer Gefängniszelle und verarscht Jean-Claude Van Damme, dessen legendäre Tanzszene aus dem originalen „Kickboxer“ von rechts langsam zum Vergleich eingeschoben wird. Doch selbst das hat Van Damme höchstpersönlich als Late-Night-Gast bei Conan O'Brien origineller verarscht.

Der belgische Veteran ist dann in seiner neuen Rolle als Trainer auch das einsame Highlight in einem eher unnötigen Neuaufguss des Prügelklassikers von 1989, dessen naiver Charme zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Und das, obwohl Alain Moussi, der bis hierhin hauptsächlich als Stuntman beschäftigt war, durchaus die Naivität ins Gesicht geschrieben steht. Wie ein dummer Junge stolpert er durch Thailand, um Rache für seinen Bruder zu nehmen; dass dieser im Remake getötet anstatt nur schwer verletzt wird, erhöht noch lange nicht die Intensität der Vergeltungswut.

„Kickboxer – Die Vergeltung“ ist ein angemessen schlanker Film, der bis zum ausgedehnten Finalkampf gerade mal eine gute Stunde misst, doch zum motivierenden Aufbau wird die Zeit kaum genutzt: Die intriganten Spiele der von Gina Carano gespielten Promoterin taugen zur Anheizung nicht viel, zumal fraglich bleibt, wieso man eine Kampfsportlerin in einem Kampfsportfilm im Hosenanzug in die Ränge stellt und lediglich ein paar Sätze aufsagen lässt. Moussi zeigt später in einzelnen Momenten, dass er vor allem in Sachen Muay Thai eine Menge drauf hat, doch das Drehbuch beharrt zu lange darauf, ihn als Greenhorn zu zeichnen und selbst gegen Handlanger und Stümper in massive Probleme laufen zu lassen. Es ist schön, einmal einen nicht omnipotenten Kämpfer in der Hauptrolle zu wissen, doch ein wenig mehr Macht gegenüber seinen nicht immer allzu hellen Kontrahenten hätte man ihm schon zugestehen können.

Fraglich in diesem Zusammenhang auch, weshalb man plötzlich so unvermittelt zum Finalkampf übergeht, anstatt Moussi zunächst noch etwas an schwächeren Herausforderern im Ring üben zu lassen. Dave Bautista hat als Endgegner zwar die gewünschte Masse und Aura der Unbesiegbarkeit und weiß im Ring mit purer Physis zu überzeugen, jedoch reicht er nicht an die fast schon mystische Bedrohlichkeit heran, die Michel Qissi im Original zu erzeugen vermochte. Möglicherweise ist hier auch kontraproduktiv, dass er sich durch die „Guardians Of The Galaxy“-Reihe in Hollywood den Ruf des muskulösen Knuddelbären erarbeitet hat, denn rein darstellerisch kann man dem keine Miene verziehenden Bautista wohl keine Vorwürfe machen.

Van Damme hingegen ist immer noch in hervorragender Form und weiß den Film mit einigen coolen Auftritten zu veredeln. Dem Klischee des alten chinesischen Meisters widersprechend wird er eingeführt und verhält sich während des gesamten Films entsprechend alternativ, meist gekleidet mit Hut, Sonnenbrille und eventuell einem locker geknöpften oder geöffneten Hemd und stets bereit zum Kampf. Sobald er in die Handlung eingreift, kommt das bis dahin sehr holprige Drehbuch endlich in die Gänge, auch wenn er genauso machtlos dabei ist, den klassischen Motivationseffekt der 80er-Klassiker zu rekonstruieren.

Insgesamt gibt es einfach ein paar coole Moves zu wenig und die auch hier vorzufindende Simplizität der Handlung wird nicht ausreichend in einen memorablen Charme umgewandelt. Für eine Fortsetzung hat es aber dennoch gereicht.

*weitere Informationen: siehe Profil

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