Der langjährige Italogenre-Fan weiß: Unter all den Filmchen, die man im Laufe seiner Paracinema - Laufbahn entdeckt, sind oft untergegangene Perlen zu finden.
Filme, die nur die Eingeweihtesten unter der eingeschworenen Gemeinde der Freunde abseitiger Filmkultur je kennen lernen durften.
„The Designated Victim“ (in unseren Breitengraden als „Der Todesengel“ bekannt ) von Maurizio Lucidi ist so ein Film.
Ein Film, der einerseits exemplarisch und andererseits geradezu untypisch für das italienische Genrekino ist.
Untypisch deshalb, weil der Film auf Exploitation - Elemente weitestgehend verzichtet: viel Gewalt und nackte Haut sucht man vergebens - aber „The Designated Victim“ braucht das auch gar nicht.Typisch für Italien sind hingegen die Atmosphäre und die geniale Musik - und die Tatsache, dass es ich bei der Story um keine ureigene Idee des Regisseurs handelt, sondern um ein Quasi-Remake des Hitchcock-Klassikers „Strangers On A Train“.Aus amerikanischen Vorbildern etwas ganz eigenes zu machen war im Italien der 60er und 70er eine gern angewendete Praktik, die ja zu einigem Erfolg führte, wie man am Beispiel des Italowestern-Genres sieht.
Nur eben, dass die Italiener glücklicherweise viel zu kreativ waren um bloß zu kopieren und dem geneigten Filmfreund so eine Reihe kreativer Gustostücke servierten.
Wenden wir uns also zunächst der Story des „Todesengels“ zu:
Tomas Milian spielt diesmal ausnahmsweise keinen skrupellosen Brutalo(wie beispielsweise in Umberto Lenzis Reißer „Almost Human“), sondern den Playboy Stefano.Stefano plagen ernste Eheprobleme - wie gern wäre er doch mit seiner eigentlichen Flamme zusammen und würde seine eigenen Vorstellungen vom Leben verwirklichen- der Gang der guten Gattin, von der er abhängig ist, über den Jordan würde so manches einfacher machen.
Da kommt das Angebot des dekadenten Grafen Matteo; den er in Venedig( wo sonst?) trifft, unverhofft doch scheinbar gerade richtig. Dieser offeriert dem Playboy in Nöten einen „Perfect Crime“- Deal: Soll heißen. Stefano soll den missliebigen Bruder Matteos ins Jenseits befördern, im Gegenzug bringt Matteo die lästige Frau von Stefano ins Leichenschauhaus.Stefano tut das als Hirngespinst ab, doch Matteo ist es wesentlich ernster als Stefano es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann-ein nicht enden wollender Alptraum beginnt und langsam beginnt Stefano an seinem Verstand zu zweifeln…….
Diese unglaublich stylische „Strangers in a Train“ Variante zeigt einen Tomas Milian in Bestform und bietet atemlose Spannung bis zum Schluss.
Regisseur Lucidi legte größten Wert auf eine dichte Atmosphäre, die besonders in den tollen Venedigeinstellungen zum Tragen kommt – was noch durch den passenden Soundtrack verstärkt wird.
Zudem bleibt der Film bis zuletzt schlüssig und erfreut einen mit einem echten Wahnsinnschluss!
Genrefans und Thrillerfreunde sollten sich also diesen zu Unrecht untergegangen Streifen nicht entgehen lassen - denn er vereint alles was man am italienischen Kultkino der Seventies so schätzt.
Den Film gibt es übrigens neu auf DVD, in einer restaurierten Uncut-Fassung vom englischen Genrelabel Shameless Films.