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Beim Fotografen Stefano hängt der Haussegen schief. Seine Gattin, reiche Geschäftsfrau, behandelt ihn schlecht und vermasselt ihm einen lukrativen Deal. Sie weiß auch von seiner Affäre mit Fabienne, einem seiner Models, mit der Stefano erst mal in Venedig entspannt. Dort begegnet er dem mysteriösen Matteo, einem Grafen, der unter seinem Bruder leidet. Nachdem die beiden sich angefreundet haben, schlägt Matteo vor, dass er Stefanos Frau umbringt und Stefano als Ausgleich seinen Bruder. Dieser hält das zunächst für einen Scherz und versucht, die Aktien seiner Gattin mit einer gefälschten Unterschrift abzuzocken, um mit Fabienne in Venezuela ein neues Leben anzufangen. Doch Matteo bringt Stefanos Frau um und erwartet die abgemachte Gegenleistung. Als dieser sich weigert, sorgt Matteo dafür dass Stefano für die Polizei der Hauptverdächtige wird. Was tun?

„Der Todesengel“ ist einer meiner Lieblingsfilme aus Bella Italia. Von seinen zahlreichen Genrekollegen hebt er sich sowohl thematisch als auch optisch stark ab (Venedig, Mailand, idyllisches Ferienhaus an einem malerischen Gebirgssee). Es scheint, als liegt ein Schleier über all diesen Schauplätzen, welche die Fassade von Stefanos heiler Welt symbolisieren und sich in der Person des Matteo manifestieren. Das fällt sogar seiner Frau auf, die bei einem Bootsausflug bemerkt dass Stefano angestrengt nachdenkt, vielleicht darüber dass er sie als Nichtschwimmerin hier leicht selbst aus dem Weg schaffen könnte, was er natürlich verneint. Matteo hingegen, der die Lust zum Töten verspürt, fasziniert Stefano irgendwie, und der stellt wiederum einen richtigen Bruder für den Grafen dar. Die Zwei sind auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden, auch wenn Stefano von Matteo nur manipuliert wird. Der deutsche Titel ist nicht schlecht gewählt, aber der italienische („La vittima designata“) bzw. englische („The designated victim“) trifft den Kern der behandelten Problematik etwas besser.

Der Graf verfolgt nämlich einen Plan, um seine eigenen Interessen umzusetzen, aber darauf möchte ich nicht näher eingehen, weil das die Pointe vorwegnehmen oder zumindest weniger überraschend machen könnte. Diese ist äußerst böse und der Weg dahin genial durchdacht. Tomas Milian als Stefano spielt die getriebene Identifikationsfigur überzeugend, während Pierre Clementi als Matteo einerseits mit seiner aufdringlichen sowie leicht tuntigen Art amüsiert und andererseits bis zum Schluss geheimnisvoll erscheint. Wenn Beide miteinander allein sind, liegt stets ein homoerotischer Hauch in der Luft, der zwar nicht die Handlung beeinflusst, aber zum Verständnis der zwei vordergründig unterschiedlichen, doch insgeheim ähnlichen Charaktere beiträgt. Der restliche Cast spielt akzeptabel und die Außenaufnahmen sind irgendwie bedrohlich und dennoch sympathisch, wie es für die Italos der damaligen Zeit typisch war. Die Musik ist durchweg wunderschön und abwechslungsreich, der Film trotz seiner ruhigen Inszenierung mitreißend, und das Ende gehört zu den besten und zugleich fiesesten, die ich jemals gesehen habe. Für diese leider ziemlich unbekannte Perle gebe ich knappe 9 von 10 Punkten. Wirklich klasse.

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