Review

Er war gut zu Vögeln

Mit Arthouse-Kino ist das so eine Sache - man braucht Geduld, Power, Aufmerksamkeit, einen geschärften Blick für die Kunst. Es lohnt sich oft, wenn man sich durchkämpft & investiert. Filme wie "Der Ornithologist" bleiben lange bei einem und gewinnen mit jedem Durchlauf. Doch es kann auch verdammt zäh, eigen und anti-unterhaltsam sein. Die zwei Stunden können einem vorkommen wie vier und viele Szenen werfen mehr als ein Fragezeichen über meinen Kopf. Doch im Endeffekt bin ich um jeden "Ornithologist" als Ausgleich für einen neuen "Transformers" froh. Blöder Vergleich, ich weiß. Aber ich hoffe ihr wisst worauf ich hinaus will. Dieses meditative Survivaldrama aus Portugal ist eine Herausforderung, die sich lohnen kann, die mich teilweise sehr tief berührt und kurz danach unheimlich müde gemacht hat. 

Es geht um einen Vogelbeobachter, der im grünen Hinterland Portugals seiner Berufung nachgeht. Doch nachdem er mit dem Kanu stürzt und von zwei chinesischen Pilgerinnen wiederbelebt wird, tut sich für ihn ein Weg auf, der ihn für immer verändern wird... mittendrin u.a. nackte Reiterinnen, bezaubernde Natur, Fesselspiele und ein Glaubensbekenntnis. Zur Natur vor allem. Doch hier sind die Interpretationen jedem selbst überlassen. Genauso wie es der entschleunigte Trip schafft einen zu verwirren, schafft er es eine unheimliche und selten so meisterhaft gesehene Atmosphäre aufzubauen. Als ob Terrence Malick auf Luis Bunuel trifft, mit einem Hauch "Onibaba". Naturfans und Filmgourmets mit Hang zum Spirituellen sehen hier eines ihrer Highlights des Jahres. Verdammt Portugal, bist du schön! Bist du talentiert! Bist du anstrengend. Sehen, fühlen, glauben. Heißt nicht unbedingt verstehen. 

Fazit: ein Selbstfindungstrip der religiösen Sorte im surrealen Herzen Portugals... komplexes Ding! Langweile trifft lohnenswerte Investition. Eine Erfahrung wert. Auf eigene Gefahr - arthousiger geht kaum. Natürliches Sehen, übernatürliches Filmemachen. 

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