Train to Busan
Als der Film vor ein paar Jahren auf Festivals aufschlug, waren die Kritiken geradezu euphorisch und der Streifen wurde als bester Zombiefilm seit Jahren bezeichnet. Eine ziemliche Hypothek also, auch wenn der Zombiehype gerade wieder etwas abgeklungen ist. Der Film erzählt, wie das im Horrorgenre üblich ist, eine eher kleine Geschichte um einen Vater, der so mit seiner Arbeit beschäftigt ist, dass er nicht merkt, wie sehr seine Tochter unter der Trennung der Eltern leidet. Also muss er diese Lektion lernen – von Zombies.
Das Negative zuerst – rennende Zombies. Ich mag keine rennenden Zombies. Ich finde Zombies dann am gruseligsten, wenn sie als langsame, aber unaufhaltsame Masse auftauchen. Hier sind sie eine schnelle, unaufhaltsame Masse.
Den titelgebenden Zug betritt der Vater mit seiner Tochter nach etwa einer Viertelstunde und danach wird der Film dankenswerterweise kaum geöffnet sondern hält den Zuschauer in der gleichen Unsicherheit wie die Protagonisten. Als dann der erste Zombie im Zug ist, bricht erwartungsgemäß die Hölle los und das Zahlenverhältnis kehrt sich schnell um. Dabei wechseln sich Zombiehorden mit ruhigen Passagen ab (eine Sequenz im Bahnhof ist so bedrückend, dass man fast erleichtert ist, als die Zombies endlich auftauchen) und die Charaktere bekommen den nötigen Raum, um den Zuschauenden sympathisch zu werden, so dass man hofft, dass sie den Wahnsinn überstehen. Neben der Hauptfigur, dem karrieregeilen Fondmanager (also eigentlich schon vorher ein Zombie) finden sich werdende Eltern und eine Schülermannschaft sowie besagte kleine Tochter und ein menschlicher Fiesling, quasi die nicht veränderungsfähige Variante der Hauptfigur.
Das Ganze ist extrem spannend inszeniert und nutzt das klaustrophobische Setting des Zugs geschickt aus, um die Helden von einer ausweglosen Situation in die nächste zu werfen. Mit 100 Minuten ist das Ganze auch nicht zu lang ausgefallen, so dass die Spannung bis zum Ende hält – und davon ist wirklich reichlich enthalten. Die Zombies sehen herrlich unwirklich aus, ihre Körper scheinen sich gegen ihren Willen zu bewegen und ihre schiere Masse ist in einigen Szenen mehr als beeindruckend. Es wird auch deutlich, dass die Zombies praktisch kein Bewusstsein haben, wenn sie ihre Opfer nicht sehen, vergessen sie sie sofort. Das Verhalten der Menschen bleibt, eine Seltenheit, eigentlich immer nachvollziehbar und erhöht dadurch die Sympathiewerte.
Insgesamt ein extrem starker Vertreter des Genres, eine Perle in dem ganzen Sumpf der Zombiegurken.