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Den einen oder anderen gut gemeinten Blockbuster konnten Freunde von Zombiefilmen in den letzten Jahren seit „28 Days Later“ gewiss mitnehmen, doch über weite Teile wird das Genre von Mittelmäßigkeit geprägt. Der Streifen des Briten Colm McCarthy bringt indes ein paar frische Ansätze, schafft es jedoch nicht, auf Dauer Suspense zu erzeugen.

Nach einer verheerenden Pilzinfektion ist ein Großteil der Menschheit dahingerafft und Horden von „Hungries“ dominieren das triste Dasein. So auch im Militärbunker, in dem eine Gruppe von Kindern, allen voran die zehnjährige Melanie (Sennia Nanua), auf die Dr. Caldwell (Glenn Close) Hoffnung für ein Gegenmittel setzt. Doch dann wird die Basis von den Infizierten überrannt…

Zwischen Survival-Thriller, Roadmovie und Gesellschaftsdrama ist der Stoff angesiedelt. Das erste Drittel gestaltet sich recht klaustrophobisch, da sich sämtliche Szenen ohne Tageslicht abspielen und man ohne jeglichen Background ins Geschehen geworfen wird: Kinder an Rollstühlen fixiert erhalten Schulunterricht, als Nahrung werden lebende Würmer in die Zellen geschoben, während Soldaten auf verschärfte Sicherheitsvorkehrungen achten sollen.
Erst später wird klar, dass die Kids eine Mischung aus Hungries und Mensch verkörpern, noch eigenständig denken und handeln können und dennoch auf noch lebende Nahrung angewiesen sind.

Interessant ist bei alledem die vorwiegend kindliche Sichtweise der apokalyptischen Situation, denn Melanie kennt das Leben draußen nicht und vermag mit vielen alltäglich erscheinenden Gegebenheiten wenig anzufangen, obgleich das Mädchen intelligent, sensibel und neugierig ist. Als sich die kleine Gruppe nach London durchkämpft, ist es häufig Melanie, die quasi als Hybrid die Risiken mindern oder gar aus dem Weg schaffen kann.

Somit sind die Figurenzeichnungen durchaus als sorgfältig anzusehen, das Setting, insbesondere im letzten Drittel schafft eine authentische Atmosphäre und das Durchqueren scheinbar ruhender Hungries auf den Straßen bringt eine beklemmende Stimmung ins Spiel.
Leider macht sich immer wieder ein Mangel an spannenden Szenen bemerkbar, hinzu gesellen sich einige Logiklöcher und auch der Ausgang dürfte nicht jeden glücklich stimmen.

Auf der Habenseite sind klar die versierten Mimen zu nennen, bei denen primär Nanua in der Hauptrolle hervorsticht, doch auch Glenn Close, Paddy Considine und Gemma Arterton liefern ordentlich ab. Ebenfalls überzeugend ist der Score, welche hervorragend auf Einzelszenen abgestimmt ist und die Endzeitstimmung deutlich verstärkt.
In Sachen Gewaltdarstellung müssen indes ein paar Abstriche gemacht werden, denn obgleich es zu unzähligen Einschüssen, teils per CGI kommt, bleiben explizite Fressorgien aus, womit die FSK16 angemessen erscheint.

Zwar handelt es sich bei der Bedrohung um flinke Biester, doch so richtig Drive will hier nicht aufkommen, da sich die Erzählung oftmals mit schlechtem Timing ausbremst und abgesehen von der Erzählperspektive kaum Innovationen in die Runde wirft. Atmosphärisch teils recht stark, handwerklich grundsolide in Szene gesetzt, können die überzeugenden Mimen die Handlung locker stemmen, jedoch nicht dafür sorgen, dass ab und an Gänsehaut entsteht.
6 von 10

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