Nach einer wahren Begebenheit: 1991 nominierte US-Präsident George Bush den afroamerikanischen Richter Clarence Thomas für den Supreme Court, das höchste amerikanische Gericht. Neben den Fragen nach dessen fachlicher Eignung beschäftigten den Senat im Zuge des Bestätigungsverfahrens auch die Vorwürfe der Justizprofessorin Anita Hill, gespielt von Kerry Washington, die ihrem ehemaligen Vorgesetzten sexuelle Belästigung vorwarf. Der Fall fand ein großes Medien-Echo und wuchs sich zum knallharten Polit-Skandal aus, der die US-Gesellschaft in Fragen des alltäglichen Sexismus und der Diskriminierung von Frauen sensibilisierte.
Wer verstehen will, warum die Ernennung eines Richters für den Supreme Court in den USA hochpolitisch ist, muss sich zweierlei vor Augen führen: Zum einen, dass der Supreme Court als oberstes Gericht mit einer gewaltigen Machtfülle ausgestattet ist, zum anderen, dass die neun vertretenen Richter vom Präsidenten vorgeschlagen und nach ihrer Bestätigung auf Lebenszeit ernannt werden. So urteilt der 1991 ernannte Clarence Thomas auch heute noch über Verfassungsfragen und die Politik des nunmehr 5. US-Präsidenten seiner Amtszeit. Daher war das vom Senat vorgenommene Bestätigungsverfahren von Thomas, das von einigen Skandalen begleitet wurde, ein politisch hochinteressanter Vorgang, ein Fall, in dem es um Parteiengeschacher, Machtpolitik und mediale Aufmerksamkeit ging, aber auch ganz allgemein um Sexismus und Rassismus im Politikbetrieb wie in der US-Gesellschaft. Nur leider setzen Macher dieser HBO-Produktion ihre Schwerpunkte falsch.
Regisseur Rick Famuyiwa und seine Drehbuchautorin Susannah Grant befassen sich zwar auch mit dem politischen Verfahren, machen die durchaus komplexen Abläufe der Bestätigung deutlich und werfen einen kritischen Blick auf den amerikanischen Politikbetrieb. Vor allem auf Republikaner, die den Richter allein deshalb unbedingt bestätigt wissen wollen, damit sich ihr Präsident mit seinem Ernennungsvorschlag nicht blamiert, die an einer Aufklärung der Vorwürfe daher wenig Interesse zeigen, obwohl diese die Eignung von Thomas für das Amt eines obersten Richters in Frage stellten. Famuyiwa zeigt, wie Thomas die Vorwürfe zurückzuweisen versuchte, indem er suggerierte, es handle sich um das Werk von Rassisten, die einen Schwarzen beim Supreme Court verhindern wollten. Vor allem zeigt Fumuyiwa, wie ein politischer Prozess zum öffentlichen Zirkus verkam, bei dem es in Senatsanhörungen um den Namen eines Pornodarstellers sowie um diverse Sexualpraktiken ging. Diese kritischen wie interessanten Aspekte trösten auch über das behäbige Erzähltempo hinweg.
Allerdings: es geht Famuyiwa und Grant leider vornehmlich um etwas anderes, um Anita Hill, die von einer überzeugenden Kerry Washington mit großen Gesten verkörpert wird. „The Confirmation“ wirkt mitunter wie der Versuch, Anita Hill für ihre mutige Aussage vor dem Senat zu feiern, der beherzten Juristin ein kleines Denkmal zu setzen. Das ist, vor allem am Ende, allzu pathetisch und es wirkt fast so, als habe die Drehbuchautorin noch einmal an ihre wohl bekannteste Arbeit „Erin Brockovich“ anknüpfen wollen. Dass der Film mit Richter Thomas auf der Gegenseite noch vergleichsweise gnädig umgeht und diesen nicht zum Feindbild stempelt, ist wohltuend und differenziert. Insgesamt bezieht der Film aber doch allzu eindeutig Stellung, insbesondere dann, wenn Famuyiwa zum x-ten Mal zeigt, wie unfair die Männer im Senat und insbesondere die Republikaner mit Anita Hill umgehen.
Fazit:
„The Confirmation“ ist ein solides Polit-Drama, das seine wahre Begebenheit zum Anlass nimmt, einen scharfen Blick hinter die Kulissen des amerikanischen Polit-Betriebs zu werfen, aber zu sehr darum bemüht ist, seiner Protagonistin ein filmisches Denkmal zu setzen.
60 %