kurz angerissen*
Wenn die These stimmt, dass die Qualität eines Films mit seinem Villain steht und fällt, dann profitiert „Schweinskopf Al Dente“ besonders von ihr. Jeanette Hain hat das Niveau von „Winterkartoffelknödel“ mit ihrer berechenbaren Interpretation einer Kopfverdreherin nicht gerade angehoben; im Umkehrschluss ist Gregor Bloéb der bisher beste Bösewicht in der Eberhofer-Reihe, hinterlässt er als träge dauerlächelnder Psychopath mit Rachegelüsten doch eher unorthodoxe Fußabdrücke und sorgt in regelmäßigen Abständen für gepflegte Thriller-Spitzen.
Dabei entfällt vergleichsweise wenig Laufzeit auf den Kriminalfall. Eröffnet wird mit einem „klärenden“ Gespräch zwischen dem Eberhofer und seiner Susi, in dem die fehlende Kommunikationsfähigkeit des Dorfpolizisten vor der versammelten Mannschaft (die an der Tür lauscht) einmal mehr entblößt wird. Die Marschrichtung ist damit gegeben, denn ob Franz und Susi wieder ein Paar werden, ist in diesem Kleinuniversum eine Frage, die mehr Menschen beschäftigt als ein im Bett des Polizeikommisars platziertes Der-Pate-Zitat.
Ob man nun unbedingt einen Ausflug nach Italien einbauen und den bis dato gesichtslosen italienischen Freund der Susi vorstellen musste, sei mal dahingestellt, die fünf Autostunden an den Gardasee betten sich aber wesentlich organischer in den Plot ein als die Teneriffa-Episode im Vorgänger. Herzog nutzt den schnellen Tapetenwechsel für ein paar Kalauer am Strand und kehrt dann fast nahtlos in die Landshuter Peripherie zurück, um Franz und seinen Partner Rudi im bis dato spannendsten Finale an ihre Grenzen zu führen.
Relativ wenig Platz nimmt diesmal der kulinarische Subtext ein. Möglicherweise liegt der Schweinskopf zu Beginn so schwer im Magen, dass anschließend nur noch Platz für ein, zwei Tiramisu und ein paar Knödel mit Braten übrig ist. Der hohe Fleischkässemmelverbrauch Eberhofers setzt sich allerdings eindrucksvoll fort. Auch sonst ist Einsatz Nr. 3 gespickt mit herrlich bekloppten Blödel-Gags. Vor allem aber leistet er sich keinen totalen Aussetzer wie die „Sexualverkehr“-Nummer von Flötzinger im Vorgänger; das zum Abspann einsetzende „Ça Plane Pour Moi“ hat sogar einen gewissen Charme.
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