Review

„An deiner Seite“ erweist sich als mittelschwerer Fehltritt für diverse Beteiligte, was in erster Linie die Stars Bruce Willis und Michelle Pfeiffer sowie Regisseur Rob Reiner trifft.
Ben (Bruce Willis) und Katie Jordan (Michelle Pfeiffer) sind ein Ehepaar, dass sich auseinandergelebt hat, vor den Kindern jedoch die Fassade der glücklichen Familie aufrecht erhält. So schafft Regisseur Rob Reiner gleich zu Beginn eine recht eindrucksvolle Szene zu schaffen: Die Familie sitzt am Tisch und isst zu Abend, ein scheinbar unbetrübtes Gespräch läuft. Doch als die Kinder aufgestanden sind, tendiert sie Spannung gegen Null und Ben und Katie überlegen, wie sie ihren anstehenden Hochzeitstag am besten rumkriegen. Leider sind derartige Momente nicht die Regel, sondern die Ausnahme in „An deiner Seite“.
Wenig später werden die Kinder ins Feriencamp verfrachtet, woraufhin im Hause Jordan direkt die Wände wackeln. Ben und Katie halten es miteinander nicht aus und wo die Kinder weit weg sind, wollen sie sich probeweise trennen, um in ihre Ehe neu erblühen zu lassen. Damit beginnt der Film in seine eigentliche Handlung einzusteigen, die fast komplett in den besagten Ferien der Kinder spielt – nur leider schwankt „An deiner Seite“ immer zwischen Drama und Komödie.

Während beide Partner nun getrennt voneinander sind, lassen sie ihr Leben Revue passieren man sieht ihre Szenen einer Ehe: Wie sich kennen lernten, wie sie trotz verschiedener Wesenszüge zueinander fanden und wie es begann in ihrer Beziehung schief zu laufen. Doch finden sie eine Lösung für ihre Ehekrise?
„An deiner Seite“ hat relativ viel Potential, doch vergeudete es leider. Die Grundidee der Story ist weder schlecht noch besonders umwerfend, doch es wird nicht das Beste daraus gemacht: Viel zu unzusammenhängend sind die einzelnen Szenen des Films (was leider an den sich recht interessanten Rückblenden liegt), zu sehr lässt einen der Ausgang der Geschichte kalt und viel zu wenig Spannung kommt auf. Da nutzt auch Reiners Regie nicht viel.
„An deiner Seite“ begeht keine Gratwanderung zwischen Drama und Comedy, sondern schwankt von Szene zu Szene. So sind die meisten Rückblenden komischer Natur (und besser als die dramatische Seite). Hier kommt ein wenig das Gefühl alter Reiner-Klassiker wie „Der Volltreffer“ oder „Harry und Sally“ auf. Zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere lernen sich kennen und lieben, was Reiners schon in den genannten beiden Filmen als Grundgerüst des Films nahm. Zwar fehlen hier echte Brüller, doch vor allem der verschmitze Willis kann einem das eine oder andere Lächeln abringen (z.B. in der Venedig-Szene oder der Therapie-Szene).

Doch Reiner muss ja unbedingt, wie es nach der großen Liebe im ungünstigen Fall weitergehen könnte und hier wird es kritisch: Belanglose Streitereien ohne Witz und voller Klischees und die Dialoge sinken auf TV-Niveau. Meist ist der Grund belanglos, meist weil Mr. Chaos Ben alles zu locker sieht und Ordnungsfanatikerin Katie die kleinste Unordnung übermäßig ins Gemüt schlägt. In diesen Phasen zieht sich die Handlung und spätestens nach dem dritten Streit wiederholt sich der Film selbst.
Die Schauspieler erbringen hingegen gute Leistungen, wobei in den Nebenrollen bekannte Gesichter aus der Rob Reiner Clique zu sehen sind wie z.B. Reiner selbst oder Tom Hanks’ Ehefrau Rita Wilson. In erster Linie wird der Film natürlich von Willis und Pfeiffer getragen, die immer wieder ganz gut versuchen gegen die Drehbuchschwächen anzukommen. Fast schon Naturgesetz: Willis ist als Lausbub im Körper eines Mannes die sympathischere Fraktion im Gegensatz zu Michelle Pfeiffer als hyperkorrekte Ehefrau.

„An deiner Seite“ schafft es dank guter Regie, überzeugender Schauspieler und netter Gags immerhin in den Durchschnittsbereich, doch die Längen und schwachen Dialoge in den dramatischen Szenen verschenken viel vom Film.

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