Das Gebiet um den Amarok-Krater, der Einschlagstelle eines auf die Erde gestürzten Meteoriten, ist verrufen. Angeblich gehen in dieser militärischen Sperrzone seltsame und unheimliche Dinge vor sich, und niemand, der sich in diese Gegend verirrt hatte, ward jemals wieder gesehen, heißt es. Ebendort kommt es mit dem Absturz eines Air Force-Flugzeuges zu einem weiteren, rätselhaften Zwischenfall. Zwar überlebt Pilot Glenn Edwards (Matthew Crawley, Super 8) den Crash, kurze Zeit später ist er aber spurlos verschwunden. Das Militär gießt mit seiner Geheimhaltetaktik bloß Öl ins Feuer, sodaß Edwards' Verlobte Samantha (Erin Waterhouse, Detour) sowie sein Bruder Tom (wiederum Matthew Crawley) auf eigene Faust der Sache auf den Grund gehen. Sie heuern den abgehalfterten, hochverschuldeten und trinkfreudigen Piloten Denning (Ken Van Sant, The Dark Sleep) an, um sie - ohne viele Fragen zu stellen - ins Sperrgebiet zu fliegen, und auch dessen Kumpel Riley (Richard Lounello, Battledogs) ist mit von der Partie, erweist der sich doch als ungemein hartnäckig und läßt sich partout nicht abwimmeln. Kaum haben sie die Gegend um den Meteoritenkrater erreicht, kollidiert das Flugzeug mit einem Schwarm merkwürdiger Vögel, und Denning muß die beschädigte Kiste notlanden. Am Boden stellt unser fideles Quartett bald fest, daß hier tatsächlich etwas ganz und gar nicht stimmt. Es scheint, als hätte die Strahlung des Meteoriten einen äußerst ungesunden Einfluß auf die lokale Flora und Fauna, und so stolpern die Vier von einer brenzligen Situation in die nächste.
Der etwa zwanzigminütige Handlungsaufbau ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Er ist bestenfalls zweckmäßig inszeniert, und man hat stets den Eindruck, als ob Regisseur/Autor Brett Piper diese Einleitung als notwendiges Übel erachtet, um das man eben nicht herumkommt. Wie auf Autopilot schlummert die Regie dahin, um dann, wenn die Viecher endlich auftauchen, zu strahlendem Leben zu erwachen. Dann ist Piper in seinem Element und Triclops beginnt zu scheinen. Denn rund um den Meteoriten ist ordentlich was los. Und da es aufgrund der Strahlung zu wilden Mutationen gekommen ist, kann Piper seiner Phantasie freien Lauf lassen, ohne sich der Realität verpflichtet fühlen zu müssen. Wie es sich für Filme dieser Art gehört, haben sämtliche Wesen zweierlei gemein: Sie sind übergroß, und sie machen unseren Helden das Leben schwer. Samantha beispielsweise wird von einer riesigen Spinne verschleppt, welche sie in ihr Nest sperrt, wo prompt süße, hundegroße, furchtbar hungrige Riesenspinnenbabys aus den Eiern schlüpfen. Natürlich kreuzen auch andere Kreaturen den Weg von Samantha, Tom, Denning und Riley, wie z. B. ein kuhgroßes Tierchen, das wie eine Milbe aussieht, eine Art Ameisenwurm oder ein Nashornsaurier. Selbst die Vegetation hat sich verändert, wie eine fleischfressende, nach Futter schnappende Pflanze demonstriert. Und dann ist da noch ein deformierter Gigant, der eines seiner drei verrutschten Augen auf Samantha geworfen hat. Sollte das etwa gar der gesuchte Glenn sein?
Der geschätzte zweihundertfünfzigtausend Dollar teure Triclops versteht sich als Verbeugung vor den beliebten Abenteuerfilmen mit Riesenmonsterbeteiligung der 1950er- und 1960er-Jahre, wo etwa Sinbad (aka Sindbad) seine siebente Reise in Angriff nahm, Jason es mit den Argonauten zu tun bekam und es einige Menschen auf eine geheimnisvolle Insel verschlug. Für die Spezialeffekte vieler dieser Filme zeichnete der unvergessene Ray Harryhausen (1920 – 2013) verantwortlich, und wie Harryhausen erweckt auch Brett Piper seine Stars mit viel Liebe via Stop-Motion zum Leben. Das macht er ganz vorzüglich, obwohl er die präzise Fertigkeit des Meisters natürlich nicht erreicht und man diesbezüglich keine Wunderdinge erwarten sollte. Da die Animation enorm zeitaufwändig ist, haben die verschiedenen Kreaturen nicht allzu viel Screentime. Aber es ist schon sehr erfreulich, daß man heutzutage, im Zeitalter der computergenerierten Bilder, diese vom Aussterben bedrohte SFX-Technik in aktuellen Filmen überhaupt noch zu Gesicht bekommt. Brett Piper ist einer der wenigen, der die Stop-Motion-Flagge allen Widrigkeiten zum Trotz hochhält. Und die Mühe hat sich definitiv gelohnt. Wer wie ich mit dieser Art Film aufgewachsen ist, der sollte bei Triclops ob des nostalgischen Flairs feuchte Augen bekommen, zumal der Streifen auch ausgesprochen kurzweilig und campy ist. Mit den schauspielerischen Darbietungen gewinnt das charmante B-Movie gewiß keinen Blumentopf, aber das muß es auch nicht. Die Stars der Show sind eindeutig die Monster, und Oscar-reife Performances würden davon eh nur ablenken.
Wem der Grundplot bekannt vorkommt, der hat vermutlich Bert I. Gordons The Cyclops (1957) gesehen. Gordon (The Amazing Colossal Man) hatte zwar mit Stop-Motion nichts am Hut, das hinderte ihn aber nicht daran, jede Menge Riesen(monster)filme herunter zu kurbeln. Vielleicht hat sich Piper ja deshalb dazu entschlossen, die titelgebende Figur nicht als Stop-Motion-Puppe zu animieren, sondern sie von einem Mann im Kostüm mit deftigem Gesichts-Make-Up spielen zu lassen, als Verbeugung vor "Mr. B.I.G.". Piper wurde übrigens schon sehr früh vom Filmbug gebissen; bereits im zarten Alter von elf Jahren drehte er erste Kurzfilme. Bekanntheit erlangte er dann mit seinem auch hierzulande erschienenen Amateurfilm Mysterious Planet (1982), welcher bereits einige coole Stop-Motion-Kreaturen beinhaltete. Diese Tradition setzte er in Filmen wie A Nymphoid Barbarian in Dinosaur Hell (1990), Arachnia (2003), Bite Me! (2004), Shock-O-Rama (2005), Queen Crab (2015) und nun eben Triclops fort. Neben den drolligen Spezialeffekten punktet Triclops noch mit einer lockeren, sympathischen Grundstimmung, einigen launigen, trockenen, bisweilen sogar hübsch sarkastischen Dialogen, dem einen oder anderen netten Einfall (der altbewährte "Hol's-Stöckchen"-Trick ist auch bei einem Saurier einen Versuch wert) und ein paar schönen Hommagen (z. B. an King Kong). Triclops ist somit ein sehr unterhaltsamer Retro-Monsterschinken klassischen Zuschnitts, der längst vergangene Zeiten wieder in Erinnerung ruft.
So erinnerte ich mich plötzlich an meine erste Begegnung als Stöpsel mit Mysterious Island (Die geheimnisvolle Insel, 1961), an die Begeisterung, die ich damals empfand, und an das ungläubige Staunen, das der Film bei mir hervorrief. Ob es Triclops schafft, die Kids heutzutage auf eine ähnliche Weise zum Staunen zu bringen, wage ich zu bezweifeln. Dank des allgegenwärtigen Internets mit Zugriff auf alle möglichen Filmschnipsel sind die (meisten) Knirpse nun viel zu abgebrüht, um sich von einem schönen, altmodischen, harmlos-naiven Monstermärchen für die ganze Familie verzaubern zu lassen.