Mckenna Grace spielt die hochbegabte, siebenjährige Mary, die ihren verantwortungslosen Vater noch nie gesehen hat und zunächst bei ihrer Mutter, einer bekannten Mathematikerin, lebte. Nach deren Suizid wächst sie nun bei deren Bruder, gespielt von Chris Evans, in einfachen Verhältnissen auf. Nach der Einschulung bleibt auch der Grundschullehrerin die hohe Intelligenz ihrer neuen Schülerin nicht verborgen, weshalb sie auf eine Schule für Hochbegabte gehen soll. Der Onkel lehnt das ab, weil er seiner kleinen Nichte das akademische Hamsterrad ersparen will, dass seine Schwester einst in den Selbstmord trieb. Das ruft jedoch die Großmutter, gespielt von Lindsay Duncan, auf den Plan, die ihre Enkelin gern ihrer Begabung entsprechend gefördert sehen möchte. Sie bricht daher einen Sorgerechtsstreit vom Zaun.
Mit „(500) Days of Summer“ war Marc Webb ein vergleichsweise unkonventioneller Liebesfilm, eine auch inszenatorisch innovative Mischung aus Drama und Komödie gelungen, bevor er ins Blockbuster-Fach wechselte und „The Amazing Spider-Man“ verfilmte. Mit „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ hat er nun ein Feel-Good-Movie gedreht, das, obwohl unabhängig produziert, ein Gegenentwurf zu seinem Debütfilm sein könnte. Sein neuestes Werk ist konventionell und vorhersehbar – aber doch überzeugend.
Im Kern geht es um die Frage, ob die Hochbegabte in einer spezialisierten Schule unter ihresgleichen bei entsprechender Förderung besser aufgehoben ist, als in einem normalen Umfeld, einer durchschnittlichen Schule, in der sie einfach Kind sein kann. Ein interessanter Konflikt, über den sich trefflich streiten ließe, würde sich Webb nicht allzu plakativ damit auseinandersetzen. Das wird vor allem beim Sorgerechtsverfahren deutlich, in dem der sympathische Strahlemann Chris Evans für die normale Grundschule und eine elitäre, gefühlskalte Lindsay Duncan für die Eliteeinrichtung argumentiert, weil sie ihre gescheiterten Ambitionen als Mathematikerin erst durch ihre Tochter und nun durch ihre Enkelin doch noch verwirklichen will. Überhaupt ist der Film genauso manipulativ, wie er vorhersehbar ist. Doch die Rechnung geht, trotz Verwendung von Schema F, weitgehend auf.
Das ist zu großen Teilen der im realen Leben elfjährigen Mckenna Grace geschuldet, die mit ihrer liebenswerten Art nicht nur das Herz wärmt, sondern auch ganz groß aufspielt und wirklich witzig sein kann. Überhaupt wurde in den tragenden Rollen viel Wert auf Sympathie gelegt, eine der großen Stärken auch von Octavia Spence, die in einer Nebenrolle zu sehen ist. Und auch Chris Evans, als „Captain America“ meist eher humorlos, überzeugt als Onkel und Erziehungsberechtigter der Kleinen und das auch in den emotionaleren Szenen. Außerdem zeigt Webb, dass eine durchschaubare Story durchaus packen kann, wenn sie richtig erzählt ist. Webb wählt die perfekte Balance zwischen Komik und Tragik, sorgt für Kurzweil ohne albern zu werden und erzählt emotional packend, ohne allzu sehr in Kitsch zu versinken. Zudem leistet er auch bei der musikalischen Untermalung gute Arbeit und bebildert den in satten Farben gehaltenen Film gelungen.
Fazit:
„Begabt“ ist konventionell und manipulativ, aber auch sehr kurzweilig und packend, weil er sich inszenatorisch und darstellerisch auf höchstem Niveau bewegt. Insbesondere die elfjährige Mckenna Grace spielt groß auf und ist, wie der gesamte Film, entwaffnend sympathisch.
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