Review
von Leimbacher-Mario
Mehr als nur ein kluges Köpfchen
„Gifted“ klingt auf dem Papier im schlimmsten Fall wie eine generische Mischung aus Oscarbait, Tränendrücker und TV-Film. Ein hochbegabtes Mädchen und ihr erziehungsberechtigter, intellektuell recht durchschnittlicher Onkel kämpfen sich durch die Welt, die sie unterfordernde Schule, die gierige Familie, das schwere Erbe ihrer suiziden Mutter. „Kramer vs. Kramer“ trifft auf „Rain Man“. Doch auf der Leinwand entwickelt sich das süße, authentische und tragische Drama (positiv) in viel mehr, sodass alle Zweifel, Vorurteile und Klischees in den Köpfen der Zuschauern rasend schnell wegradiert werden.
Nachdem mich Mckenna Grace dieses Jahr in „Ghostbusters: Afterlife“ dermaßen begeistern konnte, ließ ich auch „Gifted“ nicht viel länger auf meiner Watchlist zappeln. Und auch in diesem Film ist sie einfach ein Wunder. Man sollte mit dem Hochjubeln von Jungdarstellern vorsichtig sein. Aber hier kann ich einfach nicht anders. Jetzt schon für mich (mit Helena Zengel) die absolute Hoffnung für die Zukunft. Zudem zeigt „Gifted“, dass Chris Evans auch außerhalb des Superheldenblockbusterkinos viel zu leisten im Stande ist. Die beiden haben eine exzellente Chemie. Die einäugige Katze ist Zucker. Es gibt eine atemberaubende Szene vor der untergehenden Sonne. Die Großmutter ist absolut verabscheuungswürdig und macht jeder Disneybösewichtin Konkurrenz (wird vom Film aber erstaunlich heruntergespielt und menschlich gemacht). All das ist bodenständig und zugleich ergreifend.
Fazit: „Gifted“ ist Wohlfühlkino, das jeden Sonntagnachmittag aufhellt. Und ist mit einer famosen und supersüssen Kinderdarstellerin gesegnet. Herz + Verstand.