Ich habe an Fulci immer bewundert, dass er an so vielen unterschiedlichen internationalen Schauplätzen im Laufe seiner Karriere gedreht hat. Sind es später die Südstaaten der USA in FROM BEYOND oder auch New York, kommt man in LIZARD IN A WOMEN'S SKIN (1971) nach London. Aber nicht das London der Swinging Sixties, welches man aus Antonionis BLOW-UP erkennt, sondern das der Hippie-Ära. Fulcis Weltsicht wurde nach dem Tod seiner Frau immer düsterer, und so werden auch die jugendlichen Protagonisten der Gegenbewegung nicht sonderlich positiv gezeichnet. Aber auch die Bourgeoisie wird steif und voller unterdrückter Obsessionen im Split-Screen gezeigt, seit Stevensons gesellschaftskritischem Roman DR. JEKYLL UND MR. HYDE scheint sich nicht viel geändert zu haben. Umringt werden die Protagonisten von Symbolen der Macht und so wird Architektur in diesem Film interessant in Szene gesetzt. Albert Hall und Woburn Abbey House, etwa. Der Alexandra Palace etwa liefert die Kulisse für eine unheimliche Verfolgungsjagd, die mich mit ihrer überdimensionaler Orgel sogar etwas an CARNIVAL OF SOULS (1962) erinnert hat. Kein Wunder, dass Carol ihren abgründigen filmischen Verlauf nimmt. Und wie visuell beeindruckend er in Szene gesetzt wird: das Spiel mit der Erinnerung, starre Blicke, flauschige Kissen, Körperhorror, Tierhorror, Katakomben, Dächer, Suspense! Typisch für einen Giallo sind auch hier die Damen edel gekleidet und wir betreten ein Milieu, das dem Durchschnittsbriten damals sicher fremd war, das macht schaulustig. Erstaunlich, wie der Film neben seiner vorzüglichen Bildgestaltung und der Musik Morricones eine wirklich spannende Geschichte inmitten seiner wilden Experimentalfilmästhetik erzählt. Bis zum Schluss fiebert der Zuschauer mit und wird mit vielen falschen Fährten verführt. Das Schlussbild zeigt einen Friedhof, um dann zu Touristen auf der Themse zu schwenken. Well done! 7/10