Review

Die Häutung der schönen Frau Traum


Lucio Fulci steht hierzulande deutlich eher für Splatter und Verbotenes als Giallos und Distinguiertes. Mit „A Lizard in a Womans Skin“ zeigte er aber spätestens in den frühen 70ern, dass er immenses Talent, Stil und Gefühl als Regisseur aufbringen konnte, nicht „nur“ wie später mit dem blutigen Holzhammer arbeiten muss. Dieser unfassbar hübsche, elliptische und psychedelische Giallo spielt im (mehrdeutig) swingenden London, wo eine Frau vom Mord an ihrer promiskuitiven und attraktiven Mitbewohnerin des Gebäudes träumt - und sie natürlich schnell in den Dunstkreis der Verdächtigen gerät, weil die spitzen Mordwerkzeuge aus ihrer Wohnung stammen und eine gewisse Eifersucht und bizarre Anziehungskraft zu ihrer sexuell auftrumpfenden Nachbarin nicht abgestritten werden können…

Wer noch Fragen hat, warum es der gute Lucio Fulci aber mal ganz locker in meine Top 10 aller Regisseure schafft, vielleicht sogar Top 5, der sollte sich einfach mal „A Lizard In a Woman's Skin“ angucken. Oder „Beatrice Cenci“. Oder „The Psychic“. Oder „Syndikat des Grauens“. Die Liste liesse sich locker und weit ausbauen. Wirklich einer der unterschätztesten und bis vor wenigen Jahren noch verkanntesten Regiemeister aller Zeiten. Aber hier und heute reden wir ja erstmal über diesen tierisch-verzwickten Giallo im psychedelisch-erotischen Mantel. Oder ohne diesen, wenn man so will. Wenig Speck, saftige Füllung. „A Lizard In a Woman's Skin“ ist ein enorm eleganter und stylischer Krimi italienischer Mach-, Gang- und Mundart. Da kann er noch so viel er will in der englischen Hauptstadt spielen. Das Ding atmet Mode, Verführung und den Stiefel. Einen Stiefel aus Lack, Leder und rasierten Frauenbeinen. Ennio macht den Score - göttlich! Die zeigefreudigen Damen - umwerfend! Die Traumsequenzen - hypnotisch! Die Wendungen - packend! Die Handlung - verknotet! Die Parties - rauschhaft! Lucio Fulci - nicht weit weg von seinem kreativen Zenit! Ein Giallo aus der ersten Liga seiner Spezies, den man unbedingt einlegen sollte um Zugang und Verständnis zu dieser Schublade zu finden. Klasse konsumierbar und versiert verspielt. Leicht in Sachen voranschreitendem Handlungsgerüst - schwer in Sachen einlullender Schönheit! 

Fazit: sinnlich, sündig, schön - dieser frühe Fulci beweist einmal mehr, das dieser Mann mit den ganz großen des (Giallo-)Fachs mithalten konnte. Später „gore'te“ er gefühlt etwas sein Talent, Budget und Esprit weg. Doch dieser sexy Psychedelic Thriller in London kann genug, um nachhaltig zu beeindrucken! 

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