Review

Großes, beeindruckendes Kino.
"Das Leben des David Gale" ist ein Film, der sich nicht durch mächtigen Score oder theatralische Szenen aufdrängt, doch ungemein prägt und im Gedächtnis bleibt.
Seine dramatischen Szenen stellt der Film würdig in den Vordergrund.

Leise kommt der Film daher, wirft den Zuschauer am Anfang mitten in die Handlung.
Man sieht in einer gewaltigen Einstellung die Reporterin Bitsy Bloom eine verlassene Landstrasse entlangrennen. Man kann erahnen, was sie antreibt und ist gespannt auf das, was da kommen mag.
Der Zuschauer wird detailliert in das Leben des David Gale eingeführt. Vergangenheit und Präsenshandlung wechseln sich ab, und erlauben es, dass die Leute sehen, welche Szenen welche Folgen hatten, sondern auch, dass der Film seine unglaublichen Wendungen noch beeindruckender präsentieren darf, und zusätzlich diese bis zum Schluß für die Zuschauer undurchsichtig zu machen.

Story:
David Gale ist ein erfolgreicher Philosophieprofessor und Mitglied einer Vereinigung namens "Deathwatch", die die Abschaffung der Todesstrafe fordert. Auch dort kann er einige Erfolge feiern, tritt in Fernsehsendungen auf, um sein Ziel zu erreichen.
Außerdem hat er eine glückliche Familie, mit der er in einem prächtigen Haus lebt.
Doch auf einer Studentenparty nimmt das Unglück seinen Lauf. Betrunken läßt er sich auf einen One Night Stand mit der Studentin Berlin ein, die ihm offensichtlich schaden will, da sie bei Gale nicht besonders gute Noten vorweisen kann. Im Vollrausch läßt Gale sich zu härteren Umgangsformen hinreißen, die Berlin später als Beweise einer Vergewaltigung benutzt.
Die darauffolgende Strafe für Gale fällt nicht besonders schwer aus, doch der Ruf eines Vergewaltigers haftet an ihm. Seine Frau läßt sich scheiden, verläßt das Land inklusive des gemeinsames Sohnes.
Außerdem verkauft sie das Haus, Gale muß fortan ihn einer billigen Absteige wohnen.
Frustriert sitzt er mit seiner Kollegin aus der "Deathwatch"-Gruppe (Laura Linney) zusammen und bemitleidet sichs selbst.
Gale, der ein Alkoholproblem hat und seine Freundin, die überraschenderweise Leukämie hat, lassen sich zum Sex hinreißen....

Bald findet man diese Frau tot auf, mit einer Plastiktüte auf dem Kopf und die Hände mit Handschellen zusammengekettet, der passende Schlüssel ist in ihrem Magen.
Gale wird des Mordes und aufgrund der Spermaspuren wegen Vergewaltigung angezeigt.
Die Reporterin Bloom wird dazu beauftragt, die Unschuld Gales zu beweisen. Gale sitzt im Todestrakt und wird bald hingerichtet.
Aber ist er wirklich unschuldig? Und was hat Dusty, der Bitsy folgt, damit zu tun?
Eine Jagd gegen die Zeit beginnt......

Der Film ist ohne Frage genial.
Die überraschenden Wendungen und das gewaltige Ende lassen die ganzen 2 Stunden, die der Zuschauer bis dahin gesehen hat, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Handlungen der Hauptpersonen bekommen plötzlich ein ganz anderes Motiv, die angebliche Geschichte über einen Unschuldigen, der des Mordes verschont werden soll, wird zu einer Charakterstudie verzweifelter Menschen, die zwischen Idealen und eigenem Unglück hin- und hergerissen sind. Der Vordergund der Kritik an der Todesstrafe stellt sich plötzlich in den Hintergrund .
Die Wirkung und Handlungen der Nebenrollen wie der des Anwalts von David Gale und seine verdächtige Ruhe erscheinen erstdurch den Schluß schlüssig.
Man sollte den Film zweimal sehen, damit man die Genialität der Darsteller und des Plots genau erkennen kann.
Ich will nichts verraten, da die Aufflösung den ganzen Spaß an diesem großartigen Werk verderben würde.

Die Darsteller sind wirklich genial.
Trotz der oscarwürdigen Leistung von Kevin Spacey ist der Film keine One Man Show, sondern eine Gesamtleistung aller.
Laura Linney überzeugt als leukämiekranke Verfechterin der Gerechtigkeit und zeigt, dass sie einer der Darstellerinen aus Hollywood ist, die unberechtigt unterschätzt sind. Sie ist eindeutig einer der besten Schauspielerinnen.
Auch Kate Winslets Leistung ist gut, doch nicht unbedingt bemerkenswert. Sie überzeugt, mehr nicht.
Obwohl ihre Figur große Momente hat.

Kevin Spacey ist eindeutig ein Schauspielgenie und zeigt in "Das Leben des David Gale" sein einzigartiges dramatisches Talent.
Er IST David Gale, identifiziert sich mit ihm, so dass sich die Grenze zwischen Leben und Rolle verwischt.
Seine Figur ist zwiegespalten:
Anscheinend unschuldig wirkt er aber durch das Leid, dass er erlitten hat, zu allem fähig.
Seine Mimik ist ruhig, ein Blick stellt das erfahrende Unglück eines verpfuschten Lebens dar.
Er trägt eindeutig den Film.

"Das Leben des David Gale" ist eine beeindruckende Geschichte über Ideale, Unglück und Liebe.
Eine beeindruckende Charakterstudie, ein genialer Thriller gemixt mit vorherrschender Dramatik.
Ein Film, der nicht so schnell vergessen wird.

10/10 Punkten.

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