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Popstar Phil Collins ist ja nun nicht gerade bekannt für seine große Kinokarriere. Zwar lieferte er zu zahlreichen Filmen die Musik – sein größter Erfolg stellt dabei der Gewinn des Oscars für den „Tarzan“-Titelsong dar – als Schauspieler führte er jedoch bisher ein Schattendasein. Oft lieh er Zeichentrick- und Animationsfiguren ihre Stimme (z.B. in „Die Bärenbrüder“), größere Rollen, in denen er aber auch leibhaftig in Erscheinung trat, blieben ihm allerdings weitgehend verwährt. Eine der wenigen Ausnahmen ist „Buster – Ein Gauner mit Herz“: Hier spielte Phil Collins die Hauptrolle und steuerte einen großen Teil des Soundtracks bei.

Der Film handelt vom größten Raubüberfall in der Geschichte Englands: 1963 überfallen eine Handvoll Gangster unter Führung von Buster Edwards (Collins) einen britischen Postzug und erbeuten über eine Million Pfund. Nachdem durch eine landesweite Suchaktion schon ein Großteil der Beteiligten gefasst werden konnte, setzt sich Edwards mit seiner Frau June (Julie Walters, „Billy Elliott – I will dance“) und Tochter Nicky nach Acapulco in Mexiko ab. Doch June vermisst England und fliegt alsbald zurück. Buster steht vor einer schweren Entscheidung…

Was als Gangsterkomödie funktionieren soll, verliert sich mit zunehmender Filmlänge in melodramatischen Banalitäten. Ohnehin kann man sich fragen, welchem Genre „Buster“ überhaupt zuzuordnen ist: Zu unwitzig für eine Komödie, zu arm an Spannung für einen Krimi, zu trivial für ein Beziehungsdrama wirkt der Film allzu verwässert und behäbig. Das eigentliche Thema – der Raub – nimmt ganze 10 Filmminuten in Anspruch. Die übrige Laufzeit dieser ereignisarm dahinplätschernden, teils langatmigen Räuberpistole steigt und fällt mit dem bemüht wirkenden, knurrigen Phil Collins, welcher sich zwar in seiner zweiten Filmrolle als verkniffener Gauner recht wacker schlägt, aber nie echte schauspielerische Akzente setzen kann. Dramaturgische Schwächen sind leider offensichtlich. Dabei wird der mediokre Gesamteindruck dieses leidlich unterhaltsamen Schmunzelstücks einzig durch die stimmige, realistische Milieuzeichnung des Großbrittaniens der 1960er Jahre sowie den letzen 5 Minuten etwas kaschiert. Dann darf man auch einmal „Two Hearts (One Love)“ und „Groovy Kind of Love“ von Phil Collins hören, wobei sich letzterer Song optimal in die dazugehörige Szene integriert und bei jedem Zuschauer für aufgestelltes Nackenhaar sorgen dürfte.

Fazit: „Buster“ ist ein leidlich unterhaltsames Gaunerstück, welches leider große dramaturgische Lücken offenbart. Phil Collins ist zwar stets bemüht, stößt jedoch in seiner Rolle als grimassierender Gangster zuweilen an seine schauspielerischen Grenzen. Da jedoch das übrige Ensemble um Julie Walters seine Sache gut macht und die größtenteils von Phil Collins beigesteuerte Filmmusik mitreißt, ist „Buster“ gerade noch über dem Durchschnitt anzusiedeln. Knappe 6 von 10 Punkten.

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