1930: Korea unter japanischer Herrschaft. Die reiche Erbin Lady Hideko wohnt mit ihrem kontrollierenden Onkel auf einem Prunkwohnsitz. Die jugendliche Trickbetrügerin Sookee schleicht sich auf das Anwesen als Dienstmädchen ein. Sie soll einen Hochstapler, der sich als Graf ausgibt, dabei unterstützen, sich an die wohlhabende Dame ranzumachen und sie auszunehmen. Doch zwischen Sookee und Hideko keimt eine sinnliche, aber verbotene Liebesaffäre auf…
Vom südkoreanischen Regisseur Park Chan-wook (OLDBOY, STOKER, I’M A CYBORG BUT THAT’S OK) kann man eigentlich nur erlesenste Filmkunst erwarten. Das dachten sich wohl auch die insgesamt 176 Länder, die sich die Vertriebsrechte sicherten, was ein Rekord für den koreanischen Film darstellt. THE HANDMAIDEN ist ein in drei Kapitel unterteiltes Liebesepos. Eine Mischung aus feinfühligem Lesbendrama und doppelbödigem Thriller. BLAU IST EINE WARME FARBE meets OLDBOY, wenn man so will. Ein diebisches Hausmädchen. Eine Adelige mit Todessehnsucht. Ein ungleiches und genau deswegen stimmiges Paar, welches von den beiden Darstellerinnen perfekt verkörpert wird. Die verbotene Liaison bezaubert, fesselt, ist mit einer Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden aber auch sehr anstrengend. Die einprägsamsten Szenen des Films sind die Sexszenen zwischen den beiden Protagonistinnen. Für koreanische Verhältnisse unglaublich mutig und explizit. Scherentechnik und 69 inklusive. Wirklich stark ist THE HANDMAIDEN aber in seinen sinnlichen Momenten. Zum Beispiel, wenn Seekoo ihrer Herrin den Finger in den Mund steckt, um einen verletzten Zahn zu prüfen. Oft reicht auch nur eine leichte Berührung oder ein feines Streicheln. Regisseur Park Chan-wook ist der Meister solcher sinnlicher Andeutungen.
Gleichzeitig aber auch der Mann für’s Grobe. Für explizite Sex- und Gewaltdarstellungen. Und so zeichnet sich die zweite Filmhälfte vermehrt durch Härte aus. Am Ende des ersten Kapitels erfolgte eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Thriller-Elemente und Intrigen halten Einzug. Twists und unerwartete Falltüren zwingen zur Neukonzeptionierung. So weit so gut.
In genau den Momenten, in denen der Film über die Stränge schlägt, wirkt er aber aufgesetzt und affektiert. Hideko muss einer gehobenen Gesellschaft schweinische Schriften („Schlehenblüten in goldener Vase“ [„Djin Ping Meh“, 16.Jhdt.]) vorlesen. Ein alter Knacker mit Folterkeller. Züchtigungen, Peitschenhiebe und ein Hintern voller Striemen. THE HANDMAIDEN ist einerseits bahnbrechend emotional, zart und knisternd erotisch, andererseits übertrieben brutal. Ultimative Zärtlichkeit stößt auf SM und Folter. Die Kombination kann funktionieren, wie beispielsweise OLDBOY zeigte. Hier wirkt sie mitunter unnatürlich und erzwungen.
THE HANDMAIDEN basiert auf dem Roman „Solange du lügst“ („The Fingersmith“, 2002) von Sarah Waters. Im Gegensatz zur Buchvorlage wird dem Film ein positiveres Ende gegönnt.
Fazit:
Zärtliches Liebesdrama mit SM-Anleihen. Sehr langatmig und mit vereinzelten Mängeln, insgesamt aber schon sehr meisterlich.