Review

Bereits mit der legendär-liebenswürdigen Film-Noir-Parodie „Tote tragen keine Karos“ haben Carl Reiner und Steve Martin ihre komödiantische Klasse eindrucksvoll aufblitzen lassen. Daß diese erfolgreiche Zusammenarbeit keine Eintagsfliege, kein Zufallsprodukt war, konnten sie mit dieser wahnwitzigen Frankenstein-Persiflage (oder als was man „Der Mann mit zwei Gehirnen“ sonst bezeichnen will) unter Beweis stellen, deren Handlung so absurd ist, daß es nicht schwer fällt, den Spaß regelrecht fühlen zu können, den Reiner und Martin an der Ausarbeitung ihres Skriptes gehabt haben müssen. Einen knappen Inhalt gefällig? Gern.

Die Story dreht sich um den weltberühmten Gehirnchirurgen und Witwer Dr. Hfuhururr (oder so, jedenfalls Steve Martin), der die attraktive Dolores (Kathleen Turner, „Heißblütig - Kaltblütig“) über den Haufen fährt und sich auf der Stelle in sie verliebt. So wird sie nicht nur seine Patientin, an der er notgedrungen seine effektive Schädelschraubmethode (!) anwenden muß, sondern auch seine Frau. Was er nicht weiß: Dolores ist in Wirklichkeit bloß auf sein beträchtliches Vermögen scharf und betrügt ihn sofort mit dem muskelbepackten Gärtner, während ihr Gatte einfach nicht zum Stich bei ihr kommt. Bei den gemeinsamen Flitterwochen in Wien beginnt die Ehe erstmals ernsthaft zu kriseln, aber zum Glück lernt Hfuhururr (oder so) in dem Labor eines Kollegen, Dr. Nötigenfalls, eine gewisse Anne Oumallmahaye (oder so) kennen, die ihm Momente des Glücks beschert. Die einzige Hürde: Anne ist ein sprechendes Gehirn im Einmachglas und benötigt dringend einen neuen Frauenkörper...

Ja, das ist tatsächlich die Handlung. Hätte eigentlich einen Oscar für besonders HIRNrissigen (haha) Einfallsreichtum verdient, oder? Finde ich auch. Aber auch das einfallsreichste Drehbuch verspricht nicht automatisch höchsten Lachfaktor. Es kommt darauf an, wie man die ganzen tollen Ideen in den Plot einzementiert. Heutzutage kommt es leider nur allzu häufig vor, daß Komödien (gerade die Holzhammer-Parodien à la „Scary Movie“, womit im Speziellen du angesprochen bist, Teil 2!) gern zu bloßen Nummernrevuen verkommen, d.h. man knallt möglichst viele Gags in eine Szene und vergißt dabei den wichtigen roten Faden, der die Handlung wenigstens halbwegs miteinander verbinden soll. Das mag zwar für den einen oder anderen anspruchsloseren Zuschauer noch so lustig sein - Grundvoraussetzung sollte auch für jede noch so klamaukige Klamotte eine zusammenhängende Story sein, das erwarte ich einfach.

Doch was rede ich um den heißen Brei herum? „Der Mann mit zwei Gehirnen“ ist nicht eine solche Nummernrevue, im Gegenteil: Die Einfälle sind mustergültig integriert worden. Kein Gag, der nicht ins Skript paßt, keine Szene, die fehl am Platze wirkt, nein - der rote Faden, auch wenn er nicht sonderlich dick geraten ist, ist jederzeit klar ersichtlich und wird an keiner Stelle außer acht gelassen, was als klarer Pluspunkt zu vermerken wäre. Eine beachtliche Leistung, wenn man sich daran erinnert, wie viel Blödsinn Reiner und Martin (George Gipe, der dritte Autor, nicht zu vergessen) für diesen Film ersonnen haben.

Besonders fulminant gestaltet sich die erste Hälfte: Schon in den ersten zehn Minuten kann man öfter lauthals auflachen als in einer kompletten hollywoodschen Durchschnittskomödie des 21. Jahrhunderts. Welcher Irrsinn auf uns wartet, läßt sich in diesen Sekunden deutlich erahnen. Hintergründiger Humor? Nix da! Dafür eine volle Breitseite köstlicher Albernheiten, wenn Steve Martin als Onkel Doktor eine Operation vornimmt, eine Assistenzärztin bittet, ihm Schweiß auf die Lippen zu tupfen und nebenbei von einer Katze gestört wird, wenn er Dolores anfährt und sie sprichwörtlich in hohem Bogen (so fünf Meter) durch die Luft wirbelt oder wenn zwei Assistenzärzte dem bewußtlosen Unfallopfer mit einer Rasierklinge ein Valentinstagsgeschenk der ungewöhnlichen Art bescheren (ich sage nicht, an welcher Körperstelle) - da bleibt kein Auge trocken.

Und es wird sich auch so schnell nichts daran ändern: Auch wenn dem Film das Etikett „Horrorkomödie“ (die Betonung liegt auf dem „Horror“) anlastet, so ist hier nichts, aber auch gar nichts zum Gruseln, geschweige denn zum Zittern oder Mitfiebern. Klar, wir wissen früh, daß Dolores ihren vorigen Liebhaber auf dem Gewissen hat und wohl auch gegenüber Martin nicht vor Mord zurückschrecken würde, wenn’s drauf ankäme, auch treibt sich in Wien in einem kleinen Nebenplot ein Fahrstuhlmörder (na, wer mag das wohl sein? Wetten, daß es niemand errät?) rum, aber diese thriller- bzw. horrorartigen Elemente ordnen sich völlig der haarsträubenden Komik unter. Selbst wenn zum Schluß eine knackige Portion Action aufläuft, kann von Spannung nicht die Rede sein. Die zahlreich im Bild auftauchenden Gehirne sind ebenso nichts, wovor sich selbst Zartgesottene ekeln müßten. Die frühere FSK-16-Freigabe läßt sich daher nur noch schwerlich nachvollziehen.

Bei den vielen großen oder auch kleinen Lachern in diesem Schwachsinns-Sammelsurium (in diesem besonderen Fall soll das Wörtchen „Schwachsinn“ bitte schön als Kompliment verstanden werden) stechen zwei Szenen eindeutig heraus, die auf einer Skala von 1 bis 10 eine fette 12 verdient hätten: zum einen die äußerst unübliche Fassadenkletterei (ich wußte vorher gar nicht, was ich mit meinem Speichel alles anstellen kann), als Dolores vortäuscht, Selbstmord begehen zu wollen, zum anderen der wohl komplizierteste und schwerste Alkoholtest aller Zeiten, bei dem wohl rund 98% aller Autofahrer kläglich versagen würden (Martin gehört nicht dazu - Respekt). Ohne Wenn und Aber: Hierbei handelt es sich um ganz große Augenblicke im Sektor des Komödienfilms. Wer dabei nicht wenigstens ein debiles Grinsen auflegt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Bedauerlich, daß die immens hohe Anzahl der Gags nicht bis zum Schluß durchgehalten werden kann. In der zweiten Halbzeit krankt es zunehmend an weiteren verrückten oder überdrehten Ideen (die oben genannte Polizeikontrolle ist der einzige echte Brüller), sobald Martin sich hektisch auf die Suche nach einem geeigneten Frauenkörper für seine neue Freundin begibt und dafür fast zum Mörder wird. Das läßt sich alles immer noch sehr gut ansehen und auch Längen lassen sich weit und breit nicht blicken, doch ein Verschleiß ist nicht zu verleugnen. Das schmälert das überaus positive Gesamtergebnis und bringt es um eine bessere Punktzahl. Unter ähnlichen Problemen hat übrigens auch das nächste Reiner/Martin-Projekt „Solo für 2“ zu leiden. Allerdings möchte ich den Autoren keinen Strick draus drehen, in die geschmacklosen Fäkal-Abgründe einer modernen Teenie-Komödie stürzt der Film zu keinem Zeitpunkt.

Potenziert wird das Vergnügen durch die ungemeine Spielfreude der Hauptdarsteller: Steve Martin ist für mich sowieso einer der begnadetesten Komiker (und ich bedaure es zutiefst, daß seine große Zeit längst vorbei zu sein scheint und er sich in seichten Familienkomödien die Ehre geben muß), hier befindet er sich - nicht verwunderlich - in absoluter Topform. Manchmal ist es eben doch von Vorteil, wenn Hauptdarsteller zugleich auch ihre eigenen Texte schreiben. Wenn er auf eine Frage „Was sind das für Ärsche vor der Eingangstür?“ mit einem prustenden „Das sind keine Ärsche, das sind Azaleen.“ antwortet oder er ein wütendes „Du hast ihre Neun zerkocht.“ schnaubt, könnte ich mich jedes Mal beölen. (Kenner des Films können das womöglich nachvollziehen; für alle anderen liest sich das weniger komisch, vermute ich.) Kathleen Turner steht ihrem Partner in nichts nach und agiert mit sichtlichem Spaß als geldgieriges Biest. Amüsante Rollen liegen ihr einfach besonders gut. Man sehe nach beim „Rosenkrieg“. Außerdem ist Routinier David Warner, bis dato mit Komödien wenig bis gar nicht vertraut, als Wissenschaftler Dr. Nötigenfalls mit von der Partie, dem man leider keine sonderlich einprägsamen Momente zugestanden hat. Einzig die komische Ausstattung seiner Wohnung ist erwähnungswürdig.

Comedy-Fans, die sich schon über den ZAZ-Klamauk in „Airplane“ („Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“) oder in „Die nackte Kanone“ pausenlos wegschmeißen konnten, sind hier genau richtig. Das Ganze ist ein knapp 90-minütiger Angriff auf die Lachmuskeln, ohne Wenn und Aber. Für Nonsens-Fans deshalb uneingeschränkt Pflichtprogramm. Bin bei der nächsten Ausstrahlung gern wieder dabei. 8/10.

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