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Wie einst in Lems Buch und auch in Tarkowskys Erstverfilmung handelt es sich auch hierbei um die Geschichte von Seelendoktor Chris Calvin, der von mysteriösen Zwischenfällen auf einer Raumstation erfahren muss, die sich mit der Erforschung des Planeten Solaris befasst. Auf dieser befindet sich auch sein alter Freund Gibarian, der Chris bittet, auf die Raumstation zu kommen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Dort angekommen, muss er feststellen, dass Gibarian tot ist und sich die restlichen Überlebenden äußerst merkwürdig verhalten. Nach kurzer Zeit wird Chris selbst Opfer von mysteriösen Geschehnissen.
Die Story lässt auf einen actionbepackten Sci Fi-Movie à la Alien hoffen, doch weit gefehlt. Alles nur Show, denn hinter "Solaris" verbirgt sich eine dramatische Geschichte um die Liebesbeziehung zwischen Chris und seiner Frau Rheya. Hier vermischen sich Szenen auf der Weltraumstation mit Rückblenden auf Chris und Rheyas gemeinsames Leben auf der Erde. Beide Seiten stehen konkret miteinander in Verbindung und kombinieren sich gekonnt zu einem durchaus intelligenten Film.
Regisseur Steven Soderbergh ließ sich dabei weder von Filmvorlage noch von Buch zu sehr einengen und schafft somit ein eigenständiges Werk, das nicht immer zwanghaft versucht, alles Geschehene immer gleich aufzuklären. Primärer Aspekt seiner Version der Geschichte ist das Experimentelle und das Künstlerische. Und das ist auch merklich geglückt. Die Sets der Raumstation sind hervorragend gelungen, aber auch die Szenen auf der Erde erzielen genau den gewollten Effekt. Soderbergh erschafft eine klaustrophobische, melancholische, rätselhafte und düstere Atmosphäre, sei es durch diverse Lichtspiele, durch Wetterphänomene oder einfach nur durch atemberaubende Kameraeinstellungen und -perspektiven. Einige Sequenzen sind auch mit Handkameras gedreht worden, und verstärken den Effekt. Die Atmosphäre im Allgemeinen ist ruhig, geheimnisvoll und angespannt. Hier scheinen sich wohl auch die Geister der Kinobesucher zu scheiden. Während meiste Filmkenner dem Treiben staunend zusehen, erscheint der Film für den Gelegenheitsschauer dann doch etwas langweilig. Denn Soderbergh lässt auch einmal Momente verstreichen, in denen nichts passiert...kein Geräusch, keine Musik, einfach nur das Leere. Es mag durchaus sein, dass sich der Film langsam entwickelt, aber genau das macht ihn meiner Meinung nach so beeindruckend. Hier wird nichts hastig überstürzt und extra effektvoll mainstreamig inszeniert. Soderbergh holt sich genau die für ihn relevanten Aspekte aus den gegebenen Vorlagen und verarbeitet sie beeindruckend. Dezent und gekonnt, und nicht überladen und lieblos hingekleistert. Er lässt zwar Teile des Originals unter den Tisch fallen und bemüht sich nicht wirklich um Erklärungen, aber das macht das Geheimnisvolle des Films aus. Man sollte damit leben können, dass man den Film am Schluss nicht vollkommen verstanden hat, sonst wird man sich schon etwas ärgern.
Die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Chris und Rheya ist gekonnt inszeniert, dennoch muss man fairerweise sagen, dass einige Dialoge zu platt ausgefallen sind. Teilweise sind sie leider viel zu inhaltslos oder etwas ungeschickt eingefädelt. Wohl ein weiterer Grund, warum einige Zuschauer dem Film eher abgeneigt sind. Peinlich wird's dennoch nicht, was vor allem an den Darstellern liegt, die ihre Rollen routiniert und einfach tadellos spielen. Hauptdarsteller George Clooney und Natascha McElhone glänzen - eine bessere Besetzung ist kaum vorstellbar. Auch die Nebenrollen sind gekonnt besetzt.
Weiterhin ist der Soundtrack einfach nur wunderschön atmosphärisch und geheimnisvoll und passt genau ins Bild. Verdanken dürfen wir dieses elektronische Wunderwerk Cliff Martinez. Ein Griff zur Soundtrack-CD alleine lohnt sich deshalb schon.
Etwas Kritik in allen Ehren, aber wer Soderberghs Werk in den Dreck zieht oder es einfach nur abwinkend als einschläfernd bezeichnet, macht es sich zu einfach. Auch wenn der Mann uns die eine oder andere Erklärung schuldig bleibt, handelt es sich bei diesem Remake um einen ziemlich künstlerisch beeindruckenden Film. Dass die heutige abgestumpfte Matrix-Sci Fi-Fangemeinde nicht gern ihren Hirnkasten anstrengt oder nicht 10 Minuten ohne Kugelhagel auskommt, ist nicht die Schuld dieses Mannes. Ein durchaus überzeugender Film, der vorallem von der technischen und künstlerischen Seite her beeindrucken kann. Zwar schafft es Soderbergh nicht, ein einmaliges Meisterwerk zu schaffen, aber bekanntlich ist niemand perfekt. Wer zumindest ein bisschen von Film und Kino versteht, es auch mal schafft sich für 90 Minuten zu konzentrieren und gerne mal wieder Anspruch und künstlerischen Aspekt abseits des abgeflachten Mainstreamkinos in einem Film finden will, sollte sich die Neuverfilmung von "Solaris" unbedingt einmal ansehen.

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