Einen Science-Fiction-Roman wie "Solaris" von Stanislaw Lem zu verfilmen ist an sich schon eine Herausforderung: angesichts der philosophischen Dimension dieses Romans ist es eigentlich unmöglich. Als Neuverfilmung eine doppelte Herausforderung ist es dann, wenn - wie in diesem Fall - das eigentlich Unmögliche schon Jahrzehnte früher tatsächlich gelungen ist: der russische Regisseur Andrej Tarkovskij hat 1972 aus dem Stoff unter dem selben Titel ein unsterbliches Filmkunstwerk geschaffen.
Steven Soderbergh ist dagegen mit diesem Versuch einer Verfilmung kläglichst gescheitert. Um genau zu sein: er hat es wohl gar nicht erst versucht. Weder versuchte er eine mit modernerer Tricktechnik prinzipiell mögliche, mehr bildhafte Interpretation des Themas, noch hat er ernsthaft versucht, mit Tarkovskijs einfacher Bildtechnik, die er im Grunde kopierte, an die Tiefe der Dialoge dieser ersten Verfilmung auch nur annähernd heran zu kommen. Wo Tarkovskijs ruhige, intensive Bildführung über fast die doppelte Filmlänge hinweg nie langweilig wird und auch bei mehrmaligem Betrachten dieses Films immer wieder neue, philosophische Aspekte eröffnet, verbreitet dasselbe Stilmittel in Soderberghs Film einfach nur platte Ödnis und Langeweile. Um so ärgerlicher für den Zuschauer, dass man ohne genaue Kenntnis des höchst anspruchsvollen Romans kaum eine Chance hat, die Handlung dieses banalen Films auch nur skelettartig zu verstehen. Man steht am Ende hilflos vor der Zumutung, sich den Film zwecks Verständnisses noch ein zweites Mal anzuschauen - um dann, wenn man sich das tatsächlich antut, enttäuscht festzustellen, dass es an diesem Film einfach nichts zu verstehen gibt: eine pompös pseudophilosophisch verpackte, endlos langweilige Herz-Schmerz-Schmonzette, weiter nichts. Ein billiger, komplett überflüssiger Abklatsch.
George Clooney als Psychologe Dr. Kelvin war wohl die einzige, größere Investition in diesen ansonsten spürbar billig produzierten Film. Er gibt sich redlich Mühe und rettet damit das Machwerk des Regisseurs wenigstens über die ärgsten Längen und Peinlichkeiten ein bißchen hinweg. Seine Partnerin Natascha McElhone als Rheya (statt Harey im Roman) hat ausser dem Wechsel zwischen indifferentem Dauerlächeln und wehleidigem Geheul und Geschmolle kaum etwas zu bieten. Der Forscherkollege Dr. Snaut (hier Jeremy Davis als "Snow") wirkt permanent wie bekifft und ist schon rein akustisch kaum zu verstehen - was freilich auch egal ist, weil er bei seinen ausgedehnten Monologen eh nur wirres Zeug von sich gibt. Den Physiker Dr. Sartorius muß in dem Film zeitgeistig eine farbige Frau ersetzen: Viola Davis als "Dr. Gordon". Sie spielt brav und entgegen der Hautfarbe farblos; außer dem politisch korrekt bedienten, ideologischen Klischee bleibt beim Zuschauer nichts davon hängen.
Mein Fazit mag vielleicht ein bißchen ungerecht sein: objektiv für sich gesehen ist der Film wenigstens handwerklich nicht ganz schlecht gemacht und eigentlich immer noch besser als andere Filme, denen ich dann doch noch ein oder zwei Punkte mehr gegeben habe. Aber an einen Film mit diesem Titel sollte man schon einen besonderen Anspruch stellen dürfen. Stanislaw Lem persönlich hat ihn - nach Begutachtung noch nicht mal des ganzen Streifens, das wollte er sich dann doch nicht zumuten - schlicht und fundamental als "kompletter Blödsinn" abqualifiziert. Dem ist leider nichts hinzuzufügen.