Amerikanische Student(inn)en mit griechischen Hausnummern treffen in einem Bowlingcenter auf europäische Sagengestalten mit orientalischen Ursprüngen. Bei Regisseur David DeCoteau und Produzent Charles Band ist keine noch so abwegige Kombination undenkbar, solange sie sich nur verkaufen lässt. Gestern noch Alien-Apokalypse („Creepozoids“), heute schon internationale Wünschelrute nach Art von „Der Dieb von Bagdad“… null Problemo, der Koch hat das gesamte Repertoire der Weltküche im Programm. Nur das ABC der Grundzutaten darf auf keinen Fall fehlen: Ass, Boobs & Creatures.
Im umständlichen, aber doch organischen Weltklasse-Wohlfühl-Titel „Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama“, den auch ein Point-n-Click-Adventure-Programmierer erfunden haben könnte, werden all diese Zutaten bereits unmissverständlich angedeutet. Es sei mal dahingestellt, ob jemals ein Kunde in der Videothek gezielt nach einem Film über einen hässlichen Gnom Ausschau gehalten hat, der sich mit seinem deformierten Handpuppenschädel gackernd über begriffsstutzige Studierende lustig macht. Entscheidender für den Gang zur Kasse dürfte wohl die seltene Zusammenkunft der Genre-Kreischröhren Linnea Quigley, Brinke Stevens und Michelle Bauer gewesen sein. Obgleich Erstgenannte ausnahmsweise mal ihre zerrissenen Fetzen am Körper behalten darf, wird mit der nackten Haut der anderen Beiden wahrlich nicht gegeizt. Während der Exposition wähnt man sich sogar in einer Teenie-Erotikkomödie der Marke „Eis am Stiel“, wenn die drei Burschen mit übereinander aufgereihten Köpfen durch den Türspalt glotzen und sabbernd Zeuge werden, wie Stevens und Bauer unter der Dusche die Sahne vom Körper spülen, die ihnen während eines Aufnahmerituals aufgesprüht wurde – bis sich ein weiteres Verbindungsmitglied von hinten nähert und das Trio mit dem Paddel ins Badezimmer prügelt.
Der dabei freigesetzte Humor fällt entsprechend torfig aus, gehört aber dennoch zu den großen Stärken dieser Low-Budget-Horrorkomödie, denn er gerät bei aller Anspruchslosigkeit überaus liebenswert und wird von den Darstellern meist mit präzisem Timing und einer der Chose angemessenen Grundhaltung wiedergegeben. Sowohl bei der Bruder- als auch bei der Schwesternschaft werden die jeweiligen Gender-Stereotype im Grunde nicht mit weniger Schwung aufbereitet als man es von den großen Klassikern des College-Films gewohnt ist. Als dann im zweiten Teil endlich Linnea Quigley als unangepasste Outsiderin eingeführt wird, treibt das die Unterschiede zwischen Sororities und Fraternities sogar noch einmal auf die Spitze und es entsteht ungeachtet der dummbräsigen Zeilen aus dem Dialogbuch eine lebhafte Gruppendynamik, von der vor allem Quigleys schnoddrige Punk-Attitüde profitiert.
Weniger lebhaft sieht es da schon mit der Kulisse aus, denn wie so viele Produktionen aus dem Empire- und Full-Moon-Bestand wurde auch diese überwiegend nachts im Schnelldurchlauf an ein oder zwei angemieteten Schauplätzen abgekurbelt. Die für den typischen College-Film eigentlich so wichtigen (weil den Exzess symbolisierenden) Massenszenen fallen hier aus Budgetgründen weg, stattdessen wuselt eine kleine Gruppe Auserwählter eine Zeit lang gemeinsam durch eine schlecht beleuchtete Bowlinghalle und teilt sich anschließend in Zweiergrüppchen auf, um Blödsinn zu sabbeln, Sex zu haben oder sich gegenseitig zu ermorden. Das schaut dann schon sehr nach Do-It-Yourself-Video im Guerilla-Stil aus.
Selbstgebastelt erscheint letztlich auch der Imp, ein Wünsche erfüllender Kobold, der dank unterstützender Kameraperspektiven letztlich immer nur als quasselndes Kopfstück in Erscheinung tritt, ganz nach dem Motto: Animiere nicht mehr als das, was du unbedingt brauchst. Und weil der Imp eben ein Sprüche klopfender Manipulator ist, lässt sich vom Hals an abwärts alles aussparen. Dafür allerdings ist das Maulstück mit aufwändiger Elektronik versehen, damit das Erwachsenenpublikum nicht das Gefühl bekommt, aus Versehen in der Muppet Show gelandet zu sein. Dem ohnehin schon beachtlichen Repertoire an doofen Figuren setzt Imp-Stimme Michael Sonye (aka Dukey Flyswatter) die Kirsche auf. Zwischen Kasperltheater-Naivität und Serienmörder-Humor pendelnde Sprüche verlassen mit bassigem Timbre seine Kehle und verwirren die Jungs und Mädels, die sich dennoch gebannt um den seltsamen Kauz versammeln. Als es nun ans Verteilen der Wünsche geht, vergibt das Drehbuch jedoch reihenweise Chancen.
Selbst, wenn verständlicherweise die Mittel fehlen, um ausgefallene Wünsche mit exorbitanten Spezialeffekten zu realisieren, so hätte man doch zumindest ein wenig schreiberische Kreativität walten lassen können bei der moralischen Umkehrung des vermeintlichen Segens in ironische Wendungen. Es gibt natürlich immer jemanden in der Gruppe, der sich als erstes einen Haufen Gold wünscht; ihm dieses dann aber zu gewähren, um ihn kurz darauf herausfinden zu lassen, dass es sich um angemaltes Holz handelt, hat nichts Moralisches an sich, sondern ist simple Bauernfängerei, mit der Onkel Impie vor keinem Gericht der Welt durchkäme, wohl auch dann nicht, wenn er darlegen würde, dass sein Gefängnis in Form eines Pokals in Wirklichkeit auch eine Holzattrappe war. Inhaltlich kontroverser wird es, als sich die Wünsche der Studenten auf die eigene Gruppe reflektieren, vor allem, als einem der Jungs ins Ohr geflüstert wird, er wünsche sich doch bestimmt, mit Michelle Bauer in die Kiste zu hüpfen. Was hätte man hier an Konflikten verarbeiten können, dass die Köpfe nur so rollen. Doch selbst hier fällt niemandem am Set etwas besseres ein, als eine über mehrere Szenenwechsel laufende Striptease-Choreografie mit Bauer auf dem Schoß eines von seinem Glück überforderten Hänflings zu inszenieren, die letztlich wie heiße Luft verpufft.
So gelingt es DeCoteau dann auch nie wirklich, die Brücke von der magischen Dschinn-Prämisse Richtung Slash’n’Kill zu schlagen. Wie aus dem Nichts greifen auf einmal zwei Zombie-Furien ins Spiel ein, eine davon ohne jede weitere Erklärung mit dem Haarschopf von Frankensteins Braut*, was immerhin schon mal einen Vorgeschmack auf Charles Bands spätere Classic-Horror-Parodie „The Creeps“ liefert. Wie um die Bewegungsunfähigkeit des Imps zu kompensieren, rennen die blau angemalten Damen fortan zischend durch die Gänge und attackieren die Gruppenmitglieder, einfach nur damit es überhaupt eine Art Bedrohung gibt. Ein Latexkopf als Bowlingkugel und eine angedeutete Zweiteilung sind aber auch schon der ganze Lohn, der bei den Mühen zum Ertrag führt. Recht mager selbst für diese Art von Billigunterhaltung.
Gerettet wird „Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama“ daher tatsächlich fast ausschließlich von seiner gesunden Selbsteinschätzung: Von der völlig überzogenen Stimme des Imps (im Original wie in der deutschen Synchronisation) und seiner knautschigen Erscheinung, von der staubtrocken ihre Nummer abziehenden Linnea Quigley, von den vielen kleinen Running Gags (alleine der Hausmeister ist jede Minute wert) und von den allgemeinen Vibes der John-Landis- und Bob-Clark-Schule. Wenn man über diese Punkte hinaus ins Grübeln gerät, wird’s natürlich zappenduster. Man sollte es wohl am besten gar nicht so weit kommen lassen.
*zum „Warum“ sagt David DeCoteau im Audiokommentar kurz und bündig: „I just loved the Bride of Frankenstein“.