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Mark Wahlberg spielt den Chefelektriker der Deepwater Horizon. Der Vater einer kleinen Tochter befindet sich gerade auf der Ölplattform, weit draußen im Golf von Mexiko, als ein Streit zwischen dem Leiter der Deepwater Horizon, gespielt von Kurt Russell, und den BP-Managern entbrennt. Letztere wollen die Bohrung mit aller Macht fortsetzen und den Bohrschlamm möglichst schnell aus ihren Rohren entfernen, weil die Arbeiten einige Tage im Verzug sind und der finanzielle Schaden immer weiter steigt. Sie können die Arbeiter entgegen deren Bedenken schließlich davon überzeugen, ihre Arbeit fortzusetzen. Mit den bekannten Konsequenzen…

Wenn sich der gewaltige Druck des über Jahrmillionen unter dem Meeresboden lagernden Erdöls schließlich Bahn bricht, wenn kein Ventil und kein Rohr stark genug zu sein scheint, dem braunen Gemisch aus Öl und Bohrschlamm Stand zu halten und die zunehmend verzweifelten Versuche der Arbeiter scheitern, die Katastrophe doch noch abzuwenden, ist das erst der Auftakt eines bedrückenden Szenarios, das immer größere Ausmaße annimmt. Dass dieses auf wahrer Begebenheit basiert und von Regisseur Peter Berg weitgehend realistisch eingefangen wird, macht es besonders eindrucksvoll. Wenn sich Öl und Gas dann entzünden, wenn fast sekündlich neue Explosionen zu hören sind, Metallteile umherfliegen und die Plattform evakuiert werden muss, wird „Deepwater Horizon“ zu einem regelrecht physischen Erlebnis, das an Spannung und Dramatik kaum zu übertreffen ist, wenngleich die eine oder andere Übertreibung ein wenig stört. Den perfekt animierten Feuersbrünsten, der packenden Inszenierung, der eindrucksvollen Soundkulisse und den brillanten Kamerafahrten über die Bohrinsel merkt man das Monsterbudget von über 100 Millionen Dollar in jeder Einstellung an. Neben „Operation: Kingdom“ ist Berg hier eine seiner besten Arbeiten gelungen.

Aber auch vor dem atemlosen und hochdramatischen Showdown weiß „Deepwater Horizon“ durchaus zu überzeugen. Dabei beginnt der Katastrophen-Film recht konventionell mit der Einführung eines bunten Figuren-Karussells, in dem auch reale Personen Platz finden, wie etwa der von Wahlberg verkörperte Mike Williams, der sich am 20. April 2010 von der Ölplattform retten konnte. Im weiteren Verlauf orientiert sich Berg im Wesentlichen am New-York-Times-Artikel „Deepwater Horizon`s Final Hour“ und dem Ergebnis diverser Gerichtsprozesse, wonach BP die Hauptschuld an der Katastrophe trägt. Akribisch listet er einige Versäumnisse und auch grobe Fahrlässigkeiten auf, die schließlich im Blowout mündeten. Dabei wird es zwar sehr technisch und für den Laien etwas unverständlich, aber die groben Linien werden deutlich: Der Zeit- und Kostendruck, das Unterlassen wichtiger Sicherheitsmaßnahmen. Da Berg das Tempo hoch hält und seine Fakten interessant vermittelt, ist „Deepwater Horizon“ auch in der ersten Filmhälfte ausgesprochen unterhaltsam.

Die nachfolgende Ölpest im Golf von Mexiko verkommt dabei zur Randnotiz, wie auch die Förderung und Verbrennung fossiler Rohstoffe mit allen Folgen für das Klima nicht zur Debatte gestellt werden, was beim einen oder anderen Kritiker zu Unmut führte. Letztlich war es aber die richtige Entscheidung von Berg, sich allein auf die Katastrophe auf der Deepwater Horizon zu fokussieren und seinen Film nicht weiter ausufern zu lassen. Die Ölpest sollte Gegenstand eines anderen Films sein.

Bei all den eindrucksvollen Action-Sequenzen verkommen die Darsteller vor allem in der zweiten Filmhälfte zwar eher zur Randerscheinung, am Aufkommen von Spannung und Dramatik sind sie jedoch nicht unbeteiligt. So liefert der gewohnt sympathische Wahlberg als etwas arg beherzter Held des Films eine souveräne Vorstellung ab, während ihm der charismatische Kurt Russell als knorriger aber stets um die Sicherheit besorgter Leiter der Plattform fast schon ein bisschen die Show stiehlt. Der ebenso überzeugende John Malkovich darf derweil dem skrupellosen Milliarden-Konzern sein Gesicht geben, womit dieser natürlich perfekt besetzt ist und seine Stärken voll ausspielen kann. Daneben überzeugt auch der restliche Cast.

Fazit:
Der weitgehend am realen Ablauf der Katastrophe orientierte Film punktet in der ersten Hälfte mit interessanten, wenngleich nicht immer verständlichen Fakten, während er dank der guten Darsteller und Peter Bergs überzeugender narrativer Arbeit zunehmend an Fahrt gewinnt. Das finale Katastrophenszenario wird schließlich mit seiner technischen Brillanz und der realistischen Inszenierung zu einem regelrecht physischen Erlebnis, das spannender kaum sein könnte. Damit gehört allein der Showdown schon zu den Highlights des Kinojahres.

86 %

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