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Sechseinhalb Jahre nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko durch den Untergang der gleichnamigen Ölplattform erschien mit Deepwater Horizon auch eine filmische Aufarbeitung dieser Umweltkatastrophe. Besetzt mit einigen namhaften Schauspielern (John Malkovich, Mark Wahlberg, Kurt Russell) folgt der Streifen weitgehend dokumentarisch den bekannten Vorkommnissen vor der Küste Louisianas, die schlußendlich elf Menschen das Leben kosteten.

Der Film beginnt mit der Zeugenbefragung vor Gericht, die man während des Vorspanns nur akustisch wahrnimmt und die sich darauf fokussiert, warum man den Alarm nicht gehört hat... Nach einigen Sequenzen am Meeresboden beginnt die Story dann mit dem Alltag von Bordelektriker Mike Williams (Wahlberg), der sich hollywoodtypisch gerade von seiner Familie verabschiedet. Nachdem auch der Hauptverantwortliche der Plattform Jimmy Harrell (Kurt Russell mit untypisch kurzen grauen Haaren) eingeführt wurde, widmet sich Deepwater Horizon dem Arbeitsalltag auf der stählernen Insel.

Erfreulicherweise werden immer wieder auch technische Vorgänge geschildert, sodaß der diesbezüglich interessierte Zuseher auf seine Kosten kommt. Natürlich kann bei einem Kinofilm nicht allzutief in die Materie eingestiegen werden, die Frage wie beherrschbar überhaupt die Technik ist, eine kilometerweit unter dem Meeresboden befindliche, unter hohem Druck stehende "Ölblase" anzubohren stellt der Film nicht. Dass in diesem Fall der "Stöpsel" am Meeresgrund, nämlich der Blowout-Preventer - eine dutzende Meter hohe tonnenschwere Konstruktion - versagt hat, wird immerhin angesprochen. Mehr noch aber fokussiert Deepwater Horizon auf die mangelhafte Durchführung von Sicherheitstests, in deren Folge kein Alarm gegeben wurde, was zu menschlichen Verlusten geführt hat.

Während auf der Plattform ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitarbeitern herrscht, stören nur einige Besuche von Offiziellen des Eigentümers BP, die - wie in vielen anderen Firmen auch - Druck ausüben, gescheit daherreden und von der Materie an sich nicht viel Ahnung haben. Diesmal geht es um einen Zement-Test, der unter Zeitdruck nicht richtig ausgeführt wurde. So nebenbei erfährt man auch einiges über die Unzulänglichkeiten eines solch großen Projekts, wobei hier auch auf Details eingegangen wird: "...und die gottverdammten Telefone funktionieren immer noch nicht" bemerkt der Chef Kurt Russell mit leicht fatalistischem Unterton. Der betriebliche Alltag birgt viele Gefahren, und oft muß an  Sicherheitsvorschriften vorbei improvisiert werden - tödliche Alltagsroutine eben.

Gespannt durfte man auf die Schuldfrage sein, die ein fast dokumentarischer Film natürlich stellt, und hierbei kommt die Firma BP nicht gut weg. Mit dem deutlich erkennbaren grünen Firmenlogo am Hemd sehen wir in der Rolle des Obermotz keinen Geringeren als John Malkovich, der kalt lächelnd Zeitdruck über Sicherheit stellt. In einem längeren Dialog macht er dies auch dem kritischen Elektriker (Wahlberg) - und damit dem Zuseher - begreiflich: "Wir sind eine weitläufige, riesige komplexe Organisation, BP. [...] Es gibt Arbeitsabläufe. Wenn sie aus dem Takt geraten, dann gerät alles aus dem Takt. Dann bin ich aus dem Takt, dann sind sie aus dem Takt..." Wahlberg aber läßt sich nicht einschüchtern, als quasi Hauptdarsteller kann er das auch gar nicht: "Hoffnung [daß alles gut geht] ist keine Taktik" kontert er Malkovich.

Obschon die Handlung an sich ja bereits bekannt ist, schafft es Deepwater Horizon dennoch, mit einigen spektakulären Szenen von ersten Druckstößen eine gewisse Spannung aufzubauen. Während einige leitende Mitarbeiter noch ahnungslos diskutieren, fliegen den Arbeitern im Unterdeck schon erste Steinbrocken um die Ohren, emporgeschleudert durch den extremen Druck der unkontrolliert austretenden Ölfontäne. Dann nimmt die Katastrophe ihren Lauf, die Plattform wird von Öl, Dreck und Schlamm überflutet und am Ende brennt das Meer und nicht mehr alle Mitarbeiter können gerettet werden. Das Pathos gegen Ende des Films, u.a. mit gemeinsamem Vaterunser unter dem Stars-and-Stripes-Banner im Feuerschein, glücklicher Familienzusammenkunft von Wahlberg, seiner Frau und Tochter sowie der Bilder der getöteten Arbeiter ganz zum Schluß drückt zwar hollywoodtypisch wieder mal auf die Tränendrüse, was man sich schenken hätte können, ist jedoch wohl unvermeidlich für einen Katastrophenfilm. Dennoch bleibt Deepwater Horizon ein ordentlich inszeniertes Drama über den Kampf des Menschen mit seiner vermeintlich überlegenen Technik gegen die Unwägbarkeiten der Natur - 7 Punkte.

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