Review

Lernen von den Großen

Die wirklich großen Science-Fiction-Meisterwerke, wie "Blade Runner", "Moon" oder "Inception", beeindrucken nicht nur optisch, sondern sie verbinden im besten Fall unsere intimsten Emotionen mit den großen Fragen des Lebens. Und genau in diese legendäre Kategorie muss man auch Denis Villeneuves neuesten Streich "Arrival" einordnen. Was der enorm begabte Kanadier hier abliefert, setzt seinem bisherigen Schaffen die Krone auf & verbindet das Beste von "Incendies" über "Enemy" bis "Sicario". Ein Alien-Invasion-Film, wie man ihn so noch nie gesehen hat, in den tiefen Stapfen von Spielberg und Ridley Scott. Villeneuve ist auf dem besten Weg auf ein Level mit Christopher Nolan zu kommen, beweist hiermit nicht nur seine Vielseitigkeit, sondern dass er ganz einfach einer der spannendsten & wichtigsten Geschichtenerzähler ist, die momentan in Hollywood Filme drehen. 

"Arrival" handelt von zwölf muschelförmigen Raumschiffen, die verstreut auf dem gesamten Planeten ziemlich tatenlos knapp über der Erde schweben. Nun wird von den USA u.a. eine Sprachwissenschaftlerin in ihr UFO geschickt, um mit den mysteriösen Besuchern Kontakt aufzunehmen. Doch der Film dreht sich nicht um die Aliens, egal ob böse oder gut, sondern um uns Menschen. Davon wie die Welt mit so einer Begegnung umgeht, ob wir endlich zusammenarbeiten bis hin zum intimsten Gefühlschaos einer herausragenden &, passend zum sehr gediegenen, überlegten Film, bodenständigen Amy Adams. Ein edler Sci-Fi-Denkanstoß, der Gedanken, Gespräche & Gefühle auf beste Weise anregt. Wundervolle Thinking-Mans-Science-Fiction, wie man sie schon fast aus Hollywood abgeschrieben hatte. Da verzeiht man fast, dass die USA sich im Film doch arg friedlich & unrealistisch kooperativ zeigt, der aggressive Peter den Chinesen zugeschoben wird.

"Arrival" lebt von seinen mutigen Ideen & einem meisterhaften Twist, der alles auf den Kopf stellt & im Kreis laufen lässt. Dazu eine unterschwellig wabernde Atmosphäre, die auch schon Villeneuves andere Werke so kostbar & aufrüttelnd erscheinen ließ. Der fordernde Film nimmt sich enorm viel Zeit, hat es alles andere als eilig & man muss (trotzdem) sehr wach bleiben - für einige Zuschauer im Kino eine nicht zu meisternde Herausforderung. Wer will es ihnen verübeln, in einer überschleunigten Zeit & der sonst so viel tiefer liegenden Latte was Geduld, Mitdenken & Cleverness in Filmen angeht. Doch gerade seine ansteigende Spannungs- wie Emotionskurve, kulminierte für mich in ein nahezu perfektes Finale, dass noch lange nach dem Abspann für Herzklopfen & umherirrende Gedanken sorgte. Der Film schneidet viele seiner großen Thesen über Kommunikation, Zeit & den Sinn des Lebens nur an, überfordert einen jedoch gleichzeitig nicht & lässt jedem genug Spielräume, das Gesehene für sich zu interpretieren. Das Design der Aliens ist klassisch & in Ordnung, ihre Schiffe sind dagegen in unserer Natur ein wahrer Blickfang, selbst wenn nicht jeder Spezialeffekt allerhöchstes Niveau hat. 

Wissenschaftlich genauso wertvoll wie menschlich, überschneidet er sich in wichtigen Themen auffällig mit "Inception" & ist so etwas wie der introvertiertere Gegenpol zu Nolans Sci-Fi-Mammutwerk - und hier hat man sogar wesentlich weniger das Gefühl, dass sich der Film an seinen komplizierten Ansätzen verhebt. Selbst wenn hier ebenfalls Vieles sehr weit hergeholt & fantasiert erscheint, hat mich "Arrival" trotzdem nie stehen lassen & auf eine verdammt aufschlussreiche Reise in unsere menschliche Natur mitgenommen. Mich, wie die Protagonistin, sogar etwas verändert zurückgelassen. Fantastisch & genau so muss Science-Fiction sein! Einer der Kinobesuche, um die man sich dieses Jahr nicht drücken sollte, egal wie anspruchsvoll der Film sein mag. Es lohnt sich!

Fazit: einer der besten Science-Fiction-Filme des 21. Jahrhunderts - intellektuell stimulierend, überraschend emotional & in Teilen schlicht genial bis waghalsig mutig. Villeneuve schießt sich zu den ganz Großen seiner Generation & Zunft! Die "Unheimliche Begegnung..." meiner Generation? 

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