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Es mag Zufall sein, dass der Streifen, nach einigen Verzögerungen in der Produktion, etwa zeitgleich mit Emmerichs Wiederkehr von „Independence Day“ erschien, denn unterschiedlicher kann Science Fiction im Hinblick auf Aliens kaum ausfallen.

Eben noch betrauert Linguistin Louise (Amy Adams) den Tod ihrer Tochter, da wird sie von Col. Weber (Forest Whitaker) nach Montana beordert, wo sich eines von zwölf weltweit gelandeten Raumschiffen befindet. Mithilfe des Physikers Ian (Jeremy Renner) soll sie Kontakt zu den Extraterrestrischen aufnehmen und den Grund für deren Ankunft herausfinden…

Regisseur Denis Villeneuve beschreitet einen gänzlich anderen Weg im Umgang mit Aliens, der ja eigentlich darin besteht, den ungebetenen Gästen mit viel Rommsbomms in den Hintern zu ballern. Erstmal nachhaken, erstmal Kontakt aufnehmen, erstmal Respekt zollen.
Das baut sich zwar alles recht gemächlich auf, doch diese nebelschwadigen Logogramme durch die Tentakelwesen Abbott und Costello haben etwas für sich, sind toll in Szene gesetzt und machen Lust aufs Entschlüsseln.

Nur leider baut sich kaum eine Bindung zu den Figuren auf, obgleich der leitende Militärheini nicht gleich den Atomhammer zückt und auch mal interessiert nachhakt. Erst gegen Ende entwickelt sich Louise zur entscheidenden Figur über Zeit und Raum, doch da ist der emotionale Zug schon beinahe in den unendlichen Weiten des Alls entschwunden.
Immerhin stimmt der Twist ein wenig nachdenklich und regt zu Diskussionen über die Wichtigkeit von Kommunikation an, vielleicht auch übers Kinderkriegen und den Einfluss chinesischer Regierungschefs.

Derweil wird darstellerisch nicht allzu viel abverlangt. Renner ist halt anwesend und durch Brille symbolisiert er einen Wissenschaftler, Whitaker ist maßlos unterfordert, während Adams okay performt und immer dann überzeugt, wenn die Unsicherheit gegenüber den Heptapoden überwiegt. Sehr stark sind demgegenüber Sounddesign und Score, die dem Treiben eine leichte Melancholie verleihen und perfekt auf das Szenario abgestimmt sind.
Auch die Kamera liefert ordentlich ab, was sich primär bei einigen Luftaufnahmen äußert, auch beim Betreten oder Verlassen der muschelartigen Raumschiffe.

Die vergleichsweise unkonventionelle Herangehensweise ist definitiv auf der Habenseite zu verbuchen, denn abseits von Geballer, Explosionen und unglaubwürdigen Flugmanövern entfaltet sich ein Plädoyer für Sprache und Kommunikation und im weitesten Sinne gegen Fremdenfeindlichkeit. Zumindest entschädigt die positive Botschaft für einige Längen im Mittelteil, wogegen es die leicht kitschigen Einstellungen gegen Ende nicht gebraucht hätte.
Vielschichtig und intelligent, teils atmosphärisch und phasenweise spannend, in einigen Bereichen jedoch zu distanziert und gleichermaßen redundant erzählt, um die titelgebende Ankunft vollends mitreißend zu gestalten.
6,5 von 10

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