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Wie bei annähernd jedem Regisseur gab es auch bei Tim Burton schwächere Perioden oder gar Filme, die kaum mehr seine Handschrift trugen. Mit „Die Insel der besonderen Kinder“ knüpft Burton an frühere Erfolge an und überzeugt primär auf audiovisueller Ebene.

Der sechszehnjährige Jake (Asa Butterfield) hörte seit der Kindheit wundersame Geschichten seines Großvaters über Kinder mit besonderen Fähigkeiten. Nach dessen Tod will er jenen Ort erkunden und reist mit seinem Vater nach Wales, wo er sich kurz darauf in einer Zeitschleife im Jahre 1943 befindet und auf jene Kinder trifft, die unter der Leitung von Miss Peregrine (Eva Green) ein unentdecktes Dasein fristen. Allerdings hat der dämonische Barron (Samuel L. Jackson) ihre Spur gewittert…

Burton lässt sich ein wenig Zeit beim Aufbau seiner Geschichte, er etabliert zunächst den Außenseiter Jake und stellt die Kinder mit den besonderen Fähigkeiten im Grunde zweimal vor, - einmal per Großvaters Erzählung und später im Waisenhaus bei jeweiligen Aktionen.
So hat ein Mädchen unglaubliche Kraft, ein anderes kann Feuer mit Berührungen entfachen, einer ist komplett unsichtbar, während Herzblatt Emma die Kontrolle über Wind hat und Bleischuhe tragen muss, um nicht unkontrolliert in der Luft zu schweben.

Das ist anfangs, insbesondere für die jüngeren Zuschauer durchaus lustig, doch für die dürfte der Spaß spätestens beim Auftritt der Hollowgasts beendet sein, welche sich von den Augen ihrer zumeist jungen Opfer ernähren. Zudem sehen die Monster recht garstig aus und gehen rabiat, wenn auch nicht explizit blutig zu Werke. Die FSK12 ist diesbezüglich durchaus angemessen.

Derweil lässt Burton seiner kreativen Ader freien Lauf und baut das eine oder andere Gimmick ein, welches auch aus früheren Werken stammen könnte. So kämpfen zwei Frankenstein-Roboter via Stop-Motion gegeneinander, während auf einem Jahrmarkt eine Armee von Skeletten in Aktion tritt. Ein wenig Gothic wird durch das Waisenhaus erzeugt, jedoch auch durch Eva Green, die stets schwarz gekleidet und Pfeife rauchend eine Mischung aus Overacting und bewusster Zurückhaltung abliefert. Bis auf den Jungen mit den Bienen sind die Tricks und Spezialeffekte erstklassig, besonders eine Unterwassersequenz ist traumhaft in Szene gesetzt.

Die Geschichte eines Außenseiters, der die Flucht aus der Realität antritt und schließlich in einer fantastischen Welt landet, ist speziell für Burton kein Neuland. Phasenweise vermisst man zwar ein wenig die magischen Momente und die Figurenzeichnungen bleiben insgesamt etwas zu blass, doch das Abenteuer der Andersartigen unterhält innerhalb der 127 Minuten sehr solide. Darstellerisch überzeugend, musikalisch hervorragend, wandelt Burton den Bestseller von Ransom Riggs in ein buntes, kreatives und vor allem sympathisches Abenteuer um, dem eine Fortsetzung gut zu Gesicht stehen würde.
7 von 10

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