Für Tim Burton muss der Film nach Ransom Riggs’ Young Adult Bestseller ein Geschenk des Himmels gewesen sein. Denn die Vorlage bietet quasi ein „Best-of“ aller Burton-Motive – liebenswerte Außenseiter, morbide Fantasien, schräge Parallelwelten. Die Vermutung liegt nahe, dass Burton nach vielen vielen Jahren erstmals wieder mit Hingabe an einem Film gearbeitet hat. Das hat sich gelohnt: MISS PEREGRINE ist eines seiner bis heute besten Werke geworden.
Der Film wandelt sich von der Coming-of-Age-Fantasy über einen märchenhaften, romantischen Thriller bis zu einem actiongeladenen Spannungs-Showdown mit fliegender Zuckerwatte und Totenschädeln und wird dabei immer fantastischer, verspielter und überbordender in seinem Einfallsreichtum. Hier drin stecken mehr Ideen als in jeder HARRY POTTER-Verfilmung, vor allem aber ist MISS PEREGRINE die deutlich mutigere, gefährlichere Fantasy: Zwar schwächt Samuel L. Jackson mit seiner Over-the-Top-Performance den Bedrohlichkeitsgrad seines Über-Bösewichts etwas ab, aber die „Hollows“ sind wirklich furchteinflößende Monster, neben denen J. K. Rowlings „Dementoren“ wie schwache Schatten wirken. Darüber hinaus ist der Film auch ein Fest fürs Auge: Selten wurde in einem nachträglich konvertierten Mainstreamfilm so viel Wert auf die 3D-Bildgestaltung gelegt. Insbesondere in seiner ersten, ruhigeren Hälfte ist es ein reines Vergnügen, dem Film zuzuschauen und Tim Burtons Liebe zum Detail zu bewundern.
Es ist zu hoffen, dass der Film ein Erfolg wird und auch die beiden Folgebände eine adäquate filmische Umsetzung erfahren – idealerweise mit demselben Team.