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Tim Burton hat ein Faible für Außenseiter. Und Johnny Depp. Und überbordende, erschlagende Optik. Wenn er diese Elemente in Balance hält, kommen dabei Perlen raus wie Ed Wood oder Edward mit den Scherenhänden. Oder gute, schön-schaurige Unterhaltung wie Sleepy Hollow, Corpse Bride oder, in Ansätzen, Sweeney Todd. Wenn es ihm entgleist wird es aber einfach schrecklich, wie Alice im Wunderland, oder belanglos, wie Big Eyes oder Plant der Affen.
Hier ist Johnny Depp nicht dabei, wird aber auch nicht vermisst. Die Geschichte erinnert an Harry Potter und Percy Jackson, ist aber deutlich düsterer und getragener. Wo die genannten eine neue vollständige Heimat neben der normalen Welt finden, begibt sich der Held hier von einer düsteren, fast farblosen Realität in eine bunte, die aber in sich gefangen ist und die keinen Kontakt mit der äußeren Welt haben darf. Dazu kommt Burtons Vorliebe für gestörte Vater-Kind-Beziehungen, die auch hier eine Rolle spielt.
Die Gruppe an Außenseitern wird schön herausgearbeitet, der Protagonist ist weder frustrierend dämlich noch überschlau. Die Handlung hat genug Wendungen, um bis zum Schluss interessant zu bleiben, es gibt Action, die aber schön gebrochen wird, ohne zu brutal zu werden (obwohl Augen aufgefressen werden). Samuel L. Jackson darf als Bösewicht eine überdrehte Standardvorstellung geben, die aber perfekt in den Film passt.
Die Effekte sind gut und fügen sich organisch ein, in ein paar Szenen wird den Effektkünsten Ray Harryhausens anchgespürt (es gibt einen Kampf kleiner Roboter, der fast Stop-Motion sein könnte, am Ende springen gar Skelette herum).
Die Grundstimmung ist recht düster, ohne dabei zu bedrückend zu werden, das Ende ist dann auch kein lupenreines Happy End (auch wenn es die Handlung abschließt).
Insgesamt ein überraschend guter, unaufdringlicher Film, der mich von der ersten bis zur letzten Minute gut unterhalten hat.
Sieben von zehn Augenpaaren

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