Review

Viele Tentakel, orgasmisches Debakel

Amat Escalantes "The Untamed" ist ein mutiges Brett, das sich wehement weigert durchbohrt zu werden. Die Protagonisten eher weniger - und das von einem ausserirdischen Tentakelmonster, das Besuchern seiner abgelegenen Hütte im Wald die totale sexuelle Befriedigung verschafft... zumindest bis es sich langweilt und nach neuem Fleisch giert. Doch während sich das nach Horror oder sogar sexy Trash anhört und das polarisierende Werke damit natürlich Aufsehen erregt, ist Escalantes sogartiges Regieejakulat vor allem ein bierernstes Familiendrama mit Anklagen an die (mexikanische) Gesellschaft an jedem Ende seiner vielen Schleimarme. Wut trifft auf Ratlosigkeit, Gefahr auf Anziehung, Geilheit auf Ekel. Ein Trip zu unseren tiefsten Instinkten, Wünschen und auch Ängsten. Leider wird fast alles nur angehaucht und das Ende wirkt abgehakt und etwas ratlos. Gewollt aber nicht ganz gekonnt. 

Ich habe mich gelangweilt. Ich habe gestaunt. Ich habe geschluckt. Ich habe gestutzt. Und das ist nur ein kleiner Auszug der Gefühle, durch die mich dieser fiese kleine Stimulant von Film geschickt hat. Er entlässt mich mit höchst ambivalenten und wirren Gefühlen. Vielleicht sogar etwas leer und ausgelaugt. Dabei ist seine Laufzeit erfreulich kurz. Er weiß wohl warum. Irgendwo zwischen dunklem Märchen und Psychoanalyse des menschlichen Unterleibs quirlt einen dieser Sex-Mex-Mix schön durch. Danach ist man Matsch als hätte man sich selbst von dem mysteriösen Wesen durchkneten lassen. Schade nur, dass es keine Figur gibt, die auch nur den Ansatz von Sympathie in mir hervorrufen konnte. 

Fazit: ein Genrebastard der immer zwischen Gänsehaut und Gähnen, Lust und Frust, Sex und Mex, Arthouse und Schlagfaust schwankt. Er ist ebenso leicht zu hassen wie zu bewundern. Inklusive ein paar Szenen, die definitiv hängen bleiben. Lange. Schwere, entschleunigte und metaphorische Sozialstudie und -kritik. Monsterhorror wie nie zuvor. Ein Experiment zwischen kleinem Tod und großem Pfui. Eine wilde Region, die man nur allzu gerne verdrängt aber nie abschütteln kann. 

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