kurz angerissen*
Unterkühltes Sozialdrama mit naturalistischem Anstrich, dessen Bilder nicht nur wegen der blaugrünen Farbfilter gefrieren lassen, sondern auch und vor allem wegen der ausgedrückten emotionalen Distanz zwischen allen Beteiligten. Die Spezialeffekte werden punktuell eingesetzt, um die durchweg unter Spannung stehenden Kommunikationsbarrieren zu durchbrechen. Obwohl ein sich windendes Tentakelwesen in einem Drama mit starker realistischer Färbung trotz fotorealistischer Animation einen scharfen Kontrast ergeben muss, ist es als Metapher für isolierte Momente gelebter Freiheit ungleich besser in den Film integriert als viele Filmmonster aus der Traumfabrik, die sich mit Camouflage-Effekt in ihre ebenso künstliche Filmwelt integrieren.
Einflüsse sind folglich eher in europäischen Produktionen zu finden. "Possession" steht dabei wegen der inhaltlichen Nähe (und der Lovecraft'schen Motivik) natürlich ohne Umschweife ganz oben, aus jüngerer Zeit ließe sich vielleicht auch "Under The Skin" anführen. Das betrifft die visuelle Drastik ebenso wie die ungeschönte Darstellung zwischenmenschlicher Interaktionen. Tabus in der Darstellung von Sexualität oder Gewalt kennt "The Untamed" nur wenige, was den Eindruck untermauert, es werde eine kompromisslose Linie gefahren, begonnen bei der Atmosphäre, die jedem Postkarten-Klischee über Mexiko aufs Äußerste widerspricht, bis hin zum aufopferungsvollen Einsatz der Darsteller. Dabei handelt es sich im Kern um einen zutiefst eskapistischen Film, der in Sehnsucht nach individueller Erfüllung schwelgt. Nicht anders als ein Märchen.
*weitere Informationen: siehe Profil