Review

kurz angerissen*

Drastischer lässt sich Kritik am Christentum beinahe nicht darstellen. In "Brimstone" ist Religion die Lizenz zum Töten. Aber mehr noch als das: Sie heiligt das Ausleben sadistischer Triebe, mit denen Erfüllung im Leid Anderer gefunden wird. Sie rechtfertigt jede Art von Gewalt des gläubigen Mannes an jeder Frau, die ihm über den Weg läuft. Sie wäscht seine Hände rein. Mit ätzender Ironie tragen die Kapitel den Namen der Testamente und sind jeweils gefüllt mit Scheußlichkeiten der niederträchtigsten Art. Ihre Darstellung führt oft weit genug, dass man sie bereits in die Exploitation-Ecke verweisen kann. Guy Pearce verkörpert als von Narben gezeichneter Priester das ultimative Böse, völlig frei von Ambivalenzen; mit seinen bestialischen Auftritten strahlt er jene Aura aus, die normalerweise den dunklen Mächten in Horrorfilmen vorbehalten ist. In diesem Konstrukt entwickelt sich Hauptdarstellerin Dakote Fanning von der Überlebenden zum Racheengel, während der Neowestern um sie herum zum grimmigen Revenge-Thriller wird. Manipulativ spielt er mit dem Sinn für Gerechtigkeit, den er fortwährend hintergeht, um die Wut beim Miterleben der Gräueltaten zu steigern.

Martin Koolhoven kann es also nicht darum gehen, ein differenziertes Bild zu schaffen. Der Ertrag seiner Arbeit ist kein nüchternes Abbild religiöser Strukturen zu jener Zeit, sondern hartes, stark symbolisiertes Spannungskino, das den Phoenix in uns mit dem Streichholz kitzelt. Die Darsteller müssen in diesem Fall nach der Intensität ihrer Leistung beurteilt werden, nicht nach der Natürlichkeit oder Authentizität. Das Drehbuch danach, wie effektiv es das Adrenalin steigert, nicht wie es subtile Fäden zieht zwischen Religion und Gewalt. So kommen dann zumindest die Masochisten voll auf ihre Kosten.

*weitere Informationen: siehe Profil

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