Der arme Köhler Peter Munk (Frederick Lau) verliebt sich in Liesbeth (Henriette Confurius), die Tochter des reichen Glasmachers (Sebastian Blomberg). Der lehnt ihn schon aus Standesgründen ab. Tief im Wald trifft Peter das Glasmännchen (Milan Peschel), doch er vergeudet seine 3 Wünsche ohne Verstand. So bleibt als einziger Helfer noch der Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu)…
Die DEFA-Produktion „Das Kalte Herz“ von Paul Verhoeven aus dem Jahr 1950 gilt als Klassiker des deutschen Märchenfilms. 66 Jahre später entsteht an gleicher Stelle, den heutigen Studios Babelsberg, eine Neuverfilmung von Willhelm Hauffs (1802-1827) Geschichte, die ebenfalls das Zeug dazu hat Generationen von (älteren) Kindern und Erwachsenen zu begeistern. Dabei sieht „Das Kalte Herz“ erstmal großartig aus, Kulissen, Kostüme und Ausstattung brauchen sich vor den us-amerikanischen Großproduktionen a la Disney etc. nicht zu verstecken. Wo diese aber auf Action und klischeehafte Figurentypen setzen, geht Regisseur Johannes Naber (geb. 1971 in Baden-Baden, „Nordwand“ 2008) einen anderen Weg, entwickelt Figuren mit echter Tiefe – der Holländer-Michel erhält eine Hintergrundstory, die ihn zum Herzenräuber macht und das Glasmännchen ist hier ein echter Ökobotschafter – und betont die Kapitalismuskritik, die im Märchen des Spät-Romantikers überdeutlich die Gefahren des mit der Industrialisierung aufkeimenden Kapitalismus aufzeigt. Johannes Nader verbreitet somit die Botschaft seines letzten Films „Zeit der Kannibalen“ (2014) auch in der Märchenwelt, die im Schwarzwald verortet und zeitlich dem Mittelalter zuzuordnen, letztlich aber global und zeitlos ist. Getragen wird sein Werk von einem großartigen, topp besetzten Ensemble. Milan Peschel („Der Nanny“ 2015) und Moritz Bleibtreu („Die Dunkle Seite des Mondes“ 2015) können nicht stark genug kostümiert und geschminkt sein um ihr Können zu verdecken. Sie geben den legendären, von Kindheit an vertrauten Figuren ein neues, bleibendes Gesicht. Und Frederick Lau („Das Leben ist nichts für Feiglinge“ 2012, „Victoria“ 2015), Berliner Jahrgang 1985, ist zu dem Talent seiner Schauspielergeneration geworden, was er mit seiner Wandlung vom tumben, unterdrückten Köhlersohn zum reichen Kaufmann mit dem Herz aus Stein beeindruckend beweist. (8,5/10)